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ArcelorMittal bleibt in Liberia

ArcelorMittal bleibt in Liberia

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Die Ebola-Epidemie ist keine afrikanische Angelegenheit mehr. Weltkonzerne mit Sitz in Europa sind von ihr betroffen. Was tun die Unternehmen? Tageblatt Online sprach in Paris mit der Vizepräsidentin für die Unternehmenskommunikation der ArcelorMittal Gruppe, Nicola Davidson.

Tageblatt: Seit wann ist ArcelorMittal in Liberia tätig?

Logo" class="infobox_img" />Nicola Davidson.

«Nicola Davidson: Wir sind seit 2005 in Liberia. Wir haben damals die stillgelegte Eisenerzmine von Lamco Mining von der liberianischen Regierung gekauft. Die Mine war seit dem Beginn des Bürgerkriegs stillgelegt. Wir haben seitdem die gesamte Infrastruktur neu aufgebaut, inklusive der Eisenbahnlinie zum Transport des Erzes.»

Wieviel Tonnen produziert Ihr Unternehmen pro Jahr

«Wir arbeiten in zwei Phasen in Liberia. Phase 1 ist das laufende Extraktionsgeschäft, bei dem wir fünf Millionen direkt verwertbares Eisenerz pro Jahr produzieren. Diese Arbeiten laufen wie gewohnt weiter. Phase zwei ist das Erweiterungsprojekt. Diese Phase haben wir seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie verlangsamt.»

Wie hoch ist das Investment von ArcelorMittal in Liberia?

«Wir haben bis zum heutigen Tag 1,7 Milliarden US Dollar investiert.»

Wie viele Menschen arbeiten für Ihr Unternehmen in Liberia?

«Derzeit arbeiten über 1.300 Mitarbeiter dort für uns.»

:Wie viele davon sind Expatraits?

«Augenblicklich arbeiten 100 Expatriats für uns in Liberia und 1.200 Einheimische.»

Gibt es Fälle von Ebola unter den Mitarbeitern Ihrer Gruppe?

«Wir haben derzeit keinen Ebolafall unter unseren Mitarbeitern. Seit der Virus ausgebrochen ist, haben wir hart daran gearbeitet, die Wirkung des Virus zu verstehen und sicherzustellen, dass wir auf Ebola vorbereitet sind. Ebola ist ein furchtbarer Virus, aber er wird nicht durch die Luft übertragen. Vorausgesetzt, dass dass man den Virus richtig versteht, Vorkehrungen trifft und die nötigen Schutz-Voraussetzungen schafft, sollte es schwierig sein, sich den Virus einzufangen. Eine der Methoden, Ebola zu erkennen, ist die Körpertemperatur. Wir haben überall in der Mine Thermoscanner aufgestellt, um die Körpertemperatur unserer Mitarbeiter zu überwachen. Wenn irgendjemand eine erhöhte Körpertemperatur ausweist, schicken wir ihn zu einem Arzt und raten ihm, nicht zur Arbeit zu kommen. Wenn wir Mitarbeiter haben, die möglicherweise in Kontakt kommen mit jemandem, der mit Ebola infiziert ist, bitten wir ihn, während 28 Tagen nicht zur Arbeit zu kommen und sich in dieser Zeit selber zu überwachen, ob er Anzeichen von Ebola aufweist.»

Wird Arcelor Mittal die Eisenerzmine schließen und Liberia verlassen?

«Absolut nicht. Wir haben eine langfristige Zusammenarbeit mit Liberia vereinbart und werden das Land nicht im Stich lassen. Es ist tragisch, dass Liberia und andere west-afrikanische Länder von Ebola betroffen sind. Der Bürgerkrieg war gerade erst beendet, und das Land machte große Anstrengungen, um wieder auf die Beine zu kommen. Deswegen müssen internationale Investoren gerade in dieser Situation im Land bleiben. Wir haben eine Gruppe von 30 Unternehmen in der Region, die regelmäßig zu Diskussionen über die Situation zusammenkommt. Wir sind uns einig in unserer Unterstützung für die betroffenen Länder. Wir sind darüber betroffen, dass Reisen in die west-afrikanischen Länder eingeschränkt sind, weil das den Handel beeinflusst. Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) meint, dass man in diese Länder reisen kann. Wir hoffen, dass die Fluggesellschaften ihre Entscheidung, Flüge zu stoppen, bald revidieren werden.»

