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Junckers «süßer Sieg»

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Am Freitag wurde der Luxemburger Ex-Premier Jean-Claude Juncker zum zukünftigen EU-Kommissionspräsidenten ernannt. Und es wird weiter fleißig kommentiert, kritisiert und richtiggestellt. Ein Überblick.

Nach Gaston Thorn und Jacques Santer wird Jean-Claude Juncker der dritte Luxemburger sein, der auf dem Chefsessel der EU-Kommission Platz nehmen wird. Juncker war am Freitag von den Staats- und Regierungschefs der EU als Nachfolger von Kommissionschef José Manuel Barroso vorgeschlagen worden. Das EU-Parlament muss noch zustimmen. Nach Spekulationen und Gerüchten im Vorfeld häufen sich nun weiter Kommentare, Kritiken und Richtigstellungen über den Luxemburger. Besonders die Reaktion von Cameron steht im Fokus der Berichterstattung. Hier ein Überblick.

«Schafft er [Juncker] die Nationalstaaten ab?» fragt die Frankfurter Allgemeine Zeitung «FAZ» am Sonntag und stellt klar: «Die Nationen, so sagte Juncker einst, «sind keine provisorische Erfindung der Geschichte, sie sind auf Dauer angelegt». Der Vorwurf, Juncker wolle einen europäischen Superstaat, sei demnach Unsinn.

«Jean-Claude Juncker hat sich durchgesetzt. Aber sein Image ist schlecht. Und seine Gegner verbreiten wilde Behauptungen.» Die «FAZ» spricht von Junckers «süßem Sieg». Er habe im Stillen seine Truppen gesammelt und bescherte den Briten eine krachende Niederlage.

Camerons Glückwünsche

«Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird», schreibt «NTV» am Sonntag. «Diese Weisheit scheint sich nun auch im Fall des durch die Briten abgelehnten EU-Kommissionschefs Juncker zu bestätigen.» Dabei beruft sich das Nachrichtenprotal auf die Glückwünsche Camerons an Juncker. Zuvor hatte der britische Premier noch behauptet, der Luxemburger sei die «falsche Person».

«Juncker setzt auf große Telekomfirmen», titelt golem.de. «Juncker strebt eine Konsolidierung des europäischen Telekommunikationssektors gegen nationale Systeme an. Ein schärferes Vorgehen gegen Google ist ebenfalls im Gespräch.»

Carta.info stellt sich am Montag die Frage, warum Cameron Juncker nicht wollte: «Warum wollte David Cameron Jean-Claude Juncker verhindern? Weil Juncker eine konkurrierende Steueroase vertritt? Weil er den Briten den Finanzplatz streitig macht? Nein, das war es augenscheinlich nicht. Juncker, hieß es in vielen Kommentaren, sei halt ein europäischer Dino, ein Europäer ‚durch und durch‘. Was sollte das heißen? Dass es besser gewesen wäre, einen Europäer zu nehmen, der weniger ‚durch‘ ist?»

«La dérive de l’Europe»

Das französische Portal «Mediapart» titelt in einem Blog: «Juncker Président: la dérive de l’Europe». – «La désignation de Jean-Claude Juncker pour la présidence de la Commission a vraiment quelque chose de surréaliste, d’indéfendable. […] La nomination de Jean-Claude Juncker montre que l’Europe n’a rien appris de l’histoire récente, qu’elle refuse d’entendre l’appel des citoyens à une réorientation.»

«Cameron après Juncker: Brexit ou Camerexit?» fragt die belgische Tageszeitung «Lesoir» am Montag. «Nombreux sont ceux, en Europe comme sur les Iles, qui aimeraient que les Britanniques tranchent une bonne fois pour toutes sur leur maintien dans une Union qui s’intégrera de plus en plus. Ce choix définitif est peut-être tentant. Mais il n’est pas du tout sûr que les Britanniques voudront l’affronter prochainement. Car ce sera jouer à la roulette russe avec l’avenir de leur prospérité.»

Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» titelt : «Cameron apre a Juncker: Possiamo fare affari insieme» – So schreibt das Blatt: «Possiamo fare affari con Juncker. A pronunciare questa frase è stato il primo ministro inglese, David Cameron, che pare cambiare rotta nei confronti del neoeletto presidente della Commissione europea, dopo aver espresso voto contrario, insieme all’Ungheria, per la sua nomina.»