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Das Insider-Wissen

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Über welches Wissen aus Insiderkreisen verfügten die Bommeleeër? Dieses Thema beschäftigte das Gericht am Montag. Ausführlich wurde die Cegedel-Erpressung erörtert.

Etliche Anschläge in den Jahren 1984 bis 1986 galten Strommasten der Cegedel. Schnell ging dem Stromlieferanten ein erstes Schreiben des oder der Täter zu. Was zuerst aussah wie eine Erpressung sollte sich jedoch später als Farce herausstellen. Die angeblichen Erpresser spielten ein Spielchen – mit den Ordnungskräften und den Ermittlern, so die Schlussfolgerung von Ermittler Carlo Klein am vergangenen Donnerstag im Bommeleeër-Prozess.

Ein erster Versuch, das Geld an die angeblichen Erpresser zu übergeben, scheiterte. In Clerf, wo die Cegedel auf neue Instruktionen der Erpresser warten sollte, tauchte niemand auf.

Zweiter Versuch

Eine zweite Geldübergabe sollte wenige Wochen später in einer Tiefgarage in Luxemburg vonstatten gehen. Auch hier sollte es zu keinem Kontakt kommen. Die Geldtasche sollte in der Tiefebene -5 abgestellt werden, vor einer Überwachugnskamera, die das Bild in den Kassenraum übertrug. Dort sass auch der damalige BMG-Chef und spätere Polizeigeneraldirektor Pierre Reuland. Der will sich jedoch an nichts mehr erinnern.

Auch diese Geldübergabe schlug fehl. Laut Chefermittler Carlo Klein sei es den Tätern nicht ums Geld gegangen. Dass diese über Insiderwissen verfügten, geht aus dem 7. Erpresserbrief an die Cegedel hervor. Dort zählten die Täter genüsslich auf, welche Einsatzkräfte an der Aktion beteiligt waren. So wussten sie unter anderem, dass sich unter den Polizisten in Zivil am Theaterplatz auch mehrere deutsche Beamten befanden.

Hörten die Täter mit?

Klein wirft die Frage auf, ob die Polizei nicht einfach abgehört wurde. Immerhin war der Polizeifunk in jenen Jahren nicht verschlüsselt. Während der geplanten Geldübergabe herrschte zwar allgemeine Funktstille, doch zum Gendarmen, der die Geldübergaben vollziehen sollte, bestand eine Funkverbindung.

Dass es ein Leichtes war, den Polizeifunk abzuhören, bewiesen damals Journalisten, die sich in den Funk zwischen Beamten einklinkten. Schnell waren Journalisten und Fotografen vor Ort, wo die Geldübergabe stattfinden sollte.

Den Ermittlern liegen etliche Zeugenaussagen vor, die über den guten Wissenstand der Bommeleeër berichten.

«Rache» statt Geld

Es ging den Tätern nicht um Geld, meint auch das deutsche Bundeskriminalamt BKA. Es sei eher um «Rache» gegangen, so die Schlussfolgerung einer BKA-Fallanalyse. Und die Öffentlichkeit sollte dabei sein. Dem dienten die Zeitungsannoncen, mit denen die Täter Kontakt zu den Ermittlern suchten. Wäre es um Geld gegangen, wäre ein anderes Szenario abgelaufen, so Ermittler Klein.

Bei der Schilderung der versuchten Geldübergabe tritt erneut der Geheimdienst SREL auf. Der Polizeibeamte, der das Geld für die Übergabe bei sich hatte, soll von einem SREL-Auto verfolgt worden sein. Die Kennzeichen der Verfolger konnten laut Ermittler Klein nicht zurückverfolgt werden. Plötzlich wird vor Gericht auch an das seltsame Cegedel-Fahrzeug erinnert, das an einem Tatort gesichtet worden war. Auch dieses Fahrzeug soll dem SREL gehört haben, heißt es vor Gericht.