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Prinz Jean, das FBI und der SREL

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Was weiss Luxemburgs Geheimdienst über die Bommeleeër-Affäre? Dieser Frage wollte das Gericht am Donnerstag nachgehen. Der Prozesstag wurde jedoch mit Prinz Jean und sein vermeintliches Alibi eröffnet.

Wurde Luxemburgs Geheimdienst SREL bei den Ermittlungen zur Anschlagsserie 1984 bis 1986 eingeschaltet? Welche Rolle hat er dabei gespielt. Unter anderem diesen Fragen wollte das Gericht am Donnerstag nachgehen. Zur Sprache kommt jedoch auch eine vom FBI durchgeführte Beweismittelanalyse. Die Beweisstücke sollten anschließend verschwinden. Wer den Auftrag an das FBI gab, ist nicht gewusst. Die Regierung hatte jedoch am 2. Oktober 1985 Hilfe aus dem Ausland angefordert. Eine Razzia beim SREL 2003 sollte die Ermittler jedoch auf eine Spur zu einem Schriftverkehr zwischen Ermittlern, Gendarmerie und FBI bringen.

Laut FBI-Bericht wollten die Täter öffentliche Aufmerksamkeit. Zwar seien sie erfinderisch gewesen, doch die Anschläge liefen stets nach einem Schema ab. Konkrete Hinweise auf mögliche Täter konnte das FBI jedoch nicht liefern.

Lauschte der SREL die Armee ab?

Neue Details über die Tätigkeit des Luxemburger Geheimdienstes sollten Aussagen eines informellen Mitarbeiters des SREL, Gilbert Leurs, liefern. Leurs, der 13 Jahre für den SREL gearbeitet hat, soll eigenen Angaben zufolge an der Einrichtung einer Abhöranlage auf Herrenberg beteiligt gewesen sein. Dort verwanzten die SREL-Agenten auch das Büro des Armeekommandanten. Auf der Abhörliste stand jedoch auch Gendarmerie-Chef Aloyse Harpes. Leurs gab an, Informationen über die Bombenleger zu haben. Er nannte auch Namen: Reuland, Steil und Scheer.

Laut Ermittler Marx, der die Aussagen Leurs am Donnerstag vor Gericht zitierte, gibt es keine Beweise, die Leurs Angaben untermauern. SREL-Agent Carlo Kremer habe seinerseits bei einer Vernehmung gesagt, weder Armee noch Gendarmerie seien vom SREL abgehört worden.

Konspiratives Treffen

Der 16. Prozesstag begann mit dem Fall Prinz Jean, insbesondere sein geheimes Treffen mit dem heutigen Generalstaatsanwalt Robert Biever und den Ermittlern. Die Verteidigung sprach von einem bewusst heimlich organisierten Treffen. Der damalige Justizminister Luc Frieden soll das Treffen mitorganisiert haben.

Es sei kein Kaffeekränzchen gewesen, meinte Ermittler Carlo Klein, der am Donnerstag dazu in den Zeugenstand gerufen wurde. Man habe Kritik seitens Prinz Jean einstecken müssen. Richterin Sylvie Conter fand das Treffen dubios. Staatsanwalt Georges Oswald meinte seinerseits, das Treffen sei legitim gewesen. Er warf der Verteidigung Unterstellungen vor.

BKA: Täter handelten aus idealistischen Gründen

Am Mittwoch hatten Luxemburgs Ermittler die Ergebnisse von Fallanalysen des Bundeskriminalamtes vorgelegt. Wichtigste Aussage: Ziel der Attentäter sei weder Terror noch Erpressung gewesen. Sie hätten aus idealistischen Gründen gehandelt, um Schwachstellen in der Gendarmerie aufzuzeigen.

Das BKA hatte unter anderem die Erpresserbriefe an die Cegedel analysiert. Schlüssige Ergebnisse konnten nicht daraus abgeleitet werden, schon gar nicht auf einzelne Täter. Hinter den Anschlägen vermutete es jedoch mindestens eine Person mit Bastlerfähigkeiten.

Briefing für Prinz Jean

Für Überraschung hatte am Mittwoch die Information gesorgt, dass sich der damalige Staatsanwalt Robert Biever mit Prinz Jean im Vorfeld einer Anhörung desselben getroffen habe. Angeblich um ihn auf die Anhörung vorzubereiten. Das Treffen fand im Domizil von Jeans Bruder, Prinz Guillaume, statt.

Prinz Jean galt als tatverdächtig. Er war von einem Zeugen nach dem Attentat auf Findel am 9. November 1985 gesehen worden. Prinz Jean wurde gehört, Scheer und Wilmes, die beiden Angeklagten, wurden demontiert, so Me Lydie Lorang. Was hatte Staatsanwalt Robert Biever bei diesem Treffen verloren, so Me Gaston Vogel, der von einem «ekelhaften» Zustand sprach. Prinz Jean habe sich nicht allein mit den Ermittlern treffen wollen, erklärte Ermittler Carlo Klein.

Die nächste Verhandlungssitzung in der Sache Bommeleeër findet nach den Osterferien statt. Auf der Tagesordnung: der SREL und die Aussagn des deutschen Historikes Andreas Kramer über Verbindungen des deutschen Geheimdienstes BND zu Stay Behind in Luxemburg.

(fo/lmo/Tageblatt.lu)