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Neue Krise bei Le Monde

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Sie wird in diesem Jahre 70 Jahre alt und kommt aus den Krisen nicht heraus. Bei der Abendzeitung Le Monde treten sieben Redakteure zurück, zwei stellvertretende Chefredakteure verlieren ihre Posten.

Die französische Traditionszeitung le Monde ist eine Institution unter den französischen Medien. Im Jahre 1944 auf Anregung von General de Gaulle gegründet, wird sie in diesem Jahr 70 Jahre alt. Sie soll eine Abendzeitung sein. In Paris erscheint sie allerdings bereits um 14 Uhr an den Kiosken, dank TGV zwei Stunden später in allen wichtigen Großstädten Frankreichs, in der Provinz erst am nächsten Tag. Le Monde wird als „Abendzeitung“ immer vorausdatiert auf den nächsten Tag. Sie erschien erstmals am 18. Dezember 1944 auf den 19. Dezember datiert. Der Umfang bestand aus einem einmal gefalteten Blatt. Die Vorausdatierung ist ein Symbol für die Zeitung geworden. Le Monde hinkt den Ereignisse nicht hinterher, sondern sie ist ihnen voraus. Das ist die Überzeugung des Blattes, aus der heraus die Souveränität der Redakteure kommt.

Redakteure von le Monde wissen in der Regel mehr, haben leichteren Zugang zu Politik und Wirtschaft. Die Zeitung legt Wert auf Sachlichkeit, Distanz zu den Ereignissen und Unabhängigkeit. Prinzipien, die die Redakteure des linksliberalen Blattes eisern verteidigen und die es für die mächtigen Frankreichs häufig zu einem unbequemen Medium haben werden lassen. Le Monde fiel in den vergangenen Jahren häufig durch Skandalgeschichten auf. Die Nähe zur Justiz ließ das Blatt aus Akten von Verfahren zitieren. Seit der Übernahme der Staatspräsidentschaft durch François Hollande fällt ein Kurs gegen den abgewählten Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy auf, der ebenfalls wieder durch Zugang zu Justizakten möglich wurde. Als seltsam wurde in Frankreich empfunden, dass die beiden Redakteure, die das Sarkozy Thema bearbeiteten, eines Abends von Staatspräsident Hollande zu einem Gespräch empfangen wurden. Der Journalismus von Le Monde wurde nicht mehr als so unangreifbar empfunden, wie dies das Blatt gewöhnt war.

Konkurrenz

Le Monde ist ein Medium des gedruckten Papiers. Die Zeitung musste allerdings lernen, dass sie im Bereich des Aufdeckungsjournalismus Konkurrenz bekam. Ausgerechnet der ehemalige Chefredakteur Edwy Plenel baute nach seinem Ausscheiden bei Le Monde ein Internetportal „Mediapart“ auf, das sich durch Aufdeckungsjournalismus auszeichnet.

Die Zeitung verlor seit Jahren Auflage und dies in dramatischer Weise. Die Auflage, die einst über 500.000 Exemplare lag, betrug vor 20 Jahren, beim 50. Geburtstag, 350.000. Im Oktober vergangenen Jahres lag sie bei 276.000, aktuell wird die Zahl von 216.000 genannt.

Nicht mehr rentabel

Rentabel war die Zeitung seit langer Zeit nicht mehr. Rekapitalisiert wurde sie von dem Investorentrio Niel, Pigasse und Berge, das den Vorstandsvorsitzenden Louis Dreyfus einsetzte. Das Quartett begann die Zeitung zu modernisieren. Der Umbau in eine Morgenzeitung steht zur Diskussion, Personal wurde abgebaut, das Verhältnis zwischen Print und Internet wurde zu einem Thema. Insgesamt plante das Investorentrio Investionen in Millionenhöhe. Und dennoch: Ende 2013 wies Le Monde einen Verlust von zwei Millionen Euro aus.

Zwei große Zeitungen in Frankreich haben dieselben Probleme. Libération und Le Monde haben nicht gewusst, was mit der Internet-Revolution im Medienbereich anzufangen war und zu spät darauf reagiert. Zusätzlich haben die Journalisten in den beiden Zeitungen sich entschlossen, die Internetpläne der Besitzer in Frage zustellen. Bei Libération nutzten die Journalisten das Blatt, um gegen die Internetpläne der Besitzer auf der ersten Seite zu protestieren. Bei le Monde brachen die Konflikte mit dem Tod des Chefredakteurs auf.

Kenntnisse über Osteuropa

Als Anfang 2013 der hochgeachtete Erik Izraelewicz starb, konnten sich die drei Besitzer nicht auf einen Kandidaten für seine Nachfolge einigen. Nathalie Nougayrède war die Kompromisskandidatin. Die langjährige Korrespondentin, die über profunde Kenntnisse Osteuropas verfügt und Expertin für internationale Fragen ist, gilt als Arbeitstier und brillante Journalistin. Sie verfügt nicht über Führungserfahrung. Dennoch erhielt sie das Vertrauen der Journalisten der Redaktion.

Knapp 17 Monate später brach die Krise aus. Dem „unabhängigen Kopf“ wurde „fehlendes Vertrauen“, „schlechte Kommunikation“ von der Redaktion vorgeworfen. Sowohl die Printredaktion als auch die Online Reaktion warfen ihr Inkompetenz und fehlende Bodenhaftung vor. Ein interner Bericht über die Situation in der Redaktion sprach von „Erschöpfung“ und hohem Druck, unter dem die Redaktion steht. In einer ersten Reaktion fuhren sowohl Dreyfus als auch Nougayrède das Reformprogramm zurück. So soll die neue Form von Le Monde erst im September statt schon im Juni auf den Markt kommen. Le Monde wird Ende September erst mit einer Morgenmausgabe für GSM Telephone auf den Markt kommen. Als Bauernopfer verloren die stellvertretenden Chefredakteure Michel Guerrin und Vincent Giret ihre Posten.

Ungelöstes Problem

Ein wesentliches Problem aber bleibt ungelöst. Der Verlag will den Internet Bereich stärken. Aus der Print Redaktion sollen 50 Journalisten in die Internet Redaktion versetzt werden. Dagegen wehren sich sowohl die Journalisten als auch die Internet Redaktion. Sie wirft Print Journalisten vor, gegen das Internet zu sein. Die Internet Redaktion aber ist im Gegensatz zur Zeitung auf der Erfolgsstraße. Sie verzeichnet um die 40 Millionen Besucher pro Monat und soll mehr als 125.000 Abonnenten haben.

Zusätzlich wollen Verlagsführung und Chefredaktion die drei Redaktionen „Umwelt“, „Wohnen“ und „Leben in den Vororten“ ausdünnen. An der Wirtschaftsredaktion, die Le Monde im Umfang vergrößert und mit einem eigenen Heft ausgerüstet hat, soll nicht gerüttelt werden. Die Konflikte in der Redaktion von Le Monde sind zahlreich und nur schwierig zu beheben, weil die Redakteure über die beiden Redakteursvereinigungen bei Print und Internet eine sehr starke Stellung haben.