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Die Spur von Stay Behind

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Ermittler Carlo Klein wurde am Mittwoch erneut in den Zeugenstand gerufen. Die Täter verfügten über beachtliches Insiderwissen, sagt er. Die Stay-Behind-Spur taucht wieder auf und die Gerüchte um Prinz Jean.

Familienangehörige des damaligen Stromlieferanten Cegedel unter Personenschutz, Strommasten um Luxemburg, die überwacht werden, Tanklager auf Findel unter Armeeschutz – nach den ersten Attentaten auf die Strommasten lief der Sicherheitsapparat in Luxemburg auf Hochtouren. Ermittler Carlo Klein erzählte am Mittwoch vor den Richtern, wie Gendarmerie und Polizei in den Jahren 1984 bis 1986 ermittelten, wie wichtige Objekte vor den Attentätern geschützt werden sollten.

Die Stimmung bei Gendarmerie und Polizei war nicht gut. Für Misstrauen sorgte das Insiderwissen der Bombenleger, so Klein. Die Täter hätten immer einen Vorsprung von 20 bis 60 Minuten gehabt. Die Hoffnung, jemanden in flagranti zu erwischen, ging nicht in Erfüllung. Hinzu kam Kompetenzgerangel zwischen der Gendarmerie und dem damaligen Untersuchungsrichter Prosper Klein. Der hatte sich über das Chaos bei den Ermittlungen beschwert.

Ermittlungen wegen Gerüchten um Prinz Jean

Es sei in verschiedenen Richtungen ermittelt worden, sagt Ermittler Klein. Unter anderem auch aufgrund des Verzichts von Prinz Jean auf alle seine Adelstitel im Jahr 1987. Spekuliert worden war über eine homosexuelle Beziehung von Prinz Jean, des Bruders von Großherzog Henri.

Prinz Jean habe auch nicht den Schmuck aus Familienresidenz in Südfrankreich entwendet, so Ermittler Klein. Das war damals ein Polizeibeamter gewesen. Nichts mit der Bommeleeër-Affäre zu tun hatte auch ein angeblicher Erpresserbrief an den Großherzog. Das sei ein Jugendstreich von Prinz Guillaume gewesen, heißt es. In den Sand verliefen auch die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Haus in Bereldingen, aus denen Schüsse gehört worden waren. Der Hof hatte das Haus 1981 erworben. Der Schiessstand im Keller sei bei der Renovierung verschwunden.

Etliche Gerüchte, keine Spur

Insgesamt gingen die Ermittler 19 Gerüchten im Zusammenhang mit der Abdankung von Prinz Jean nach, so Klein. Keines konnte mit den Bombenlegern in Verbindung gebracht werden.

Me Vogel greift mit präzisen Fragen ein. Wurde gegen den verstorbenen BMG-Mitglied Jos Steil ermittelt wegen der Lagerung von Strengstoff in dessen Keller? Das Material soll von einer Übung in Paris stammen. Die Richterin Sylvie Conter: Me Vogel, Sie scheinen besser informiert zu sein, als die Ermittler der Justiz.

Stay-Behind: Liess SREL-Chef Hoffmann Beweismaterial verschwinden?

Die Verteidigung lässt nicht locker, auch nicht von der vermeintlichen Spur, die zu Stay Behind, der geheimen Nato-Armee im Kalten Krieg, führen soll. Me Gaston Vogel zitierte aus einer eidesstaatlichen Erklärung eines deutschen Historikers, Andreas-Johann Kramer. Sein Vater sei Bundeswehr-Offizier und Angehöriger des deutschen Bundesnachrichtendienstes und für Gladio Deutschland und die Benelux zuständig gewesen sein. Kramer zufolge seien die Stay-Behind-Mitglieder in Sardinien ausgebildet worden und Spezialisten im Umgang mit Sprengstoff gewesen. Sein Vater habe ihm dies vor seinem Tod anvertraut. Zusammen mit dem damaligen SREL-Chef Charles Hoffmann habe Kramer senior etliche Beweismittel verschwinden lassen. Stay Behind sei für die Sprengstoffanschläge in den 1980er Jahren in Luxemburg verantwortlich, so Kramer.

Was am Dienstag geschah

Ist Ben Geiben der Bommeleeër? Auch nach der Gegenüberstellung zwischen Zeugen und Verdächtigem am Dienstag fehlt der Durchblick. Geiben hatte vor Gericht angegeben, den Zeugen Theodor Wormeringer nicht zu kennen. Der hatte am Montag bezeugt, Geiben habe ihm gegenüber gesagt, er sei der Bombenleger.

Für Überraschung hatte am Dienstag jedoch die Information von Me Gaston Vogel gesorgt, dass sich der frühere BMG-Chef Ben Geiben und der damalige Staatswalt und heutige Generalstaatsanwalt Robert Biever heimlich in einer verlassenen Privatwohnung eines Ermittlers in Oberdonven getroffen hatten. Auf seine Initiative hin, so Biever. Am Treffen hatten auch die Ermittler Carlo Klein und Marco Weis teilgenommen. Ein Bericht des Treffens wurde nicht angefertigt. Einen Deal, wie von der Verteidigung vermutet, wurde auch nicht abgeschlossen. Im Zeugenstand hatte Biever geheimnisvolle Andeutungen gemacht. Personen in hohen Positionen wüssten, wer hinter den Attentaten stecke. Die vor Gericht stehenden Joseph Wilmes und Marc Scheer seien nicht die Drahtzieher.

Carlo Klein, der bereits in den vergangenen Tagen als Zeuge über den Hergang der Attentate und die Ermittlungen gehört worden war, wird erneut am Mittwoch gehört.
(fo/lmo/Tageblatt.lu)