Am Wochenende ging das Oktoberfest in München zu Ende. 6,3 Millionen Gäste aus der ganzen Welt besuchten das Spektakel. Im September 1980 tötete eine Bombe auf dem Oktoberfest 13 Menschen und verletzte 215. Bis heute gibt es Zweifel über die Hintergründe des blutigen Anschlags. Waren es Neonazis oder die geheime paramilitärische Stay Behind-Organisation?
Anfang Oktober hat sich der der Bayerische Rundfunk (BR) mit dem Anschlag und der Geheimarmee beschäftig. In dem Radiobeitrag kommen auch die Anschläge in Luxemburg zwischen 1984 und 1986 zu Wort.
Der deutsche Journalist Ulrich Chaussy beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema. Er beleuchtet in dem Radiofeature Stay Behind und seine möglichen Verbindungen zu unterschiedlichen Attentaten in Europa, darunter Luxemburg. Er sprach unter anderem mit Anwalt Gaston Vogel. Dabei bezeichnet er ihn als ein Lockenkopf mit barocker Körperfülle.
«Yankees und die Special Forces»
Gaston Vogel ist in dem Radiobeitrag auch nach dem Bommeleeër-Prozessende überzeugt, dass Stay Behind hinter den Anschlägen in Luxemburg und anderswo verantwortlich ist. Er spricht dabei von der «Strategie der Spannungen» gegen einen möglichen sowjetischen Angriff. «Dahinter stecken natürlich die Amerikaner. Sobald man sagt, dass die Yankees und die Special Forces dahinterstecken, berührt man ein Tabu und dann geht nichts mehr,» so Vogel. Journalist Chaussy spricht in dem Zusammenhang von einer «recht steilen These» von Rechtsanwalt Gaston Vogel.
Chaussy hat auch Andreas Kramer getroffen. «Mein Vater war ein Terrorist«. Mit diesen Worten hatte Kramer am 9. April 2013 im Bommeleeër-Prozess für eine Überraschung gesorgt. Sein Vater, Johannes, sei Agent des deutschen Bundesnachrichtendienstes BND gewesen und soll an den Anschlägen in Luxemburg beteiligt gewesen sein. «Am Telefon ein Termin oder einen Treffpunkt auszuhandeln ist ein wenig kompliziert. Kramer kommt mit der gleichen Wollmütze, die ich aus den Zeitungsfotos bei seinem Prozessauftritt in Luxemburg kenne,» erzählt Chaussy.
«Muss er selbst erfunden haben»
«Ich würde staunen, was ich da zu sehen bekäme. Aber zunächst kommt die Erzählung. Sie sprudelt nur so aus ihm heraus. Sein Vater soll an dem Anschlag auf das Oktoberfest, bei den Anschlägen in Luxemburg und dem blutigen Anschlag am Bahnhof von Bologna beteiligt gewesen sein. Seine Beweise können nichts beweisen. Er erzählt Richtiges, nachweislich Falsches und falsch Berichtetes. Andere Geschichten muss er selbst erfunden haben,» lautet das Fazit nach dem Interview mit Kramer.
Den aktuellen BR-Bericht «Der Staat als Pate des Terrors» finden sie hier.
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