Es war mehr als Symbolik, was sich am Landgericht Köln abspielte. Mitarbeiter der Firma Schenker luden aus einem Lastwagen ihrer Firma 50 große Umzugskartons aus und trugen sie in das Gebäude, wo der Eingang sorgfältig quittiert wurde. Der Inhalt der Kartons: Eine Klage auf Schadensersatz gegen über 20 Fluggesellschaften weltweit, an der Spitze Unternehmen wie die Deutschen Lufthansa, Air Canada Cathy Pacific und Cargolux. Dieselbe Klage hatte die Deutsche Bahn bereits im August dieses Jahres in den USA erhoben. Wieder mit dabei: Cargolux. „Insgesamt“ heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn, die Tageblatt.lu vorliegt, belaufen sich die Forderungen auf 2,1 Milliarden Euro.
Die Fluggesellschaften sind entweder reine Fracht-Transporteure oder Fluggesellschaften, die Fracht in ihren Passagiermaschinen transportieren. Sie hatten sich zu einem Kartell zusammengeschlossen, das einheitlich auf die Frachtgebühren unter anderem abgesprochene Zuschläge auf den Kerosinpreis erhob. Das Kartell flog auf, als die Lufthansa sich zum Kronzeugen erhob. Die deutsche Fluggesellschaft ging – internationalen Gepflogenheiten in diesen Fällen zufolge – straffrei aus. Alle anderen Fluggesellschaften wurde in fast allen Staaten, die sie anflogen, zu Geldstrafen verurteilt oder konnten Vergleiche erzielen. Besonders hart traf es die Cargolux, die als Führer des Kartells betrachtet wurde. Der Vorstandsvorsitzende und das für Marketing verantwortliche Vorstandsmitglied wurden in den USA zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt.
Der Fall ist für die Cargolux, wie für die anderen Fluggesellschaften, aber noch nicht ausgestanden. Neben der Strafgerichtsbarkeit für das Unternehmen und in den USA als Ausnahmefall auch Vorstandsmitglieder laufen jetzt Zivilgerichtsverfahren. Die Deutsche Bahn hat offensichtlich die Geduld verloren. Gespräche über Entschädigungen seien seit Jahren von den Fluggesellschaften nicht ernsthaft geführt worden, heißt es.
Schenker: Schaden durch zu hohe Gebühren
Warum nun die Deutsche Bahn? Das Transportunternehmen Schenker ist das zweitgrößte Transportunternehmen für Luftfracht weltweit. Schenker, auch Transporteur für die Cargolux, ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Die argumentiert nun, dass durch die Absprachen der Fluggesellschaften ihrer Transport-Tochter Schenker zu hohe Gebühren berechnet worden seien und dadurch ein Schaden entstanden sei.
Die Deutsche Bahn hat für die zivilrechtliche Behandlung von Kartelluntersuchungen eine eigene Abteilung mit sechs Juristen gegründet. In der Regel kommt es bei diesen Fällen gar nicht zu einem Verfahren. Die Beteiligten einigen sich auf einen Vergleich. Die Gründung einer eigenen Fachabteilung hat sich bisher für die Deutsche Bahn gelohnt. Sie soll aus Vergleichen nach Kartellklagen einen Betrag von mehreren hundert Millionen Euro eingenommen haben.
Die Strafzahlungen der Cargolux für das Kartell aus dem Jahre 2010 haben das Unternehmen in seiner Entwicklung schwer belastet. Sie haben das Unternehmen in die roten Zahlen getrieben. Sie führten zu fehlenden Rücklagen in Krisenzeiten der Fracht-Luftfahrt und sie führten letztlich zu Kapitalerhöhungen. Cargolux darf sich – da die Deutsche Bahn auch in den USA klagt, auf neue schwierige Zeiten einstellen. Das Unternehmen antwortete nicht auf Anfragen von tageblatt.lu.
(Helmut Wyrwich)
Zu Demaart
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