Die Gewerkschaften klagen über den Stillstand bei den Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag und werfen den Arbeitgebern unrealistische Forderungen vor. Nach Rücksprache bei den Mitgliedern wollen OGBL und LCGB die Nicht-Einigung beantragen. Für sie sind die Kollektivvertragsverhandlungen endgültig gescheitert. Damit wird der erste Schritt zu einer Arbeitsniederlegung gemacht. Dem Sektor droht Anfang Juli ein Streik.
Die Bauunternehmer gehen nun in die Gegenoffensive. Ihrer Ansicht nach sind die Beschäftigten schlecht über die aktuelle konjunkturelle Lage informiert. Auch seien ihnen die Vorschläge der Arbeitgeber nicht genau bekannt. Die beiden Unternehmensverbände Groupement des Entrepreneurs asbl. und die Fédération des Entreprises de construction et de génie civil haben nun ihre Mitglieder aufgerufen, die Beschäftigten aufzuklären. Man wolle die Mitarbeiter «korrekt und direkt» informieren, heißt es.
«Keine Verlängerung der Arbeitszeit
Die Gewerkschaften werfen den Unternehmen unter anderem vor, eine Verlängerung der Arbeitszeit zu fordern. Diesen Vorwurf weisen Letztere jedoch zurück. Man wolle keinesfalls die jährliche Gesamtarbeitszeit ausdehnen. Außerdem habe man den Vorschlag einer 52-Stunden-Arbeitswoche bereits am 8. Dezember 2012 zurückgezogen, so die beiden Patronatsvereinigungen. Ihr Vorschlag: Ein Arbeitszeitmodell aushandeln. Jede darüber hinausgehende Überstunde würde mit 140 Prozent bezahlt. Die maximale Wochenarbeitszeit würde auf 48 Stunden pro Woche und zehn Stunden am Tag begrenzt.
Das Arbeitszeitmodell der Arbeitgeber sieht vor, dass bei gutem Wetter länger gearbeitet wird, die Mehrstunden während der Schlechtwetterperiode mit Freistunden kompensiert werden. «Wir wollen als Betriebe dann mehr arbeiten können, wenn die klimatischen Bedingungen stimmen; im Frühling, im Sommer und im Herbst», so die Betriebe. Die Gewerkschaften befürchten ihrerseits durch das vorgeschlagene Arbeitszeitmodell einen Gehaltsverlust, da Überstunden nicht mehr bezahlt würden.
Die Kollektivvertragsverhandlungen laufen bereits seit 2009. Die letzte Lohnerhöhung gab es zuletzt vor fünf Jahren.
Zu Demaart
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