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Verteidigung: «Keine Vorverurteilung»

Verteidigung: «Keine Vorverurteilung»

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Ergehen sich die Ermittler in Interprationen? Ihre Aussagen vor Gericht stört die Verteidigung insbesondere der ständige Hinweis auf die Brigade Mobile als möglicher Hort der Bommeleeër.

Die Information hatte die Wirkung einer kleinen Bombe. Ein früherer Mitarbeiter des Geheimdienstes ließ mit Hilfe eines Privatdetektiven die Ermittler in der Bommeleeër-Affäre 2007/2008 beschatten, so eine Meldung von 100,7 am Dienstag. Am Mittwoch folgte die nächste Überraschung. Derselbe Geheimdienstler ließ auch den Generalstaatsanwalt Robert Biever observieren, so Radio 100,7. Warum? Passte Bievers Haltung in der Bommeleeër-Affäre nicht? Immerhin hält sich Biever zugute, die Ermittlungen vorangetrieben zu haben, so dass 2007 zwei ehemalige BMG-Beamten angeklagt werden konnten. Beide stehen vor Gericht, doch recht wenig wurde bisher über ihre Rolle in der Bommeleeër-Affäre gesprochen.

Eine Antwort auf die Fragen gab es auch am Mittwoch nicht vor Gericht. Anders als am Vortag griff die Verteidigung die 100,7-Meldung über eine vermeintliche Beschattungsaktion auf Biever nicht auf. Die Informationen über die Observationen werden in der Zwischenzeit mit größter Vorsicht behandelt und als wenig glaubwürdig betrachtet.

Generalstaatsanwalt Robert Biever hat in einem 100,7-Interview gesagt, er habe von einer möglichen Beschattung auf seine Person gehört, die von einem SREL-Beamten angeordnet wurde.

Stattdessen ging es vor Gericht gleich zur Sache mit Fragen zu den Anschlägen, im Mittelpunkt dabei der Anschlag auf die Flugleitanlage auf Findel. Anwalt Gaston Vogel zitiert aus der Zeugenaussage eines Fluglotsen. Er vernahm die Explosionen vom Lostenturm aus. Es soll eine dritte Explosion gegeben haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Radar außer Betrieb. Vogel spricht von einer Stay-Behind-Aktion und fordert ein Militärgericht. Schließlich galt der Findel zu Zeiten des Kalten Krieges als wichtige militärische Nato-Einrichtung.

Prozess wird fortgesetzt

Kurze Prozess-Unterbrechung. Der Prozess wird fortgesetzt, wie zu Wochenbeginn beschlossen, so Richterin Sylvie Conter nach der Beratung des Gerichts. Bereits am Montag war die Frage gestellt worden, ob ein Zivil- oder ein Militärgericht für die Affäre zuständig sei.

Im Zeugenstand steht Ermittler Joël Scheuer. Er spricht über Sprengstoffwissen bei Gendarmerie und Polizei, schildert Ermittlungen in diesen Kreisen. Unterlagen dazu gebe es jedoch nicht, so Scheuer. Die Täter müssen eine verschworene Gruppe gewesen sein. Sie müssen durch enge Freundschaftsbunde verbunden gewesen sein, die bis heute währen. Woher er das denn wisse, fragt Anwalt Gaston Vogel. Der Ermittler ergehe sich in Interpretationen sagt er. Dabei müsse er lediglich klare Antworten liefern.

BGM im Visier

Und noch etwas missfällt der Verteidigung: Der ständige Hinweis der Ermittler auf die Brigade mobile, aus deren Reihen die Täter stammen könnten. Sie wolle Detailwissen zu den Ermittlungen und keine Vorverurteilungen, so Anwältin Lydie Lorang. Man habe alle Einheiten nach möglichen Täterkriterien untersucht, entgegnet Ermittler Scheuer. Die BMG verfügte wegen ihres speziellen Aufgabengebiets über Spezialwissen, das über das Wissen der anderen Gendarmerie-Einheiten hinausging.

Die beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes widersprechen den von den Ermittlern geäußerten Vermutungen, sie hätten über Insiderwissen verfügt. Andere Einheiten und die Vorgesetzten wussten mehr. Als konkretes Beispiel wurde vor Gericht die geplante Geldübergabe in einer hauptstädtischen Tiefgarage angeführt. Sie seien zwar dorthin abkommandiert worden, Einzelheiten wusste man jedoch nicht, so die Angeklagten. Man habe lediglich auf weitere Instruktionen gewartet.

Richterin Conter versucht die Gemüter zu beruhigen: Man verallgmeinere nicht das Wissen der BMG-Führung und das der anderen BMG-Mitglieder.

Schwerwiegend sind die Vorwürfe über Sprengstoffwissen in BMG-Kreisen. Ermittler Scheuer zufolge habe sich die BMG Sprengstoffe für Zugangs- und Ablenkungssprengungen selbst besorgt. Die zwei BMG-Mitglieder Steil und Schickes seien Experten im Umgang mit Sprengstoff gewesen. Anwältin Lorang kritisiert, dass dem Angeklagten Wilmes im Ermittlungsbericht Sprengstoffkenntnisse unterstellt werden. «Ich habe keine Erfahrung und kein Wissen mit Sprengstoff», betont Wilmes.