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Die andere Seite der Schweizer Medaille

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Am Freitag, 27. September, soll in der Industriezone "Um Monkeler" die Betonfabrik des Schweizer Konzerns Holcim eingeweiht werden. Mit großem Pomp, wie es scheint, denn die PR-Abteilung der Firma hat ganze Arbeit geleistet.

Und so werden zur Einweihung sicherlich nicht nur die nationale und lokale Politprominenz Flagge zeigen, sondern auch die vielen Kandidaten, die unbedingt auf den Krautmarkt wollen.

Im Prinzip sollte man sich über jeden neuen Arbeitsplatz freuen. In einem Moment, da fast 17.000 Frauen und Männer unseres Landes offiziell auf Jobsuche sind, sollte man nicht allzu wählerisch sein, auch nicht im konkreten Fall dieses Betonwerkes.

Zwölf Arbeitsplätze

Die Verantwortlichen der Schifflinger Filiale, die jährlich zwischen 150.000 und 200.000 Kubikmeter Beton herstellen wollen, haben die Schaffung von zwölf Arbeitsplätzen in Aussicht gestellt.

Dazu kommen noch 35 Lkw-Fahrer, die über einen Subunternehmer für Holcim fahren sollen. Ob es sich bei diesem Zulieferbetrieb um eine in- oder eine ausländische Firma handelt, ist nicht bekannt.

Holcim hat bereits im vergangenen Jahr eine Filiale in Russange, direkt hinter der französisch-luxemburgischen Grenze, eröffnet. Die regionale Umweltschutzorganisation „empreinte positive“ hatte bereits im Vorfeld verschiedene Probleme aufgegriffen. So kritisierte sie u.a., dass die Fabrik in einem Feuchtgebiet aufgebaut wurde, den zusätzlichen Lkw-Verkehr und die dadurch entstehenden Staus, den erhöhten Lärmpegel und die Luftverpestung durch die Schwerlaster. Die Proteste scheinen in der Zwischenzeit allerdings verstummt zu sein.

Weltweit führender Konzern

Die Schweizer, vor hundert Jahren als Familienunternehmen gegründet, sind heute ein Global Player und bei der Fabrikation von Beton einer der führenden Konzerne weltweit. Er hat Filialen in 70 Ländern und in jüngster Zeit viele Konkurrenten aus der Branche „verschlungen“, in die eigenen Strukturen eingebaut und auch einige Werke der Konkurrenz geschlossen. Holcim gibt sich gerne als nachhaltige und umweltfreundliche Firma aus. Die Devise heißt „The highest level of ethical standards“, es gibt einen speziellen Holcim-Award und eine Stiftung für Innovation. Doch es gibt eine andere Seite der Schweizer Schokoladenfirma und die ist nicht besonders rühmlich. In den USA hat Holcim mehrere Prozesse verloren und musste hohe Entschädigungssummen zahlen.

In Lateinamerika kommt es in den Werken wegen gesundheitsschädlichen Auswirkungen und Hungerlöhnen immer wieder zu Protesten und Arbeitsniederlegungen.

Besonders schlimm ist die Situation in den indischen Filialen, wo Anfang 2012 Arbeiterinnen und Arbeiter wegen schlechter Arbeitsbedingungen in den Ausstand traten. „Solifonds“, ein Zürcher „Solidaritätsfond für Befreiungskämpfe in der Dritten Welt“, hat die Zustände bei Holcim India in einem Buch („Zementierter Profit, verwässerte Nachhaltigkeit“) an den Pranger gestellt.

Klage bei der OECD

Darin wird die Situation wie folgt geschildert: „Arbeiterinnen und Arbeiter werden mit Scheinverträgen angestellt und verdienen Hungerlöhne, Schornsteine von Zementwerken stossen krebserzeugendes Dioxin aus, Flussumleitungen führen zum Verschwinden des Trinkwassers, Entscheidungen von Gemeinschaften gegen die Zerstörung ihres Lebensraums werden missachtet. Dies sind Realitäten rund um die Abbau- und Produktionsstätten des weltweit führenden Zement- und Baustoffkonzerns Holcim, der sich als nachhaltig wirtschaftliches Unternehmen präsentiert …“ Im April 2012 haben die Menschrechtsorganisation „Multiwatch“, der „Solifonds“, die Gewerkschaft „Unia“ und die Gewerkschaft der Leiharbeiter am Schweizer Sitz der OECD Klage gegen Holcim eingereicht. Die Umweltauflagen in Luxemburg dürften natürlich strenger sein als diejenigen in Indien oder in Lateinamerika und die Löhne höher. Annehmen sollte man also, dass das Schifflinger Werk von den zuständigen Ministerien im Vorfeld auf Herz und Nieren geprüft wurde.

Nicht zu vergessen: das Asphaltwerk auf „Monkeler“, gegen das über 1.000 Menschen aus Esch, Schifflingen und Monnerich im Rahmen der Commodo-Prozedur Einspruch erhoben haben, ist noch immer nicht vom Tisch.