Obwohl es, wie man mittlerweile weiß, drei ernst zu nehmende Bieter für die ehemaligen Qatar-Airways-Anteile gab, kam auch für Robert Schaus – nachdem dies bereits für den vorherigen Nachhaltigkeitsminister Claude Wiseler der Fall war – nur HNCA als Käufer der Anteile in Frage. Im Gegensatz zu Claude Wiseler liefert das Papier von Schaus zumindest Angaben darüber, warum. Die beiden anderen potenziellen Käufer forderten nämlich Garantien, was die Rendite angeht. Die finanziellen Risiken einer solchen Garantie für den Staat bezüglich einer Firma, die seit 2010 rote Zahlen geschrieben hat, sind jedoch kaum zu berechnen.
Das vertrauliche Papier erinnert auch an die drei Wünsche der Chinesen an Cargolux. Die meisten davon waren bereits bekannt. Erstens soll sichergestellt werden, dass mindestens vier Cargo-Flüge zwischen Zhengzhou und Luxemburg durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang soll ein Fonds von über 15 Millionen Dollar aufgelegt werden (von wem er gespeist werden soll, wird nicht erwähnt), welcher die anfänglichen Verluste auffangen soll.
Der Flughafen und Luftfrachthub Zhengzhou soll, zweitens, mit Luxemburger Fachwissen entwickelt werden. Drittens soll langfristig eine Reihe von gemeinsamen Unternehmen gegründet werden, angefangen mit einer in China beheimateten Airline, die die Cargolux-Aktivitäten ergänzen sollen. „All activities would in principle be on top of the business ‚as usual‘ planned by Cargolux today, and in particular not restrict Cargolux in terms of other alliances to pursue, nor in terms of business development in other Chinese airports, nor would they be allowed to compete with Cargolux“, heißt es im Bericht. Dies spricht eigentlich für den Deal, da er die wirtschaftlich zukünftigen Interessen der Cargolux nicht gefährdet.
Als weiteren Vorteil am Deal erkennt der damals ernannte Gewährsmann Schaus, dass der chinesische Staat Anteilseigner wird. „Having the chinese state as a partner and a shareholder will for example be a major asset in any negociations …“, meint Schaus. Allerdings ist die Ansicht bis heute strittig, da es sich bei HNCA um ein Investment-Vehikel der Region Henan und nicht der Zentralregierung handelt.
Finanzielle Bedürfnisse
Alles in allem sieht Schaus mehr Möglichkeiten als Risiken in dem Deal. Wobei für ihn die direkten finanzielle Bedürfnisse der Cargolux das Wichtigste zu sein scheinen.
Auch scheint er nicht daran zu glauben, dass die Cargolux als alleinstehendes Unternehmen eine Zukunft hat. Als Grund gibt er hierfür die Diskrepanz an zwischen dem, was das Unternehmen als Kapital braucht, und dem, was es generieren kann. Eine Darstellung, die zwar auf Anhieb richtig erscheint, jedoch wird dabei vergessen, dass die Verluste seit 2010 krisenbedingt waren und das Unternehmen Kartellstrafen in Höhe von hunderten Millionen Euro zu zahlen hatte.
Nachdem Schaus darauf hingewiesen hat, dass das Management zum Zeitpunkt seiner Untersuchung „dysfunctional“ ist, spricht er interessanterweise auch an, dass die Aufteilung der Aktien zwischen den „Luxemburgischen“ Akteuren, die Besetzung des Verwaltungsrates und der Modus operandi des letzteren zu überarbeiten seien. Die Frage ist eigentlich nur, wieso – und das Papier liefert darauf keine Antworten.
Die jüngste Geschichte der Cargolux liefert einen einleuchtenden Grund, weshalb der Modus operandi zwischen den „Luxemburgern“ geändert bzw. verbessert werden soll. In der Tat ist ein Teil der Fragilität des Unternehmens während der Qatar-Airways-Phase dadurch zu erklären, dass die Luxemburger Aktionäre nicht mit einer Stimme sprachen.
Und danach?
Mittlerweile wurde zudem von der Regierung die mögliche neue Aktionärsstruktur des Unternehmens angedeutet. Aus dem Wandel der Struktur ergibt sich folgende Frage: Warum steigt der Staat direkt durch den Verkauf von 35 Prozent an HNCA erst aus der Cargolux aus, um im Nachhinein, wie von Nachhaltigkeitsminister François Bausch mittlerweile bestätigt, wieder durch den Kauf von Anteilen, die der Luxair gehören, wieder ins Boot zu steigen? Verbindet man diese Frage mit der Tatsache, dass die Luxair bereits die vorangegangene Kapitalerhöhung nicht in der Höhe ihrer Anteile mitgetragen hat, dreht sich zwangsläufig das Augenmerk auf die finanzielle Situation der Luxair. Hat die Fluggesellschaft mit dieser Operation und wohlwissend, dass noch eine weitere, wenn auch für die Luxair dann weniger hohe Kapitalerhöhung bei der Cargolux zu zahlen sein wird, dann den nötigen Spielraum wiedergefunden, um die eigenen Herausforderungen angehen zu können – was u.a. heißen könnte partielle Erneuerung der Flotte?
Eine Frage beantwortet das Papier dennoch nicht: Was wird die Investmentgesellschaft HNCA mit ihren Cargolux-Anteilen machen, sobald ihre eigenen Ziele erreicht sind?
Zu Demaart
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