In den Kasematten explodiert Anfang Juli 1985 ein Sprengsatz. Zum ersten Mal werden mögliche Täter gesehen. Ein belgisches Ehepaar beobachtet vier Männer auf wenige Meter.
Zwanzig Attentate wurden vom 30. Mai 1984 bis zum 25. März 1986 in Luxemburg verübt. Erst 27 Jahre später wird der Bommeleeeër-Prozess aufgerollt. (Tageblatt-Archiv)
Knapp vier Jahrzehnte nach dem tödlichen OPEC-Terroranschlag in Wien sitzt seit September 2012 eine mutmaßliche ehemalige Terroristin der Revolutionären Zellen (l.) auf der Anklagebank. (Arne Dedert)
International betrachtet, ist diese lange Zeitspanne kein Einzelfall. Aus verschiedenen Gründen können Prozesse erst Jahrzehnte nach der Tat stattfinden. (Tageblatt-Archiv)
Dem Nazi-Helfer John Demjanjuk wurde im Jahre 2009, 60 Jahre später, der Prozess gemacht. (jim Hollander)
Wegen des blutigen Militärputsches in der Türkei vor mehr als 31 Jahren müssen sich seit April 2012 zwei noch lebende Anführer erstmals vor einem Gericht verantworten. (Anadolu Agency)
Rund 20 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica steht Ratko Mladic wegen Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht. (Pool)
Auch der bosnisch-serbische General Zdravko Tolimir muss wegen seiner Beteiligung 1995 am Massaker in Srebrenica lebenslänglich hinter Gitter. (dapd/Michael Kooren)
Beobachter erwarten, dass es noch bis zu einem Jahr dauern kann, bevor der tatsächliche Prozess zum Anschlag des 11. September 2001 in New York beginnt. (Chang W. lee)
Fünfzehn Männer zwischen 29 und 33 Jahren bekommen im September 2012 vor einem Gericht im französischen Val-de-Marne den Prozess gemacht. Sie hatten in den Jahren 1999 bis 2001 in Fortenay (Bild) zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren immer wieder vergewaltigt. (dapd/Stephane de Sakutin)
Louis Renault wurde im zweiten Weltkrieg der Kollaboration bezichtigt und ohne Prozess ins Gefängnis gesteckt. Rund 70 Jahre später, im Mai 2011, ziehen seine Enkel vor Gericht. (Bodo Marks)
Am 5. Juli 1985 knallt es in einem Verbindungs-Tunnel der Kasematten unter dem Heilig-Geist-Plateau. Wegen einer technischen Panne detoniert der Sprengsatz nur teilweise. Es reicht aber, um eine wichtige Telefonleitung der Post zu zerstören. Aus den Schächten der Kasematten steigt Rauch auf.
Unweit des Tatorts campierte am gleichen Abend, vor der Explosion, ein Ehepaar aus Belgien. Es war auf der Durchreise in die Heimat. Lucien Thilquin und Anne-Marie van den Broeck beobachten einen Mann mit einem Funkgerät. Der Mann spricht in sein Walkie-Talkie und observiert das Paar ebenfalls. Plötzlich tauchen aus der Dunkelheit drei weitere Gestalten auf. Alle vier machen sich schnell aus dem Staub.
Phantombild
Auch das belgiche Ehepaar suchte nach der in ihren Augen unheimlichen Begegnung das Weite. Wochen später ist Lucien Thilquin aus geschäftlichen Gründen erneut in Luxemburg. Dabei erfährt er, dass es in den Kasematten eine Explosion gab. Er meldete sich bei der Gendarmerie. Zum ersten Mal gibt es Augenzeugen und zum ersten Mal werden mehrere mögliche Täter gesehen. Für die Ermittler ist es eine erste heiße Spur, die damals allerdings schnell wieder im Sand verlief. Vom Mann mit dem Funkgerät wird nach der Zeugenaussage von Lucien Thilquin ein Phantombild erstellt. Den Weg an die Öffentlichkeit fand es nie. Auch intern bekamen es nur wenige zu sehen.
Ein Ansprechpartner für den belgischen Geschäftsmann war damals der Ermittler Paul Haan. Dieser traute dem Zeugen zunächst nicht. Er gab die Informationen nach eigener Aussage schließlich an einen Untersuchungsrichter weiter. Thilquin sah damals sogar eine Verbindung zur belgischen Killerband «tueurs du Brabant». Diese Aussage taucht später in keiner Akte auf.
Am Dienstag werden die beiden Augenzeugen aus Belgien im Bommeleeër-Prozess zu ihren Erlebnissen in der Nacht am 5. Juli 1985 befragt.
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