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„Der Euro lebt“

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Überraschung auf dem 22. Finanzmarktforum der Deutschen Bank. Das Ergebnis der Chamber-Wahlen brachte die Rednerliste durcheinander.

Die Finanzwelt Luxemburgs trifft sich traditionell im Oktober im Geldtempel der Deutschen Bank zum Meinungsaustausch. Die Veranstaltung steht unter der Leitung des deutschen Wirtschaftsblattes „Börsenzeitung“ und der Deutschen Bank in Luxemburg. Die Veranstaltung beginnt am Vorabend mit einem Vortrag vor dem Finanzplatz. Ein Vortrag, der von einem großen Namen der deutschen Wirtschaft gehalten wird, und dem ein informatives Abendessen zwischen Veranstaltern und luxemburgischen Politikern folgt. Der amtierende Wirtschaftsminister Etienne Schneider, den der Chef der Deutschen Bank Luxemburg, Ernst Wilhelm Contzen, zu Beginn der Veranstaltung bereits begrüßt, erscheint allerdings erst später. Schneider hatte vorher noch ein Gespräch mit den Liberalen und den Grünen zu führen, in dem nicht nur die Grundsatz-Entscheidung zu einer Dreier-Koalition fiel, sondern auch schon erste Weichenstellungen erfolgten. Sein Gespräch beim Abendessen macht aus der Chefredaktion der Börsenzeitung diesem Abend wohl die bestinformierten Journalisten über die Luxemburger Vorgänge.

Logo" class="infobox_img" />Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident und derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE.

Die Finanzwirtschaft, so hatte Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident und derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE zuvor noch in einem Vortrag von seltener hoher Qualität erzählt, stünde vor dem großen Problem, sich wieder mit der Realwirtschaft zu verbinden. Das sei eine große Herausforderung. Die Finanzwirtschaft müsse verstehen, dass sie wieder eine dienende Rolle für die Realwirtschaft zu übernehmen habe. Lange vor der Krise und der Pleite der Bank Lehman Brothers hätte die Finanzwirtschaft davon schon Abschied genommen. Koch: „Mit der dienenden Rolle kann die Finanzwirtschaft weniger Geld verdienen als mit dem Eigenhandel“. Denn: Wenn man mit sehr großen Summen arbeite, gewinne man mit der 100. Stelle immer noch beachtlich Geld. Mit dem Beginn dieser Erkenntnis habe die Finanzwirtschaft sich von der Aufgabe getrennt, die Realwirtschaft zu finanzieren.

Kein Vertrauen zwischen den Banken

Nach der Krise der Jahre 2007 bis 2009 seien wesentliche Fragen immer noch nicht beantwortet. Es gebe nach wie vor Banken, die abgewickelt werden müssten, aber weiter arbeiteten. Das diene der Wirtschaft nicht. Man müsse nun dazu übergehen, die Zukunft zu finanzieren. Aber dazu müsste die Frage des Vertrauens gelöst werden. Seit der Lehman Pleite sei die Bereitschaft der Banken, sich zu vertrauen, erloschen. Die Regulierer würden nun die Banken zwingen, sich nicht zu vertrauen. „Wenn aber die Banken sich nicht vertrauen dürfen, warum sollte es dann der Kunde tun“, fragte Koch.

Der Vorstandsvorsitzende eines der größten europäischen Baukonzerne mahnte die Banken, dass Logarithmen die Wirklichkeit der Wirtschaft nicht ersetzten. Man müsse in der Entwicklung nach der Finanzkrise sehen, dass sich Europa und die USA auseinander entwickelt hätten. Die unter dem Stichwort „Basel III“ zusammengefassten Regeln würden von den USA nicht akzeptiert und auch nicht unterschrieben. Das sei ein Spannungsfeld. Die anderen Spannungsfelder ergäben sich aus dem Verständnis der dienenden und der selbständig handelnden Bank.

Die Politik, so Koch, beschäftige sich zu stark mit kleinen Dingen. Wenn man in den Verhandlungen über eine Freihandelszone sich vor allem mit den Dingen beschäftige, die auszuschließen seien, dann sei man auf dem falschen Weg. Man dürfe nicht vor jeder Art von Wettbewerb Angst haben. „Wir haben als Europäer immer durch unsere Öffnung gewonnen“.

Frieden nahm kein Blatt vor den Mund

Der amtierende Staatsminister Jean-Claude Juncker hatte am nächsten Morgen im Rahmen eines Seminars zu den Finanzfachleuten und Luxemburger Persönlichkeiten reden sollen. Juncker hatte allerdings am Vorabend, während Roland Koch redete, abgesagt und Luc Frieden als Redner angesagt. In diesem Kreis von gut 100 Geldfachleuten, in dem man BEIM Forum ehrlich miteinander umgeht, nahm Frieden kein Blatt vor den Mund. Er stehe nicht gerne vor den Bankern, gab er offen zu. Denn für einmal sei der wichtige Punkt die Deutsche Bank in Luxemburg, sondern das Regierungsviertel, um dann in einem kurzen Referat auf den Euro einzugehen. Seine Rede erhielt so den Charakter einer Abschiedsrede.

Die Frage, ob es richtig sei, Griechenland, Portugal, Spanien, Irland zu retten, sei die falsche, meinte Frieden. Man müsse sich fragen, was geschehen wäre, wenn man es nicht getan hätte. Alleine die Unruhe in der Welt, wo alle wichtigen Staaten den Euro als Reservewährung in ihrem Bestand hätten, habe gezeigt, dass es sich nicht alleine um diese Staaten gehandelt habe, sondern um die Rettung der Währung. Er persönlich sei enttäuscht über Griechenland, weil dort die Steuerzahlung bei weitem schlechter angelaufen sei, als zu erwarten gewesen wäre. Er habe, sagte Frieden, auf der Weltbanktagung in Washington auch feststellen können, dass die Frage der Rettung des Euro keine Rolle mehr gespielt habe. „Der Euro lebt“, sagte Frieden.

Allerdings zeigte der amtierende Finanzminister auch deutlich in Richtung Deutschland und damit in Richtung der Mehrheit der teilnehmenden Finanzfachleute. Er akzeptiere nicht, sagte Frieden, dass man in Deutschland über deutsche Rettungsbeiträge klage. Im Verhältnis sei Luxemburg stärker belastet als Deutschland.

In dieselbe Richtung ging seine Argumentation zur Behandlung der Banken in Europa. Das Problem der Überwachung sei im Wesentlichen gelöst. Die Einlagensicherung müsse für den Fall eines Bankenzusammenbruches noch geregelt werden. Hier gäbe es Unterschiede zwischen Ländern, die eine nationale Regelung bevorzugten und solchen, die eine europäische suchten. Bei der Abwicklung von Konkurs-Banken seien die Probleme am größten. Frieden fasste die Luxemburger Position so zusammen: „Ich akzeptiere nicht, dass Deutschland und Frankreich darüber entscheiden, ob eine luxemburgische Bank abgewickelt werden muss.“

(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)