„Loué, mais j’en ai d’autres“: das Schild der Immobilienagentur Fabrice Kreutz ziert gleich mehrere der Läden, die im September geschlossen haben. Offenbar war die Nachfrage sehr hoch. Fabrice Kreutz von der gleichnamigen „agence immobilière“ kümmert sich um den größten Teil der Vermietung von Geschäftslokalen in der Hauptstadt. Dazu gehörten auch die 16 Läden auf Hauptstadtgebiet. Alle bis auf einen seien weitervermietet.
Nur bei Geox habe die Marke selber die Nachfolge angetreten. Es sei das erste Geschäft gewesen, das weiter vermietet werden konnte, weil der Besitzer hier keine Erhöhung des Mietpreises verlangt habe. Bei den anderen sei der Preis zwischen fünf und 25 Prozent nach oben gegangen, weil die Mieten eben nicht zu hoch gewesen seien. „Innerhalb von zwei Wochen war alles weitervermietet“, so Kreutz, der von 120 Anfragen für 16 Geschäfte spricht. Nur drei davon seien von Luxemburger Geschäftsleuten gekommen. Die Mieten bewegen sich in einem Rahmen von 6.000 bis 30.000 Euro. Die meisten würden von Franchise-Nehmern übernommen.
Wo fängt Luxus eigentlich an?
Was die Diskussionen angeht, die die Geschäftsschließungen begleitet haben, so gibt Kreutz zu bedenken, dass es nicht die beiden Geschäftsleute hinter den betroffenen Firmen gewesen seien, die „pas-de-portes“ und „fonds de commerce“ eingeführt hätten. „Sie haben nicht damit angefangen.“ Andere hätten schon vor Jahrzehnten horrende Preise gezahlt.
In diesem Fall sei das Problem gewesen, dass die beiden Geschäftsmänner zu schnell zu groß geworden seien. Die Politik, so findet er, müsste mit jenen reden, die sich alltäglich um die Geschäfte kümmern. Eine Abschaffung der „pas-de-portes“ z.B. könnte seiner Meinung nach zu einer Erhöhung der Mietpreise führen.
Was große Marken und Firmen angeht, so sei für sie die Lage bei weitem am wichtigsten. Am teuersten sei die „Philippsgaass“, dann komme ein Teil der „Groussgaass“. Viel hänge auch davon ab, wie breit die Fassade ist, „die großen Marken wollen alle breite Fassaden“. Eine Ansiedlung sei für die Firmen auch immer eine Prestigesache. Dass es aber zu viele Luxusgeschäfte in der Hauptstadt gäbe, damit ist Kreutz nicht einverstanden. „Wo fängt Luxus an?“, fragt er und weist darauf hin, dass nicht gleich jedes Franchise-Unternehmen in die Luxussparte falle. Auch gebe es in der Hauptstadt genug Platz für andere „normale“ Geschäfte. „D’Stad ass voll dovun“, auch in der Groussgaass gebe es Läden, die dort schon seit Jahrzehnten ansässig sind. Und wer über „Groussgaass“ und „Philippsgaass“ hinausschaue, finde noch mehr. In der rue Notre-Dame, der rue Beaumont und der rue Louvigny etwa seien die Mieten geringer. Aber mit einer Miete von 5.000 Euro, ein Geschäft in der „Groussgaass“ zu eröffnen, nennt Kreutz „eine Illusion“. Solche Läden müssten ja auch nicht in einer der beiden Straßen liegen. Dass die Hauptstadt auf dem guten Weg sei, Einkaufszentrum der Großregion zu werden, sei auch der Ansiedlung von bekannten großen Marken und Geschäften zu verdanken.
Über 60 Angestellte waren betroffen
Die meisten Läden, die vor einigen Wochen schließen mussten, dürften aber bald wieder öffnen. Zum Teil unter der vorherigen Marke, zum Teil werden dort auch neue Geschäfte Einzug halten. Die Arbeit des Kurators sei in dieser Hinsicht fast beendet.
Was das Personal angeht, das ja das erste Opfer der Schließungen war, so würden dort, wo die gleichen Marken bleiben, die Angestellten zumindest teilweise mit übernommen. Das sei auch eine Auflage des Kurators gewesen. Genaue Zahlen waren aber gestern nicht in Erfahrung zu bringen.
Der OGBL hatte am Mittwoch daran erinnert, dass mehr als 60 Angestellte betroffen waren und verlangt, dass diese auch in den Läden, in denen sie vorher gearbeitet haben, Priorität bei Einstellungen genießen, sofern sie noch keine neue Arbeit gefunden haben. Bei einem Treffen mit Beschäftigungs- und Mittelstandsministerium sowie der CLC, der ADEM und dem OGBL Anfang September sei man sich einig gewesen, alles zu tun, um den betroffenen Angestellten zu helfen, auch bei der Jobsuche. Demnach müsste jetzt darauf geachtet werden, dass diese Menschen prioritär wieder eingestellt würden.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können