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D-Day-Feiern im Schatten der Ukraine

D-Day-Feiern im Schatten der Ukraine

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70 Jahre nach dem D-Day treffen sich Sieger und Besiegte in der Normandie und gedenken der Landung der Alliierten. Überschattet werden die Feierlichkeiten von der Ukraine-Krise.

70 Jahre nach der Landung der Alliierten in der Normandie gedenken Sieger und Besiegte der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus. Zur zentralen Feier an diesem Freitag werden rund 20 Staats- und Regierungschefs an der Nordküste Frankreichs erwartet. Mit der Teilnahme von Russlands Präsident Wladimir Putin entwickelt die Zeremonie eine eigene Dynamik: Der Konflikt um die Ukraine wird zum beherrschenden Thema.

Luxemburger Teilnahme an den Feierlichkeiten

Auf Einladung des französischen Präsidenten François Hollande nehmen Großherzog Henri, Großherzogin Maria Teresa und Großherzog Jean an den offiziellen Zeremonien anlässlich des Jahrestages der Operation Overlord in der Normandie teil. Der Delegation werden ebenfalls Parlamentspräsident Mars di Bartolomeo, Premierminister Xavier Bettel, Vizepremierminister Etienne Schneider und Außenminister Jean Asselborn angehören.

Erstmals seit dem umstrittenen Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland im März treffen führende westliche Spitzenpolitiker wie US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premier David Cameron oder Frankreichs Präsident François Hollande auf den Kremlchef.

Seitens der US-Regierung wurde ein bilaterales Treffen zwischen Obama und Putin bisher ausgeschlossen. Obama hatte allerdings darauf hingewiesen, dass er Putin sicher sehen werde, weil er beim selben Termin ist. Merkel will dagegen mit dem russischen Präsidenten am Rande der Veranstaltungen über die Lage in der Ukraine beraten. Nach Kremlangaben ist außerdem ein bilaterales Gespräch Putins mit Cameron vorgesehen. Bereits am Donnerstagabend trifft Gastgeber Hollande mit dem Kremlchef in Paris zusammen.

Ebenfalls in der Hauptstadt ist am selben Abend ein privates Dinner von Hollande und Obama vorgesehen. Auch der amerikanische Außenminister John Kerry will mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Paris über die Ukraine-Krise sprechen.

Die Feierlichkeiten

Das Gedenken an den D-Day, die englische Bezeichnung steht für den Beginn der gigantischen Landungsoperation, wird in zahlreichen Orten am Küstenstreifen zelebriert. Die zentrale internationale Feier ist am Strand von Ouistreham geplant, wo am D-Day auch ein kleines Kontingent französischer Soldaten mit den Alliierten anlandete.

Nationale oder binationale Feierlichkeiten sind vorgesehen für die USA am Landungsabschnitt Omaha-Beach in Colleville-sur-Mer mit Obama und Hollande, in Bayeux mit Queen Elizabeth II. (britisches Gedenken), in Sainte-Marie-du-Mont (dänisch), Arromanches (niederländisch) oder Urville-Langannerie (polnisch).

Am Mittwoch lag ein erster regionaler Schwerpunkt der Erinnerung im kleinen Carentan. Der starke Wind über der Normandie verhinderte zwar den geplanten Absprung von rund 90 Fallschirmspringern. Dennoch konnten vor hunderten Schaulustigen acht historische Flugzeuge die Einweihung eines Denkmals an den Landeabschnitt Airborne überfliegen.

Historische Militärtechnik

Neben zahlreichen Feiern mit Veteranen der beteiligten Nationen locken auch viele publikumswirksame Veranstaltungen. So sollen in den kommenden Tagen mehrfach Fallschirmspringer in Teilen der Normandie landen, Amphibienfahrzeuge und historische Panzer rollen über Strände, auf dem Wasser werden Bootsparaden organisiert.

Für die Nacht zum D-Day haben die französischen Organisatoren ein besonderes Spektakel geplant: Dann sollen synchronisierte Feuerwerke am gesamten Küstenabschnitt auf 80 Kilometern Länge die 24 wichtigsten Punkte der Landung illuminieren.

Erinnerungen an D-Day:
Museen, Rundgänge, das Kalender der Feierlichkeiten

Die Schlacht um die Normandie. Das Erinnerungsmuseum von Caen

Zahlen und Fakten

Die Invasoren: Die größte Armada der Kriegsgeschichte bestand aus 3100 Landungsbooten mit etwa 150 000 Soldaten und schweren Waffen unter dem Schutz von 1200 Kriegsschiffen und 7500 Flugzeugen. Zur Streitmacht der Alliierten am sogenannten D-Day gehörten vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen.

Die Verteidiger: Die Deutschen hatten im betroffenen Küstenabschnitt nur etwa 50 000 Infanteristen und wenige Flugzeuge zur Verfügung. Weiter nördlich, wo das Landungsunternehmen irrtümlich erwartet wurde, war der Großteil der Divisionen des Westheeres stationiert.

Der Atlantikwall: Die von Norwegen bis Südfrankreich über 2600 Kilometer reichende Kette von Festungen, Bunkern, Geschützstellungen, Strandbarrikaden und Minen sollte eine Invasion abwehren. Im D-Day-Bereich waren die Strände nur lückenhaft gesichert. Der Küstenabschnitt bei Calais, wo die Landung erwartet wurde, war weitaus besser ausgebaut.

Die Kampfgebiete: Die Allierten gingen in den Morgenstunden an fünf Küstenabschnitten mit den Decknamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword östlich von Cherbourg an Land. Erst nach sechs Tagen gelang es Hitlers Gegnern, die Brückenköpfe zu einer Front von etwa 100 Kilometern Länge zu verbinden.

Die Opfer: Am Abend des D-Day registrierten die Alliierten Verluste von rund 12 000 Mann, darunter etwa 4400 Tote. Die Zahl der deutschen Verwundeten, Vermissten und Gefallenen wird auf 4000 bis 9000 Mann geschätzt. Im weiteren Verlauf der «Operation Overlord» sollen bis zur Eroberung von Paris im August 200 000 Deutsche und 70 000 Verbündete ums Leben gekommen sein. In der verwüsteten Normandie starben bis zu 20 000 Zivilisten.