Die Zunahme befristeter Arbeitsverträge und die Ausweitung des Niedriglohnsektors in einigen Teilen der Großregion werden mit steigender Besorgnis von den Politikern der Großregion festgestellt. Sie könnten sich negativ auf die Grenzpendlerströme auswirken, heißt es. Die EURES-Berater warnen indes vor rechtlichen Grauzonen bei der grenzüberschreitenden Leiharbeit.
Um sich ein besseres Bild über den Arbeitsmarkt in der Großregion zu machen- hat das OIE (Interregionale Arbeitsmarktbeobachtungsstelle) im April die Studie «Arbeits- und Beschäftigungsformen in der Großregion» in Auftrag gegeben. Ziel der Studie ist es, eine Übersicht über die verschiedenen Beschäftigungsformen zu geben: Unbefristete und befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit, Teilzeitarbeit …
Weniger Jobsicherheit
Die Gesamtbeschäftigungsquote der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren liegt in Luxemburg bei fast 66 Prozent und ist damit höher als der EU-Durchschnitt (64 Prozent) und die Rate in unseren Nachbarländern, mit Ausnahme von Deutschland, wo 72,8 Prozent einer Beschäftigung nachgehen.
Es ist eine europäische Tendenz. Die Zahl der unbefristeten Arbeitsverträge sinkt, so auch in der Großregion und in Luxemburg. Aber immerhin hatten 2012 92,4 Prozent der Areitnehmer im Großherzogtum einen solchen Vertrag unterschrieben, wird in der Studie betont. 2008 waren es noch 94 Prozent.
Flexibilität ist gefragt
Die Flexibilität der Arbeit stellt für ein Unternehmen die Möglichkeit dar, sich an eine veränderte Nachfrage oder an Veränderungen des Unternehmensumfelds anzupassen, heißt es weiter in der Erhebung. Deshalb steige die Zahl der zeitlich begrenzten Arbeitsverträge. Der Prozentsatz an befristeten Verträgen liegt in Luxemburg bei 7,6 Prozent. In der EU sind es 13,7 Prozent, in Belgien 4,2 Prozent, in Deutschland fast 14 Prozent und in Frankreich 9,7 Prozent.
Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang in Luxemburg die hohe Zahl (29,6 Prozent) der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, die nur einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. Als Hauptgründe geben die jungen Leute oft an, dass sie keinen permanenten Arbeitsplatz finden konnten. Andere sagen aber auch, dass sie keine dauerhafte Arbeitsstelle wollten. Dazu kommen noch viele Jugendliche, die sich noch in der Ausbildung oder beruflichen Fortbildung befinden.
Befristete Verträge werden oft im Reinigungssektor, bei Sicherheitsfirmen, in der Landwirtschasft (Saison-Arbeiter) und im Horesca-Gewerbe bevorzugt, so der OIE.
Zeitlich begrenztes Verhältnis
Innerhalb der letzten zehn Jahren ist die Zahl der Teilzeitarbeitsverträge um 7,3 Prozent auf 18,9 Prozent in Luxemburg gestiegen, heißt es in der Analyse. Hier seien besonders Frauen betroffen (84,1 Prozent). Oft wird die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie als Grund angegeben. Aber in Luxemburg steigt auch der Männeranteil bei der Teilzeitarbeit, zwischen 2008 und 2009 um 9 Prozent. In Belgien und Deutschland liegt die Rate der Teilzeit-Verträge bei über 25 Prozent, in Frankreich bei 18 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei 20 Prozent. Oft akzeptieren Arbeitnehmer einen Teilzeitjob, weil sie keine Ganztagsarbeit finden, so der OIE.
Leiharbeitsverträge sind hingegen in Luxemburg noch die Ausnahme. Nur 1,6 Prozent der Arbeitsverträge sind sogenannte «Interimsverträge». In Frankreich sind es 2,5 Prozent, in Belgien 1,9 Prozent und in Deutschland 2,4 Prozent. In Luxemburg darf ein solcher Vertrag die Dauer von 12 Monaten nicht überschreiten. Ausnahmen bilden Saisonarbeitsverträge und Verträge von Arbeitnehmern mit seltenen Fachkenntnissen. Viele portugiesische Mitbürger und Grenzgänger arbeiten hierzulande noch oft unter Leiharbeitsverträgen.
Der Anteil der Personen mit einem zweiten Beschäftigungsverhältnis schließlich liegt in Luxemburg, Deutschland, Belgien und Frankreich bei unter 5 Prozent. Im Großherzogtum hatten 2012 nur 2,9 Prozent der Beschäftigten einen Zweitjob.
Zu Demaart
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