Sonntag18. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

BKA-Experte: Kein politischer Hintergrund

BKA-Experte: Kein politischer Hintergrund

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

LUXEMBURG - Wie sieht das deutsche Bundeskriminalamt die Anschlagsserie aus den 1980er Jahren? Ein BKA-Mann stellte die Ergebnisse einer Fallanalyse vor. Seiner Ansicht nach gab es keinen politischen Hintergrund.

Auf die stellenweise turbulente Anhörung des Chefs der Luxemburger Kriminalpolizei am Montag, Patrice Solagna, folgten am Mittwoch die Aussagen eines Experten des Bundeskriminalamtes (BKA). Er legte die Ergebnisse der Fallanalyse zu der Anschlagsserie aus den Jahren 1984 bis 1986 vor. Der Experte sollte dabei ein genaueres Profil der Täter zeichnen und Aufschluss über mögliche Motive und Hintergründe der Taten liefern. Der BKA-Mann hatte bereits im Vorfeld den Wunsch geäußert, nicht fotografiert oder gefilmt zu werden.

Die Fallanalyse wurde im Jahr 2000 erstellt. Schwerpunkt der Untersuchung waren die Erpresserbriefe. Durch die Sprengung von Strommasten sollte der damalige Energielieferant Cegedel erpresst werden. Der Firma waren etliche Briefe zugestellt worden. Zweimal war eine Geldübergabe, in Clerf und in einem unterirdischen Parkhaus in Luxemburg, gescheitert.

Bedeutungsloser Code

Die Bekenner- oder Erpresserbriefe hatten die Autoren mit einer Buchstaben- und Ziffernfolge versehen, ein Code mit dem Erpresser sich zu erkennen geben, um nicht mit möglichen Nachahmungstätern verwechselt zu werden. Laut BKA-Experte hätte der Code keinerlei Bedeutung gehabt, hieß es am Mittwoch vor Gericht.

Laut BKA-Experten wollten die Täter publikumswirksam handeln. Ziel der Attentate sei es gewesen, etwas innerhalb des Sicherheitsapparates zu bewegen. Es habe keinen politischen oder terroristischen Hintergrund gegeben. Der Kriminologe spricht von idealistischen Motiven. Der Schreiber der Erpresser- oder Bekennerbriefe sei der ideologische Kopf der Gruppe gewesen.

Niemand sollte verletzt werden

Der Zeuge geht von vier Tätern aus. Zu keinem Zeitpunkt sollten bei den Anschlägen Menschen zu Schaden kommen, so der Experte weiter und führt als Beispiel die Sprengfalle von Asselscheuer an. Der Stolperdraht, der die Bombe zur Detonation bringen sollte, verlief parallel und nicht quer zum Weg.

Die Verteidigung bemühte sich, ihre Mandanten aus der Schusslinie zu ziehen. Zitiert wurde dabei aus einem BKA-Schreiben von 2008 an Untersuchungsrichtering Doris Woltz. Darin hieß es, dass keine Tatbestätigung gegen die beiden Angeklagten hergestellt werden konnte.

Zur Sprache kam auch eine mögliche Verbindung zwischen Bombenanschlägen und der Nato-Geheimarmee Stay-Behind. Die Frage stellte Staatsanwalt Georges Oswald. Der BKA-Experte verneinte. Das Tatbild passe eher zum Sicherheitsapparat. Hier konterte Me Vogel. Er zitierte aus Geheimdienstunterlagen, in denen von einer geglückten Operation die Rede ist. Ja, warum waren dann noch weitere 19 Anschläge notwendig, konterte der BKA-Experte. Man müsse versuchen, die Anschläge als Gesamtbild zu sehen. Hier sei es darum gegangen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Aber vielleicht hatten die Täter neben dem Hauptmotiv auch einfach nur Spaß ander Sache.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. in den Zeugenstand wird erneut der ehemalige Poizeigeneraldirektor Pierre Reuland gerufen.