Was tut ArcelorMittal, um den Virus zu vermeiden?

«Der erste Schritt, um Menschen zu schützen ist, sicherzustellen, dass sie verstehen, was man tun muss, um mit dem Virus nicht in Kontakt zu kommen. Es ist kein Virus, der durch die Luft übertragen wird. Mit dem richtigen Verständnis, mit den richtigen Prozeduren und der richtigen Vorgehensweise sollte er also zu vermeiden sein. Wir haben mit Spezialisten für Tropenkrankheiten zusammengearbeitet, die unseren Mitarbeitern erklärt haben, wie man mit dem Virus infiziert wird und wie man erkennen kann, ob man infiziert ist. Sicher kann eine erhöhte Körpertemperatur Vieles bedeuten, aber wir bitten Mitarbeiter, dann nicht zur Arbeit zu kommen. Das gilt auch für einen möglichen Kontakt mit einem Ebola erkrankten Menschen. Tritt der Fall dennoch ein, dann gibt es medizinische und auch andere Hilfe für den Erkrankten und die Familie. Und selbstverständlich bezahlen wir den vollen Lohn während der 28 tägigen Inkubationszeit, in der wir unseren Mitarbeiter zu Hause lassen.»

Hilft das Unternehmen infizierten Mitarbeitern und deren Familien nach dem Tod von Ebola-Patienten?

«Bisher hatten wir einen tragischen Ebola-Todesfall. Wir hatten weniger als zehn Fälle, in denen Mitarbeiter wegen des Verdachtes zu Hause blieben und überwacht wurden. In allen diesen Fällen erhalten die Mitarbeiter und ihre Familien von uns Unterstützung. Von einem Mitarbeiter wissen wir, dass er von dem Virus befallen wurde. Wir glauben, dass wir durch diese Vorgehensweise die Gefahr, die von Ebola für die ArcelorMittal Mitarbeiter ausgehen könnte, begrenzen können.»

Haben Sie einen Kontakt mit anderen Unternehmen in der Region?

«Wie schon gesagt, haben wir Kontakt zu 30 anderen Unternehmen. Wir treffen uns regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen, um zu prüfen, wie wir zusammenarbeiten können, wie wir auch die nicht-Regierungsorganisationen (NGO´s) unterstützen können. Das sind sehr wichtige Treffen.»

Arbeiten Sie mit der WHO zusammen?

«Als Gruppe sind wir im Gespräch mit der WHO. Generaldirektor Dr. Magaret Chan stand gerade in einem Treffen der Arbeitsgruppe der 30 Unternehmen zur Verfügung und gab uns wertvolle und nützliche Hinweise. Wir haben großen Respekt vor der Arbeit der WHO und anderen Organisationen sowie Einzelpersonen, die alle versuchen, den Ebola-Virus unter Kontrolle zu bringen. Wir unterstützen, wo immer wir können.»

Haben wir den Gipfel der Ebola Epidemie erreicht

«Die WHO glaubt nicht, dass wir den Gipfel bereits erreicht haben.»

Haben Sie Angestellte, die derzeit von Liberia nach Großbritannien oder Deutschland oder Luxemburg oder in die Vereinigten Staaten reisen?

«Wir haben Mitarbeiter aus der Region ausgeflogen. Wir haben aber immer noch viele Expatriats aus aller Welt, die in Liberia arbeiten. Der geschäftsführende Vizepräsident der Mining Division unseres Unternehmen, Kleber Silva, ist gerade nach Liberia gereist, um die Mine anzuschauen, die Situation zu prüfen, mit den Mitarbeitern zu reden und zusätzliche Unterstützung zu organisieren.»

Wie stellen Sie sicher, dass die Reisenden nicht mit Ebola infiziert sind?

«Wir befolgen die notwendigen Prozeduren. Wir sind äußerst wachsam und achten darauf, dass unsere Mitarbeiter die ausgearbeiteten Richtlinien genau beachten.»

Frau Davidson, Danke für das Gespräch.