Mittwoch14. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Belgien klagt über Lohndumping

Belgien klagt über  Lohndumping

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Belgien beschuldigt Deutschland, mit Billiglöhnen die Schlachthöfe Belgiens in den Konkurs zu treiben. Das Land will bei der EU-Kommission klagen. Auch in Luxemburg sind Hunderte Kopfschlächter aus Osteuropa gemeldet.

Belgien beklagt sich über unlautere Konkurrenz durch deutsche Schlachthöfe. Die dort angewandten Billiglöhne würden die Schlachthöfe Belgiens in den Konkurs treiben. Wirtschaftsminister Johan Vande Lanotte sagte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga vom Dienstag, in Deutschlands Schlachthöfen würden zum Teil nur sehr geringe Löhne gezahlt: «Diese Praktiken sind inakzeptabel.»

Gemeinsam mit Arbeitsministerin Monica De Coninck will sich Vande Lanotte offiziell bei der EU-Kommission über die unfaire Konkurrenz deutscher Schlachthöfe beschweren. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, die Behörde fordere nach wie vor alle Mitgliedstaaten auf, Mindestlöhne einzuführen, die für sämtliche Wirtschaftsbereiche gelten.

Aus Rumänien und Bulgarien

Ihre Kopfschlächter rekrutieren die deutschen Schlachthöfe vornehmlich aus Rumänien und Bulgarien. Sie würden zehn Stunden am Tag arbeiten und für 5, 4 oder gar 3 Euro die Stunde arbeiten, so Le Soir am Dienstag. Das Ganze ohne Sozialversicherung.

Deutschland verstößt dabei nicht gegen EU-Richtlinien, da diese die Entsendung von Arbeitern aus osteuropäischen Ländern erlauben. Dennoch sind Verstöße gang und gäbe, so Le Soir. Tausende Beschäftige würden unter dramatisch schlechten Bedingungen arbeiten, nicht nur für kurze Zeit. Angestellt würden sie dabei von fiktiven Unternehmen.

300 Kopfschlächter in Luxemburg

Aus Osteuropa stammen meist auch jene rund 300 Kopfschlächter, die von einem Unternehmen in Luxemburg bei der Luxemburger Sozialversicherung angemeldet sind. Beschäftigt werden sie in Betrieben im Ausland, heißt es von Gewerkschaftsseite. Ob sie zu tarifvertraglichen Löhnen bezahlt werden, bezweifelt jedoch Romain Daubenfeld vom OGBL.

In Luxemburg angemeldet werden die Schlachthofarbeiter wegen der niedrigeren Sozialabgaben, die die Unternehmen entrichten müssen. Bereits 2007 war die recht hohe Zahl an Kopfschlächtern aufgefallen, die in Luxemburg angemeldet waren. Bereits damals war die Rede von mehreren hundert Personen, die hier ihre Kassenbeiträge zahlen.

Lohndumping ist demnach keine Spezialität deutscher Schlachthöfe. Noch am Dienstag beklagte sich der OGBL über unannehmbare Bedingungen beim Bauunternehmen Açomonta aus Differdingen. Etlichen Mitarbeitern würden die kollektivvertraglich garantierten Löhne vorenthalten. Auch müssten die Beschäftigten oftmals länger als die erlaubten 10 Stunden am Tag arbeiten.

Arbeiter aus ehemaligen Kolonien

Açomonta greift laut OGBL auf zahlreiche Zulieferbetriebe zurück, die Beschäftigte mit Wohnsitz in Portugal nach Luxemburg entsenden. Hier werden sich auf den Baustellen von Açomonta eingesetzt. Die Arbeiter stammen meist aus früheren portugiesischen Kolonien. Obwohl sie in Luxemburg arbeiten, wohnen diese Mitarbeiter in Frankreich.

Dem OGBL zufolge würden diese Personen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Sie müssen in engen Mehrbett-Zimmern schlafen. In manchen Fällen verfügen die Arbeiter nicht mal über fließendes Wasser, sie müssen sich auf der Baustelle waschen.

Auch ihnen wird der kollektivvertraglich festgelegte Lohn vorenthalten, da ihnen die Ausgaben für Transport, Kost und Logis vom Lohn abgezogen wird. Statt 2.400 Euro brutto monatlich, bekommen die Arbeiter zwischen 300 und 700 Euro im Monat. Das widerspreche den europäischen Entsende-Bestimmungen, so der OGBL.