Rund 35 Prozent der Menschen haben laut Statec-Umfrage Angst vor einem Einbruch. Bis November wurden der Polizei 3.316 Einbrüche gemeldet. Wie dem Phänomen begegnen?
Die Frage beschäftigte am Donnerstag die Abgeordneten. Die Sorgen der Menschen müssten von der Politik ernst genommen werden, forderte Léon Gloden von der CSV, die die Aktualitätsdebatte initiiert hatte. Leichter gesagt als getan. Die Personaldecke sei knapp, bemerkte Minister Etienne Schneider (LSAP), der das Ressort vor einem Jahr von Jean-Marie Halsdorf übernommen hat. Zudem gebe es Rekrutierungsprobleme.
Spitzen in der Einbruchsstatistik habe es schon immer gegeben, ergänzte Schneider. Dennoch nehme man die Entwicklung ernst. Die Patrouillen seien intensiviert worden, außerdem gebe es Zivilstreifen. Eine Überlegung wert sei es auch, kommunalen Ordnungsdiensten erweiterte Kompetenzen zu gewähren. Das sei allerdings eine Gratwanderung, auf keinen Fall dürfe es zu einer zweiten Polizei kommen.
Differenzierte Diskussion
Wichtig für eine differenzierte Diskussion sei aber auch, zu wissen, dass viele der rund 3.400 Einbrüche pro Jahr nicht in Wohnhäuser, sondern in Büros oder Baubuden erfolgten, bemerkte Schneider. Die Polizei habe ihre Präsenz schon verstärkt. Neben Patrouillen in Zivilstreifenwagen gebe es eine Spezialeinheit, die Einbruchsmuster erstelle, um quasi den nächsten Einbruch vorauszusagen und schon vor dem Einbrecher am Tatort zu sein (ein System, das z.B. in Zürich ziemlich erfolgreich funktioniere), antwortete der Minister auf die Frage von Léon Gloden. Solche Muster lassen sich aber nur zuverlässig erstellen, wenn die Erfolgsquote deutlich über den aktuellen 10 Prozent liegt.
Weitaus belastender als der materielle Verlust sei die psychologische Belastung nach einem Überfall, bemerkten Claudia dall’ Agnol (LSAP) und Max Hahn (DP). Einig waren sie sich mit dem Minister, dass die Polizei nicht omnipräsent sein könne, eine zu große Präsenz würde von den Menschen wohl auch als störend empfunden. Sie plädierten neben stärkerer Polizeipräsenz für präventive Maßnahmen, einen besseren Einbruchschutz sowie Alarmanlagen und appellierten
an die Bürgerpflicht, die Augen offen zu halten und verdächtige Bewegungen bei der Polizei zu melden.
Ein Drittel der Einbrüche sei immerhin Beschaffungskriminalität, bemerkte Claude Adam („déi gréng“), der ein Überdenken der Drogenpolitik forderte. Man müsse die Ursachen bekämpfen, nicht die Symptome. Ein Ansatz, den – etwas unerwartet, wie ein Raunen in den Abgeordnetenbänken erkennen ließ – auch Fernand Kartheiser (ADR) unterstützte.
Léon Marx
Zu Demaart
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