Der lothringische Spezialstahl Hersteller Ascometal ist von einem Handelsgericht in Paris einem französischen Investor zugesprochen worden, der eine internationale Investorengemeinschaft zusammengestellt hat. Ascometal hatte Anfang März Konkurs angemeldet. Zur Disposition standen 1.900 Arbeitsplätze überwiegend in Lothringen, in Dünkirchen und in Fos sur Mer am Mittelmeer. An den wichtigen französischen Standorten in Hagondange beschäftigt Ascometal 569 Mitarbeiter, in Dünkirchen 582, in Fos-sur-Mer 445.
Ascometall stellt Kugellager, Federn, Spoiler unter anderem für die Automobilindustrie, für die Gas- und Erdölförderindustrie und auch für die französischen Kernkraftwerke her. Das Unternehmen war 1985 im Rahmen der Neuordnung der französischen Stahlindustrie gegründet worden. Es gehörte zum Konglomerat Usinor-Sacilor und wurde 1999 an die italienische Stahldynastie Lucchini verkauft. Die gab das Unternehmen an den US-Investor Apollo weiter. Unter seiner Herrschaft ging Ascometal in Konkurs.
Kompliziertes Verhalten
Das Verfahren, das relativ schnell abgewickelt wurde, gestaltete sich kompliziert. Ein algerischer Hersteller zeigte sich interessiert, der aus dem Standort Fos heraus Nordafrika versorgen wollte. Der brasilianische Stahlproduzent Gerdau – auf dem südamerikanischen Kontinent der härteste Konkurrent von ArcelorMittal – bot eine Übernahme an, wollte aber nur 1.600 von 1.900 Mitarbeitern weiter beschäftigen.
Der französische Investor Frank Suplisson, der den Zuschlag erhielt, ist ehemaliger Bürochef eines früheren Industrieministers Frankreichs in der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy. Er hat eine komplizierte Finanzierung zusammengestellt. Die britischen Fonds Warwick und DK bringen ihre Außenstände als Aktienkapital ein und halten 40 Prozent des neuen Kapitals. Der schwedische Stahlproduzent Ovako steigt mit acht Prozent ein. 20 Prozent kommen von institutionellen Investoren (Banken und Versicherungen). Nach Angaben der französischen Wirtschaftszeitung Les Echos sollen lothringische politische Institutionen wie der Regionalrat sich ebenfalls beteiligen. In dieser Konstellation liegt die Macht bei den Fonds und dem norwegischen Hersteller. Supplisson und andere Privatleute übernehmen acht Prozent.
«Patriotischer Akt»
Die Investoren haben 230 Millionen flüssiges Geld gefunden. Sie wollen 135 Millionen Investitionen finanzieren. 35 Millionen Euro stellt der französische Staat über einen Sozialfonds zur Verfügung. Es wird erwartet, dass sich auch die französische Investitionsbank (BPI) bei der Übernahme engagiert. Die Übernahme wird in Frankreich als „patriotischer Akt“ gewertet, der nur kurzfristig wirken wird, aber politisch motiviert ist.
Aus der Begründung des Handelgerichtes geht hervor, dass der Konkursverwalter sich für Gerdau ausgesprochen hat. Der Berichterstatter des Gerichtes wie auch der Fonds zur Sicherung der Löhne sprachen sich für die langfristige Sicherung von Ascometal durch Gerdau aus. Insbesondere die Gewerkschaft CGT aber wandte sich gegen Gerdau.
Die jetzt gefundene Lösung wird einen alten Bekannten nach Lothringen zurück bringen. Guy Dollé, ehemals Präsident von Unimetal, dann Generaldirektor von Arcelor, der sich stark gegen Lakshmi Mittal bei dessen Übernahme von Arcelor gewendet, dann das Unternehmen verlassen hatte, gehört zu den Fachleuten, die Frank Supplisson bei der Übernahme von Ascometal unterstützen.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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