Können die Täter der Anschlagsserie in den Jahren 1984-1986 anhand von DNA-Analysen identifiziert werden? 151 Personen wurde während der Ermittlungen DNA-Proben entnommen. Die Ergebnisse haben bisher keinerlei zusätzliche Erkenntnisse gebraucht. Am Montag wird der Molekularbiolage Dr. Klaus Bender vor Gericht gehört. Auch vom Überraschungszeugen Andreas Kramer waren DNA-Proben genommen worden. Kramer jun. zufolge war sein inzwischen verstorbener Vater an den Bombenanschlägen beteiligt gewesen.
Nur mäßiges Interesse hat das Publikum für die Wiederaufnahme des Prozesses. Nur wenige Zuschauer haben sich zu diesem 60. Prozesstag eingefunden.
Die Sitzung beginnt mit einer Wortmeldung von Me Gaston Vogel, Verteidiger von Marc Scheer, der zusammen mit Jos Wilmes auf der Anklagebank sitzt. Die Verteidigung hatte in der Vergangenheit immer wieder auf die Spur Stay-Behind hingewiesen. Am Montag zitiert Me Vogel aus Geheimdienstunterlagen. Dort wird im Zusammenhang mit Stay Behind die gute Zusammenarbeit zwischen dem britischen Geheimdienst MI6 und dem Luxemburger SREL bei der Untergrundarbeit hingewiesen. Vogel stellt aufgrund dieser Unterlagen einen Zusammenhang mit dem Anschlag auf Findel vom 9. November 1985. Den Unterlagen zufolge seien die Briten mit einer «Operation» zufrieden. In den Zeugenstand zitieren will Vogel den ehemaligen CIA-Spitzenbeamten James Angleton. Dieser Mann wüsste viel, meint Vogel. Auch in anderen Unterlagen, die der SREL dem parlamentarischen Geheimdienstausschuss überreichte, sieht Vogel Anhaltspunkte für die Theorie, dass Stay-Behind hinter den Anschlägen steckt.
Nach weniger als zwei Stunden war die Gerichtsverhandlung am Montag beendet. Mit der Aufforderung er möge noch fehlende Unterlagen der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft zukommen lassen, wird der DNA-Experte aus dem Zeugenstand entlassen.
Posa und andere seltsame Vorkommnisse
Bereits vergangene Woche hatten Medien über einen angeblichen Polizeigeheimdienst (Posa) berichtet, eine Information, die von der Staatsanwaltschaft und der Polizei dementiert worden war. Vogel zufolge habe dieser Dienst die Tür seiner Anwaltskanzlei eingetreten und den Wagen seines Mandaten Marc Scheer 2010 beschädigt. Auch Me Lydie Lorang, Verteidigerin von Jos Wilmes, weiss von seltsamen Vorkommnissen zu berichten. Ihre Telefonanlage sei manipuliert worden.
Staatsanwalt Georges Oswald glaubt nicht an die Existenz einer Geheimpolizei. Auch bezweifelt er einen Zusammenhang zwischen der zerstörten Bürotür von Me Vogel und der Bommeleeër-Affäre. Der Verfasser der Behauptung soll jedoch von der Kriminalpolizei vernommen werden. Vogel beharrt auf seine Stay-Behind-Theorie. Nach einer kurzen Beratung beschließt Gerichtspräsidentin Sylvie Conter, dass der SREL-Direktor in dieser Angelegenheit vorzuladen.
Minimale Spuren
Mit fast einer Stunde Verspätung kommt Dr. Klaus Bender von der Uni Mainz in den Zeugenstand. Bender ist DNA-Experte und seit dem Jahr 2000 in den Ermittlungsarbeiten involviert. An drei von neun Erpresserbriefen konnten DNA-Spuren gefunden werden, sagt Bender. Sie führten zu keinem der Verdächtigen. Spuren an einer Visitenkarte und einem Briefstück konnten einer Person zugeordnet werden. Das reiche als Beweis jedoch nicht aus, so Bender. Eigentlich müsste jeder Luxemburger einem DNA-Test unterzogen werden.
141 Speichelproben wurden analysiert. Ohne konkretes Ergebnis, sagt Dr. Bender. Lediglich eine Spur an einem Kofferraum führte zu den Erpresserbriefen und einer Visitenkarte. Auch mit neuesten Anaylsemethoden konnte wegen fehlender DNA-Spuren kein Ergebnis gefunden werden, sagt Bender. Fazit: Es gibt keine konkrete Spur. Das Resultat sei enttäuschend.
Nach knapp zwei Stunden ist der erste Verhandlungstag nach den Gerichtsferien vorbei. Mit der Aufforderung er möge der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft noch fehlende Unterlagen zustellen, wird Dr. Bender aus dem Zeugenstand entlassen.
Der Arbeitskalender
52 weitere Verhandlungstage wurden für diese zweite Phase des Bombenlegers-Prozess anberaumt. Auf der Tagesordnung stehen diese Woche Expertenberichte. Kommende Woche soll der Direktor der Kriminalpolizei, Patrice Solagna, in den Zeugenstand. Ihm war vorgeworfen worden, Druck auf die Ermittler ausgeübt zu haben.
Das Gros der Arbeit steht dem Gericht noch bevor. Auf der Gästeliste stehen noch die Namen von über hundert Zeugen, unter ihnen auch Noch-Premierminister Jean-Claude Juncker und die beiden Prinzen Guillaume und Jean. Finanzminister Luc Frieden war bereits vor den Ferien in seiner Eigenschaft als vormaliger Justizminister gehört worden. Er sollte sich zu den Vorwürfen äußern, er habe mit dem entlassenen Polizeigeneraldirektor Pierre Reuland einen Handel im Zusammenhang mit einem geplanten Gesetz über Justizbehinderung abgeschlossen.
Zu Demaart
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