Am Donnerstag begann vor der von Annette Gantrel präsidierten Kriminalkammer am Tribunal Diekirch der Prozess gegen den heute 32-jährigen Nelson R. Ihm wird Totschlag an der am 30. April 2010 verschwundenen und später tot im Stausee aufgefundenen Nancy Wolff vorgeworfen.
Der Täter hatte lange Zeit versucht, das Verschwinden seiner Freundin als Entführungsfall zu tarnen. Erst sein Geständnis führte zum Auffinden der Leiche der jungen Frau an der Staumauer.
In Italien gesichtet
Als erster sagte am Donnerstag einer der Ermittler aus, dass das Paar in der Nacht vom 29. auf den 30. April 2010 aus Italien zurückkam. Dies war nachzuweisen, da ihr Auto in einer Radarkontrolle wegen überhöhter Geschwindigkeit gefilmt worden war.
Der Tatverdächtige blieb jedoch während den gesamten Ermittlungen bei seiner Entführungsversion. Seine Freundin sei an Bord eines schwarzen Mercedes von Osteuropäern verschwunden, ohne sich um die gemeinsame Tochter zu kümmern.
Entführungsversion unglaubwürdig
Diese Version wurde ihm von Anfang an von den Ermittlern nicht geglaubt, was dann auch noch durch eine dreimal gehörte Zeugin und Nachbarin, die das Paar danach noch zusammen gesehen hatte, bestätigt wurde.
Doch wenn der Beschuldigte sich am 29. November 2010 nicht zur Polizei begeben und das Geständnis abgelegt hätte, dass er bei einem Streit seine noch lebende Freundin von der 12,5 Meter hohen Brücke auf der N27 zwischen Esch-Sauer und Lutzhausen geworfen hatte, wäre es äusserst schwierig gewesen, das in 29 Meter Tiefe liegende Opfer zu finden, so der Ermittler.
Geld- und Alkoholprobleme
Mit dem zweiten Ermittler wurde dann der Stress erörtert, unter dem das Paar seit der Geburt der Tochter litt. Die sonst eher energische Nancy hatte immer öfter Depressionen, nicht zuletzt auch wegen Geld- und Alkoholproblemen bei beiden Partnern.
Der Zeuge erinnerte auch an einen Polizeieinsatz am 15. Mai 2010, also nach dem Verschwinden von Nancy, bei dem der Beschuldigte zuhause randalierte und gegen die Polizisten, die ihn in seiner Wohnung mit seiner vernachlässigten Tochter vorfand, rebellierte.
Der Zeuge erzählte dann ausgiebig von den Abhörungen des Handys und anderen Überwachungen des mutmasslichen Täters, der mehrere Male ein Cabaret aufsuchte, wo er recht grosszügig Champagner zu 250 Euro die Flasche spendierte.
Anonyme Informantin
Es war dann die Nachbarin, die das Paar nach dem angeblichen Verschwinden des Opfers vor dem Haus gesehen und die Polizei darüber anonym informiert hatte, die am Donnerstag im Zeugenstand von der latenten Aggressivität des Beschuldigten berichtete. Die Zeugin erfuhr erst später aus der Presse, dass Nancy Wolff zu diesem Zeitpunkt bereits als vermisst erklärt war.
Die als Zeugin gehörte medizinische Gutachterin, Dr. Elisabeth Turck, welche die Autopsie der sieben Monate lange im tiefen schlammigen Wasser gelegenen Leiche vorgenommen hatte, konnte die genaue Todesursache nicht mehr feststellen. Einzig die Tatsache, dass sie vor ihrem Sturz schon grobe Verletzungen hatte, konnte die Expertin einigermassen klar verneinen.
Der Prozess wird am Freitag mit weiteren Zeugenanhörungen und den einzelnen Plädoyers fortgesetzt.
Zu Demaart
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