20 Jahre lang wurde diskutiert, wo die neue Nationalbibliothek erbaut werden sollte. Doch nun sind die langjährigen Diskussionen beendet. Am Donnerstag wird das Parlament über die Gesetzesvorlage abstimmen. Bei einem Ja der Abgeordneten, wird das Projekt realisiert. Der Bau soll bis 2017 fertig sein. 2018 wirtd die neue „Wohlfühlbibliothek“ ihre Türen für die Besucher öffnen.
Das neue Gebäude wird sämtliche Lager und Dienstleistungen, die bislang verteilt waren, zusammenbringen. Die neue „Bibliothèque nationale“ (BnL) wird auf dem Gebiet „Bricherhaff“ auf Kirchberg an der Kreuzung zwischen der Avenue Fitzgerald Kennedy und dem Boulevard Konrad Adenauer errichtet. Laut Gesetzesvorlage werden sich die Baukosten auf rund 112 Millionen Euro belaufen.
Platz schaffen
Vor allem sind die unzureichenden Platzverhältnisse ein wesentlicher Grund für den Bau einer neuen Bibliothek. Sowohl bei den Lesesälen als bei der Lagerung und Konservierung von Werken mangelt es an Platz. Mit dem neuen Gebäude soll ein breiter und direkter Zugriff auf alle Dokumente im Lesesaal ermöglicht werden. Um der Nachfrage gerecht zu werden, steht den Besuchern der neuen Bibliothek ein Ausstellungsraum, mehrere Konferenzsäle, Lesesäle, spezielle Räumlichkeiten für Besucher in Kinderbegleitung und eine Cafeteria zur Verfügung. Unter dem Namen „Wohlfühlbibliothek“ soll dem Leser vermittelt werden, dass er nicht nur aus Pflicht die Bibliothek besucht, sondern aus Vergnügen.
In den letzten Jahren nahm die Popularität der Bibliothek ständig zu. 2010 liehen 75.522 Besucher 30.765 Werke aus, 2011 waren es bereits 80.859 Leser und 33.731 Werke. Daneben wurden auch online zahlreiche Dokumente aufgerufen. Die Webseite eluxemburgensia hatte 2011 insgesamt 659.134 Besucher. Die Webseite bibnet.lu vereint 34 Bibliotheken, darunter auch jene der Fakultäten der Uni Luxemburg sowie der stattlichen Kulturinstituten.
Standort-Frage
Wo aber sollte die neue Bibliothek hinkommen? Seit rund 20 Jahren wurde darüber diskutiert. Nachdem die Pläne eines sechsstöckigen Ausbaus unterhalb der Kathedrale, oder die Idee einer Filiale auf Kirchberg, verworfen wurden, kamen auch die Standorte Esch/Belval, historische Altstadt oder Bahnhofsviertel nicht infrage. 2003 wurde ein Architekturwettbewerb ins Leben gerufen, um das Robert-Schumann-Gebäude am Europaplatz zu renovieren. Doch aus Kosten- und Zeitgründen wurde auch dieses Projekt verworfen. Das Gebäude beherbergt zurzeit das Generalsekretariat des EU-Parlaments.
2010 war es endlich soweit. Die neue „Bibliothèque nationale“ (BnL) wird auf dem Gebiet „Bricherhaff“ auf Kirchberg an der Kreuzung zwischen der Avenue Fitzgerald Kennedy und dem Boulevard Konrad Adenauer gebaut. Dazu wurde das 1,6 Hektar Gebiet vom Luxemburger Staat zurückgekauft. Die neue Bibliothek wird sämtliche Werke und Leistungen anbieten. So werden auch die beiden Biblio-Busse, die zurzeit in Diekirch stehen, in die Bibliothek integriert werden. Bislang waren in der BnL 40.000 Werke zugänglich, in Zukunft werden es 300.000 sein. Bis 2045 soll sich die derzeitige Zahl der Magazine von 1,6 Millionen verdoppeln.
Gründung der Bibliothek
Im internationalen Vergleich ist die BnL eine recht junge Bibliothek. 1798 legte die französische Verwaltung des „Département des forêts“ den Grundstein, als sie der Zentralschule des Departements eine Bibliothek zuordnete. Sie vereinte alles, was an Werken aus den ehemaligen Luxemburger Staaten übrig blieb. Die dort gesammelten Werke gründen den alten Fonds sowie den kostbaren Reservefonds der heutigen Nationalbibliothek. Die älteste Schrift geht auf das 7. Jahrhundert zurück.
1848 geht jene Bibliothek an den Luxemburger Staat über mitsamt der Gemeindebibliothek der Stadt Luxemburg. 1850 schluckt die Bibliotehek auch jene des Athénées. Erst 1899 entsteht die Bezeichnung Nationalbibliothek. Bis Ende der 1960er Jahre bleibt sie eine bescheidene Institution, der wenig Mittel zur Verfügung stehen.
2018 wird ein neues Kapitel der BnL aufgeschlagen. Dann können die ersten Besucher die „Wohlfühlbibliothek“ erleben.
Zu Demaart
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