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Dschihad beschäftigt die Innenminister

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Am Donnerstag sollen die EU- Innenminister in Luxemburg über das Problem Islamismus und Dschihad diskutieren. Hunderte europäische Bürger beteiligen sich am Heiligen Krieg in Syrien.

Auf Initiative des französischen Innenminister Bernard Cazeneuve und seines spanischen Amtskollegen Jorge Fernandez sollen die EU-Innenminister am Donnerstag bei ihrem Treffen in Luxemburg die Problematik «Heiliger Krieg» erörtern. In den letzten Wochen haben sich die Meldungen über Dschihad-Kämpfer aus EU-Ländern in Syrien und in der Sahel-Zone gehäuft. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hatte den über Twitter bekannt gemachten Tod von zwei Dschihadisten, die aus Luxemburg nach Syrien gefahren waren, bestätigt.

Die Kämpfer werden in Europa rekrutiert und von Schleuserbanden in die Kampfzonen geführt. In Frankreich waren am Montag vier Personen festgenommen worden, die an derlei Aktionen beteiligt gewesen sein sollen. Laut französischem Innenministerium sollen etwa 300 junge Franzosen in Syrien auf der Seite der Djihadisten kämpfen. Etwa hundert seien unterwegs dorthin und knapp hundert seien bereits zurück. Auch der mutmaßliche Attentäter im Jüdischen Museum in Brüssel am 24. Mai, ein 29-jähriger Franzose, soll in Syrien ausgebildet worden sein. Kurz nach seiner Haftentlassung im Dezember 2012 soll er nach Syrien gefahren sein. Mehdi Nemmouche war vor wenigen Tagen in Marseille festgenommen worden.

Spanien geht von knapp 80 spanischen Bürgern aus, die sich Heiligen Krieg beteiligen. Sie hätten vor Ort den Umgang mit Sprengstoff gelernt und mit islamistischen Einheiten gekämpft. Wie viele von ihnen nach Spanien zurückgekehrt sind, ist nicht gewusst. Auf mehrere Hundert wird die Zahl der meist jungen Männern geschätzt, die aus Deutschland in den Heiligen Krieg gezogen sind. Österreich geht von rund 100 Kämpfern in Syrien aus.

Mehr als 2000 Europäer

Der EU-Sonderbeauftragte für den Kampf gegen den Terrorismus, Gilles de Kerchove, geht davon aus, dass mehr als 2000 Europäer bereits zum Heiligen Krieg nach Syrien aufgebrochen sind, beziehungsweise sich darauf vorbereiten.

Die EU-Innenminister dürften am Donnerstag über eine verstärkte Kooperation bei der Bekämpfung der radikalislamischen Bewegungen und ihren Dschihad-Netzwerken erörtern. Der französische Anti-Terrorspezialist Alain Rodier bezweifelt, ob derlei Meeting zu konkreten Ergebnissen führen kann. Die Gesetzgebung in den einzelnen EU-Ländern sei zu verschieden, sagt er in einem Interview mit 20min.fr. So können beispielsweise in Großbritannien radikalislamische Webinhalte verboten werden, in Frankreich nicht.

Schura: Teilverantwortung bei den Behörden

In Luxemburg hat sich die Schura, die Dachvereinigung der muslimischen Gemeinschaften in Luxemburg, zu Wochenbeginn über den Tod der zwei jungen Kämpfer aus Luxemburg in Syrien geäußert. Ihr Einsatz entspreche nicht ihrer Interpretation des Islams, so die Schura am 2. Juni. Sicherlich trage man eine Teilverantwortung für den Dialog mit jenen Musulmanen, die eine wortwörtliche Auslegung der Religion propagieren und sie mit den besten Absichten entstellen.

Die Schura, die sich von den Taten ausländischer Gruppen in Syrien distanziert, sieht dennoch auch eine Teilverantwortung bei den Behörden. Man sei betrübt, dass die Sicherheitskräfte nichts unternahmen, um die angehenden Kämpfer an der Fahrt nach Syrien zu hindern. Den benutzten Weg dorthin kenne man in der Zwischenzeit sehr gut.