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Doris Woltz: Mangelnde Unterstützung

Doris Woltz: Mangelnde Unterstützung

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Fortsetzung des Bommeleeër-Prozesses am Donnerstag mit weiteren Befragungen von Polizeibeamten. In den Zeugenstand stand auch Untersuchungsrichterin Doris Woltz.

Eine Schlüsselfigur bei der Vorbereitung des Bommeleeër-Prozesses trat am Donnerstag in den Zeugenstand: Untersuchungsrichterin Doris Woltz. Neben Generalstaatsanwalt Robert Biever hatte sich auch Woltz über mangeldne Unterstützung seitens des Ressortministers jener Zeit, Luc Frieden, beklagt.

Zu Sitzungsbeginn hatte Staatsanwalt Oswald angekündigt, ein Zeuge habe sich bei Staatsminister Juncker gemeldet. Der Zeuge sagte, er kenne die Bommeleeër. Oswald sei telefonisch von Juncker darüber informiert worden. Der Zeuge wird vor Gericht gehört.

«Blitzableiter» Biever

Im Zeugenstand wiederholt Doris Woltz, dass sie vom damaligen Justizminister Luc Frieden auf einer Veranstaltung in Conter gefragt wurde, wann der Fall endlich geschlossen werde. Woltz bezeichnete den damaligen Staatsanwalt Biever als ihren «Blitzableiter». Sie sei nicht direkt dem «Druck» ausgesetzt gewesen. Biever habe sie jedoch ständig informiert.

Auch von der Polizeispitze bekam Woltz nicht die erwünschte Unterstützung. Mit dem Direktor der Kriminalpolizei Patrice Solagna habe sie ständig gestritten. Er habe oder wollte einfach nicht verstehen, warum die Ermittlungen immer wieder verlängert wurden, so Woltz. Die Probleme begannen, als sie zusätzliche Ermittler anfragte. Aus Sicherheitsgründen sei Solagna erst kurz vor der Aktion von der Verhaftung von Marc Scheer und Jos Wilmes informiert worden, sagte Woltz.

Colas: Zahlreiche «Nettigkeiten»

Einen direkten Druck auf die Ermittlungen will Polizeibeamtin Andrée Colas nicht gesehen haben. Zwischen Januar 2006 und Herbst 2009 arbeitete Colas im Justizministerium als Verbindungsglied zwischen Polizei und Justiz. Es habe allerdings zahlreiche «Nettigkeiten» aus der Polizeidirektion und der Direktion der Kriminalpolizei gegeben.

Colas bestätigt vor Gericht die «Bittgänge» von Untersuchungsrichterin Woltz bei Pierre Reuland, dem damaligen Polizeichef. «Wir bekamen sozusagen keine Unterstützung von der Polizeispitze.» Es habe zahlreiche «konfliktuelle» Diskussionen gegeben.

«Ich sollte aus sie aufpassen»

Dass durchaus Spannungen zwischen Polizeidirektion und den Ermittlern bestanden, bestätigt auch Steve Schmitz, Mitglied der Direktion der Kriminalpolizei. «Als die Bommeleeër-Ermittler 2007 zurück in die Zentrale in Hamm kamen, sagte mein Chef Solagna zu mir, ich sollte auf sie aufpassen,» so Schmitz vor Gericht. Diese Ermittler seien komisch. Laut Schmitz sprach Solagna immer abwertend über die Bommeleeër-Ermittler. Er, Schmitz, habe sich immer vor die Ermittler gestellt. Hoffen wir, dass Solagna kommene Woche vor Gericht erscheint, meint Richterin Conter dazu. Solagna ist zurzeit krankgeschrieben.

Viel Raum benötigte während der Verhandlung am Donnerstag auch der vermeintliche Versuch der damaligen Polizeispitze, den Gesetzentwurf über Justizbehinderung zugunsten der Polizei abzuändern. Dazu wurde auch Alain Engelhardt, Mitglied der Vereinigung der Polizeioffiziere, und aktueller Regionalchef der Polizei in Grevenmacher. Der Offiziersgewerkschaft war vorgeworfen worden, Einfluss auf die Ausarbeitung des Gesetzes genommen zu haben.

Wer lügt?

Mit widersprüchlichen Aussagen war der Prozess-Tag am Mittwoch zuende gegangen. Privatdetektiv André Durand hatte behauptet, vom SREL Beobachtungsaufträge auf die Ermittler und den damaligen Staatsanwalt Robert Biever bekommen zu haben. Der vermeintliche Auftraggeber André Kemmer stritt dies ab.

Am Donnerstag trafen Kemmer und Durand erneut vor Gericht gegeneinander auf. Kemmer zufolge soll Durand ihn aufgelauert und ihn aufgefordet haben, er solle «mit dem Blödsinn» aufhören. Was Richterin Sylvie Conter als Drohung betrachtete. Darauf stehen fünf bis zehn Jahre Gefängnis, sagt sie. Der Vorfall wird vom Gericht notiert.

Die neue Verhandlungswoche setzt die Befragung des Zeugen Engelhardt fort.