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Pestizid auch in Tiefbrunnen entdeckt

Pestizid auch in Tiefbrunnen entdeckt

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Nicht nur im Wasser des Stausees befindet sich Pestizid. Abbauprodukte der Chemikalie wurden nun auch in einem Tiefbrunnen des SES entdeckt. Das Pestizid ist somit seit längerem im Trinkwassernetz.

Volles Haus im Umweltministerium. Zwei Minister (Umwelt und Gesundheit), Vertreter der Trinkwassersyndikate, der Gemeinde Luxemburg und verschiedene Bürgermeister wollten am Donnerstagabend Klarheit über das verunreinigte Stauseewasser.

Keine gute Nachrichten konnte Umweltministerin Carole Dieschbourg («déi gréng») übermitteln. Nicht nur der Stau ist betroffen. Am Mittwoch wurde in einem Tiefbrunnen das Pestizid Metazachlor entdeckt. Bei Messungen des Wasserwirtschaftsamts sei das Abbauprodukt der Substanz zum ersten Mal im Grundwasser detektiert worden und zwar an der Tiefenbohrung «Schaedhaff», die von SEBES im Zuge der Ersatzlösung bisher provisorisch genutzt wurde. Da es sich um Abbauprodukte der Chemikalie handelt, muss die seit längerem ins Trinkwasser gelandet sein. Der Wert der Verunreinigung im Luxemburger Trinkwassernetz liegt allgemein bei bis zu dreimal so hoch, als der Grenzwert erlaubt. Wasser aus der «Schaedhaff» werde nicht mehr eingespeist.

Einer Erklärung für diese Belastung in sehr tiefen Regionen (mehrere hundert Meter) könne darin liegen, dass nach neuesten Erkenntnissen die Substanz extrem mobil ist, sich leicht mit dem Wasser vermischt, rasch verbreitet und im Grundwasser sehr langsam abbaut, so das Umweltministerium am frühen Abend.

Wasser aus dem Stausee

Seit Donnerstag wird wieder Wasser aus dem Stausee gezogen, hieß es. Wie Umweltministerin Dieschbourg betont, besteht keine Gefahr für die Gesundheit. Laut Gesundheitsministerin Lydia Mutsch handelt sich um keinen Giftstoff. «Wir können mit der Überschreitung Leben.» Die Messungen der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die im Stauseewasser gemessenen Pestizidrückstände in der verbesserten Aufbereitung wirksam eliminiert werden, so die Experten aus dem Umweltministerium.

Da keine Gefahr besteht, wurde eine Anfrage in Brüssel für eine Erhöhung des Grenzwerts gestellt. Antragssteller sind die betroffenen Trinkwassersyndikate SES und SER sowie die Gemeinde Conter. Die Umweltministerin fordert jetzt eine Ausweitung der Trinkwasserschutzzonen. Zudem soll sich ein «landesweiter Überblick» über die aktuelle Wassersituation in Luxemburg verschafft werden.

Am Donnerstagnachmittag wurden die Kommunen, die an den Wassersyndikaten angeschlossen sind, informiert. Sie müssen jetzt ihr Trinkwasser kontrollieren. Insgesamt wird das Trinkwasser in Luxemburg auf 1500 Substanzen kontrolliert. Das erschwert die Arbeit nach einer spezifischen Substanz.

Grenzwerte werden erhöht

Da das Trinkwasser aus dem Stausee in puncto Grenzwerte derzeit nicht mehr den Qualitätsnormen entspricht, wird der Grenz für Metazachlor von 100 auf 3000 Nanogramm pro Liter erhöht, erklärt Dischbourg zur Grenzwerterhöhung. Diese Ausnahmeregel sei für maximal drei Jahre angelegt.

Wann das Problem gelöst ist, darauf hat man keine Antwort. Dieschbourg: «Wir arbeiten an Lösungen und hoffen auf einen schnellen Abbau der Substanz.»

Es sollen in naher Zukunft weitere Wasserschutzzonen im Land eingerichtet werden.

Das Wasser wird nach wie vor streng kontrolliert. In der Nacht auf Donnerstag habe es 25 Proben gegeben. Bis auf drei waren alle verschmutzt. Die Verschmutzung im Trinkwasser wurde durch Zufall gefunden. Es handelte sich um eine Probe, die nichts mit der Verschmutzung im Stausee zu tun hatte. Wie am Donnerstag betont wurde, habe man lediglich Abbaustoffe festgestellt.

Im Interesse des Quellenschutzes forderte Dieschbourg von der Landwirtschaft mehr «Transparenz». Hier tickte seie Jahren eine Zeitbombe. Die ist jetzt explodiert. Es gibt derzeit nur eine Schutzzone rund um den Stausee, betont Dieschbourg. Eingerichtet werden müssten in Zukunft 80 Zonen.

Aufgrund der Belastung des Grundwassers erwägt die Regierung ein Verbot des Einsatzes von Metazachlor, so das Ministerium.

Eine weitere negative Folge hat die Wasserverschmutzung auch auf das Portemonnaie der Konsumenten. Der Wasserpreis werde sich durch den Vorfall in Zukunft erhöhen.

Die Vorgeschichte

Am 17. September hatte ein Landwirt mehrere Liter des Pestizids am belgischen Sûre-Zulauf Moyémont verloren. Der chemische Stoff breitete sich innerhalb weniger Tage bis in das nationale Trinkwasserreservoir im Norden von Luxemburg aus. Am vergangenen Freitag hatte das Umweltministerium die Handbremse gezogen. Das Wasser aus dem Stausee war bis auf weiteres aus dem Trinkwassernetz genommen worden.