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«Hochgestellte Person verantwortlich»

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Die beiden Angeklagten im Bommeleeër-Prozess streiten alles ab. Ex-Polizeichef Pierre Reuland: Ich weiss nicht, wer die Attentäter sind. Es müsse eine hochgestellte Persönlichkeit sein, sagt er dem Gericht.

Sein Mandant Marc Scheer streite ab, an irgendeinem Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Auch habe er keinen Kontakt zu einem der Bommeleeër gehabt. Me Gaston Vogel geht zu Beginn des Verhandlungstages am Montag gleich in die Offensive. Zum Schluss des Verhandlungstags soll auch Ex-Polizeichef Pierre Reuland jede Mittäterschaft und Wissen um die Bommeleeër abstreiten. Die Woche sollte den Vernehmungen der beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes gewidmet sein. Dazu wollte das Gericht nochmals die Ermittler hören.

Me Vogel spricht von Inkompetenz, von Verfahrens- und Ermittlungsfehlern. Auch Me Lydie Lorang, Verteidigerin von Jos Wilmes, hat zuvor die Ermittlungen kritisiert. Es habe negative Ansätze zur Überführung der Angeklagten gegeben, sagt sie. Vogel zufolge sei die Verteidigung schlecht behandelt worden. Ihre Arbeit sei behindert worden. Er fordert erneut die Einstellung des Verfahrens.

Stay-Behind

Erneut kommt auch die Spur der Nato-Geheimarmee Stay-Behind zur Sprache. Vogel zitiert aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im deutschen Bundestag. Sechs Stay-Behind-Übungen habe es in Luxemburg gegeben, heißt es da. Vogel will endlich Einsicht in die Akten zu den Stay-Behind-Operationen der «Yankees». Staatsanwalt Georges Oswald versichert, dass der Geheimdienst sich um weitere Unterlagen in Sachen Stay-Behind bemühe. SREL-Chef Patrick Heck sei in Kontakt mit dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Auch Lydie Lorang nimmt ihren Mandanten Jos Wilmes in Schutz. Er streite eine Beteiligung an den Attentaten zwischen 1984 und 1986 ab. Man hier zwei Personen gesucht, die man für die Anschläge vor Gericht verantwortlich machen konnte. Scheer und Wilmes hätten da reingepasst, obwohl es nicht mal Ansätze für eine Beweislage gebe. Richterin Sylvie Conter weist dies entschieden zurück: Die Ermittlungen haben jede Menge Beweise erbracht, sagt sie.

«Rechte der Verteidigung beeinträchtigt»

Während einer Verhandlungsunterbrechung kritisieren die beiden Strafverteidiger, die Verteidigung sei in ihren Rechten beeinträchtigt worden. Die Europäische Menschenrechtskonvention gelte in Luxemburg nicht, ereifert sich Me Vogel. Und Me Lorang fühlt sich in die Türkei versetzt. Die Rechte der Verteidigung würden mit Füßen getreten.

Eine Prozessunterbrechung wie von der Verteidigung gefordert, lehnt die vorsitzende Richterin ab. Im Gerichtssaal wird eine Reportage über die Brigade Mobile de la Gendarmerie aus dem Jahr 1986 gezeigt. Darin sieht man die BMG beim Training. Zu sehen auch, wie die Spezialeinheit Häuser stürmt, Kletterübungen, Personenschutz sowie Selbstverteidigung übt. Trainiert werden auch Schießen und Sprengen. In einem Interview taucht Marc Scheer auf.

Die Spur zur BMG

Ermittler Carlo Klein erklärt dem Gericht, wie die Ermittlungen auf die BMG-Gruppe gelenkt wurde. Bei den Bommeleeërn müsse es sich um eine homogene, sportliche Gruppe gehandelt haben. Sie hatte immer genaue Kenntnisse von den Anschlagsorten und den eingesetzten Materialien.

Klein kritisiert den damaligen BMG-Chef Pierre Reuland. Der ist in der Zwischenzeit in den Gerichtssaal zurückgekehrt und hört Klein mit versteinerter Miene zu, wie dieser Me Vogel den Verdacht bestätigt, Reuland und Patrice Solagna wüssten, wer die Bommeleeër sind.

Pierre Reuland unterschreibt

Nun meldet sich auch Reuland zu Wort. Er sei bereit, seine Aussagen zu unterschreiben. Vor dem Sommerferien hatte er dies verweigert, weil die Niederschrift seiner Aussagen lückenhaft gewesen seien. Sie waren ergänzt worden. Vergangene Woche waren sie ihm vorgelesen worden.

Den Zeugenstand nutzte Reuland am Montag, um einige Ergängungen zu seinen Aussagen hinzufügen. Als leitender Offizier sei er damals nur zweimal mit der Affäre Bommeleeër in Kontakt gekommen und zwar bei den zwei gescheiterten Geldübergaben in Clerf und Luxemburg-Stadt, so Reuland. Die Täter hatten der Cegedel, der Vorgängerin von Enovos, mehrere Briefe zugestellt, in der sie Geld forderten.

Reuland: «Glaube nicht an die BMG-Piste»

Reuland, der erneut in den Zeugenstand getreten ist, glaubt nicht an die BMG-Spur: «Es ist unmöglich, dass meine Leute über Jahre Anschläge verübt haben sollen und tagsüber ihrer Arbeit nachgegangen sind, ohne dass ich oder jemand anderes etwas bemerkt haben.» Und dann spricht Reuland von einer möglichen militärischen Piste. Er habe diese seine Hypothese bereits 1986 in einem Bericht geschildert. Sie sei aber nicht weiterverfolgt worden. Besagter Bericht liegt dem Gericht vor. Reuland lenkt die Aufmerksamkeit auf die Geheimdienste. Die hätten die Möglichkeit und die Ressourcen alles geheimzuhalten, auch 30 Jahre später. Hätten Ermittler bei den Geheimdiensten um Akten aus den Jahren 1985 gefragt, wären sie leerausgegangen. Dann wären sie dort angekommen, wo Schluss ist, so Reuland.

Laut Reuland müsse eine hochgestellte Persönlichkeit hier oder aus dem Ausland hinter Planung und Ausführung der Anschläge stecken. Sich selbst und den Großherzog schließt er jedoch aus.

Die plötzliche Erinnerungsfähigkeit Reulands überrascht die Richter und die Staatsanwaltschaft. Reuland bleibt unbeeindruckt. Er liest die Ergänzungen zu seiner Aussage durch und unterschreibt sie.

Der Prozesstag ist damit beendet.