Die US-Regierung braucht Geld. Mit Fatca will sie US-amerikanischen Steuerflüchtlingen auf die Schliche kommen. Das bereits 2010 vom US-Kongress verabschiedete Foreign Accout Tax Compliance Act (Facta) richtet sich an alle Banken weltweit. Wollen sie weiterhin in den USA Geschäfte machen, müssen sie dem amerikanischen Fiskus die Konten der US-Bürger im Ausland und in den USA sesshaften Ausländern mitteilen. 77.000 Banken, Versicherer und Vermögensgesellschaften sind davon betroffen. Nach mehrmaligen Verzögerungen wurde das Startdatum auf den 1. Juli 2014 festgelegt.
Ihre Informationen bekommen die US-Steuerfahnder entweder direkt von den Geldhäusern (Modell 2) oder aber die Staaten bieten sich als Sammelstelle für die Informationen an, die sie dann an die USA weiterleiten (Modell 1). Luxemburg entschied sich für Modell 1 des Datenaustauschs.
Alle Finanzinstitute betroffen
Alle Luxemburger Finanzinstitute seien von Fatca betroffen, sagt Camille Seillès, juristischer Berater der Bankenvereinigung ABBL am Dienstag Tageblatt.lu gegenüber. Niemand könne es sich erlauben, aus dem US-Geschäft auszusteigen. Wer sich Fatca nicht beugt, dem droht der Entzug der Banklizenz in den USA.
Bereits im vergangenen Jahr, nachdem bekannt geworden war, dass Luxemburgs Regierung sich für Modell 1 ausgesprochen hatte, hatte der damalige ABBL-Direktor Jean-Jacques Rommes im Tageblatt von einer «teueren Geschichte» für die Banken gesprochen. Genaue Angaben über die Fatca-Kosten in Luxemburg kann Seillès nicht machen. Er verweist jedoch auf Meldungen in ausländischen Medien über die Investitionskosten großer Bankengruppen hin.
1000 Euro pro Kunde
Laut französischer Bankenföderation (FBF) haben die Banken seit 2011 sich mit 200 bis 300 Millionen Euro auf Fatca vorbereitet, wird Patrick Suet vom Steuerausschuss der FBF von „Les Echos“ Mitte Februar zitiert. Und das für höchstens 200.000 Bankkonten von insgesamt 50 Millionen. Die Kosten werden mit knapp 1000 Euro pro Kunde angesetzt.
Hoch seien die Ausgaben wohl auch in Luxemburg und in keinem Verhältnis zur Zahl der meldepflichtigen Konten, betont Seillès. Tatsächlich sei die Zahl der betroffenen Konteninhaber verglichen mit jener der EU-Ausländer sehr klein. Laut ABBL-Angaben stellen die Guthaben von US-Bürgern lediglich 0,8 Prozent des Gesamtvermögens dar, das vom Private Banking in Luxemburg verwaltet wird. Dieses belief sich 2013 auf insgesamt 307 Milliarden Euro. Dennoch mussten die Banken ihre Informatiksysteme anpassen, zusätzliche spezialisierte Mitarbeiter einstellen.
Fatca und Zinsdirektive nicht vergleichbar
Ab 1. Januar 2015 beteiligt sich Luxemburg als eines der letzten Länder in der EU am automatischen Informationsaustausch entsprechend der EU-Zinsdirektive. Auch hier wird die Luxemburger Steuerbehörde die von den Banken zugestellten Informationen an den Fiskus der Herkunftsländer weiterleiten. Fatca demnach als eine Art Trainingsphase für die Luxemburger Banken? Fatca und Zinsrichtlinie könne man nicht miteinander vergleichen, betont Seillès. Bei ersterer müsse man den USA alle Konten von US-Bürgern und in den USA lebenden Ausländern melden. Bei der Zinsrichtlinie gebe man die Namen der Steuerpflichtigen an. Außerdem erfasst Fatca mit sehr wenigen Ausnahmen so gut wie alle Finanzkonten, während bei der EU-Direktive nur von Zinserträgen auf Sparkonten die Rede ist.
Weil man es mit unterschiedlichen Systemen zu tun hat, verursacht der automatische Informationsaustausch aufgrund der EU-Zinsrichtlinie weitere Kosten. Die ABBL bedauere, dass man sich nicht auf einen einheitlichen Standard verständigen konnte, so Seillès. Die Kosten wegen der unterschiedlichen Standards machen uns Sorgen, so der ABBL-Berater. Zudem sei unklar, wie lange auf Basis der EU-Zinsrichtslinie gearbeitet werde. Dieses System des automatischen Informationsaustausches könnte bald durch ein neues OECD-System ersetzt werden.
Trotz der angeblich hohen Fatca-Kosten gibt man sich zumindest in französischen Fachkreisen gelassen. Die Beträge seien nicht astronomisch auf den ganzen Finanzplatz angewandt, so Les Echos im Februar 2014. In fünf bis zehn Jahren seien die Kosten abgeschrieben. Außerdem müsse man sich wohl eines Tages die Frage nach der Entlohnung für derlei Dienstleistung stellen, so Patrick Suet von der FBF.
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