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Staatsanwalt in Bedrängnis

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Das Phantombild eines mutmasslichen Bommeleeërs ähnelt dem Gründer der BMG Geiben. Dieser Ansicht war die Verteidigung der Angeklagten im Bommeleeër-Prozess am Dienstag. Aufregung gab es über anonyme Zeugen.

Tag 6 im Bommeleeër-Prozess.

Wurde der Anschlag vom 28. Mai 1985 an einem Strommast der Cegedel Tage zuvor vorbereitet? Unter anderem diese Frage sollte ein Zeuge am Dienstag vor Gericht klären helfen. Neue Erkenntnisse dazu gab es nicht.

Die Schilderung der Anschlagsserie in den Jahren 1984 bis 1986 wurde am Dienstag für kurze Zeit unterbrochen. In den Zeugenstand wurde John Gindt gerufen, ein ehemaliger Polizist. Von ihm erwartete sich das Gericht Details zum Anschlag auf einen Strommast in Itzig am 28. Mai 1985. Am Montag waren widersprüchliche Angaben dazu geäußert worden. Demnach soll der Anschlag Tage zuvor vorbereitet worden sein. Gab es tatsächlich für den Sprengstoff Bohrlöcher im Fundament des Masten? Nein, sagt Ermittler Carlo Klein, der sich dabei auf Erkenntnisse des deutschen BKA beruft.

Klein hatte am Vortag keine genauen Angaben dazu machen können. Die Bohrungen seien von einem Ermittler gesehen worden, anderen bestritten dies. Ein entsprechender Bericht sei verschwunden. Vermutlich geschreddert, sagte Klein am Mittwoch.

Ermittlungen auf eigene Faust

John Gindt, der selbst nicht in den Ermittlungen zur Bombenserie impliziert war, ermittelte auf eigene Faust, sagte er am Dienstag. Seine Beobachtungen seien jedoch zu keinem Moment berücksichtigt worden, beklagt er sich vor den Richtern. Die Frage, wer seine Hilfe abgelehnt habe, konnte der Ex-Polizist jedoch nicht beantworten. Er habe mehrmals die Hotline Bommentelefon angerufen. Antworten auf seine Fragen habe er jedoch nicht bekommen.

Für eine Lachsalve im Gerichtssaal sollte Gindt mit einer kleinen Anekdote sorgen. Drei bekannte Kleinkriminelle seien mit einem Wagen (Volvo) der Ermittler in der Bombenlegeraffäre durch die Gegend gefahren. Laut Gindt wurden sie für eine Polizeiaktion im deutschen Grenzraum benutzt. Sie gaben den Wagen allerdings nicht zurück, sondern überfielen einige Tankstellen im Norden Luxemburgs.

Nach der Anhörung von Gindt setzte das Gericht die Befragung von Ermittler Klein fort. Er setzte seine Erklärungen zu den verschiedenen Attentaten fort. Zeugen habe es bei den verschiedenen Anschlägen, unter anderem auf das Gerichtsgebäude, wohl gegeben, nur hätten sie keine neuen Erkenntnisse gebracht, geht aus Kleins Ausführungen hervor.

Phantombild

Bei der Bombenexplosion auf den damaligen Justizpalast will ein Zeuge einen Täter gesehen haben, von dem die Ermittler ein Phantombild zeichnen liessen. Die Strafverteidigung will in diesem Phantombild den Gründer der Spezialeinheit der Gendarmerie, Ben Geiben, erkannt haben. Das Bild soll am Mittwoch mit einem Foto des Betroffenen verglichen werden.

Viele Zeugen, viele widersprüchliche Aussagen gab es um das Attentat auf das Landesystem auf Findel. Hier war am 9. November 1985 erheblicher Sachschaden entstanden. Bei Aufräumarbeiten wenige Tage später wurde ein Arbeiter durch eine mit Sprengstoff präparierte Taschenlampe schwer verletzt.

Widersprüchliche Aussagen

Etliche Zeugen sollen Tatverdächtige gesehen haben. Ihre Aussagen widersprechen sie jedoch. In Rage versetzte Me Gaston Vogel die Tatsache, dass von einem wichtigen, anonymen Zeugen die Rede ist, der jedoch namentlich weder beim Ermittler noch beim Staatsanwalt bekannt ist. Verteidigung und Richter forderten die Staatsanwaltschaft, den Zeugen zu finden.

Erneut empörte sich die Verteidigung über die schlampige Ermittlungsarbeit. Augenzeugenberichte wurden nicht schriftlich erfasst. Sobald der Name Prinz Jean falle, würden falsche Pisten gelegt oder Berichte verschwinden, so Vogel. Auch nach dem Anschlag auf Findel wurde ein Phantombild erstellt, auch dieses Bild verschwand in einer Schublade.

Der Zeuge Schommer, der wichtige Angaben zum Attentat auf Findel geben könnte, soll vor Gericht gehört werden. Richter und Verteidigung wollen Klarheit, hieß es am Dienstag in der Cité judiciaire.

(fo/lmo/Tageblatt.lu)