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Emergency.lu, der schnelle Einsatz

Emergency.lu, der schnelle Einsatz

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Luxemburg ist für viele Dinge in der Welt bekannt. emergency.lu gehört spätestens seit dem Taifun Haiyan auf den Philippinen dazu: ein mobiles Satelliten-Telekommunikations-System.

Das wohl größte Problem unmittelbar nach einer Naturkatastrophe ist das Kommunikationsloch in den ersten Stunden und möglicherweise Tagen. Ohne gut funktionierende Verständigungsmittel ist es schwer, die benötigten humanitären Einsätze abzuschätzen, geschweige denn die zu treffenden Hilfsmaßnahmen zu koordinieren.

Dies war der Grundgedanke zur Entwicklung von emergency.lu., das der Öffentlichkeit Ende April 2011 in Luxemburg vorgestellt wurde. Kein Zufall. Luxemburg brachte eigentlich alle Voraussetzungen mit, um ein solches System entwickeln zu können. Kurze Wege zur Entscheidungsfindung, das führende Knowhow des Satellitenbetreibers SES TechCom, die technischen Umsetzungsfähigkeiten von Hitec Lëtzebuerg und die Flugzeuge der Luxembourg Air Ambulance, einer Tochter der Luxembourg Air Rescue. Unterstützt von der Luxemburger Entwicklungshilfe gelang es, ein Kommunikationssystem aufzubauen, das es so bislang noch nicht gab, wie Kooperationsminister Romain Schneider gegenüber dem Tageblatt unterstrich.

Dank der Learjets der LAA sind die Mitglieder des humanitären Interventionsteams („Humanitarian Intervention Team“ – HIT) der Luxemburger Protection civile unter Gilles Roth im Katastrophenfall zumeist die Ersten vor Ort. Dort kann dann das „Terminal-kit“ mit aufblasbarer Antenne von Hitec eingerichtet werden, das die Kommunikation via Satellit ermöglicht.

Binnen zwei Stunden einsatzfähig

Inzwischen ist man so leistungsfähig, dass dies binnen zwei Stunden geschehen kann, nachdem der Katastrophen-Alarm erfolgte. Dies auch, weil man mit der Firma „Schenker Lëtzebuerg“ einen zusätzlichen starken Partner im Logistikbereich gewinnen konnte.

Selbstverständlich ist das nicht. Ende des Jahres läuft der erste Vertrag aus. Dem am Freitag unterzeichneten neuen Vertrag für die Dauer von sechs Jahren gingen zähe Verhandlungen voraus. Die Mittel wurden nämlich gekürzt. Standen für die Periode 2012-2014 rund 19,3 Millionen Euro zur Verfügung, etwa 4,8 Millionen im Jahresschnitt, so sind es für den Zeitraum 2015-2020 24 Millionen, also „nur“ 4 Millionen pro Jahr.

Noch leistungsfähiger

Durch ihren Entschluss, sich weiter im humanitären Bereich einzusetzen, hätten die vier Partner gezeigt, dass der vielzitierte Begriff der sozialen Verantwortung der Unternehmen bei ihnen nicht aus der Luft gegriffen ist, unterstreicht Minister Romain Schneider.

Zusätzlich soll das System ausgebaut und noch leistungsfähiger gemacht werden. So sollen kleinere Terminals entwickelt werden, die in den nächsten Jahren in mehreren Ländern installiert werden sollen, damit diese Kommunikationsdienste auch außerhalb akuter Krisen in Anspruch genommen werden können.

Neue kostengünstigere Technik

Hinzu kommen neue, kostengünstigere Antennen, die langfristige Einsätze in chronischen Krisengebieten ermöglichen. Und die man vor allen Dingen vor Ort zurücklassen kann, wenn akute Gefahr aufkommt. Man muss sein Leben nicht unbedingt aufs Spiel setzen, wenn sich die Lage zuspitzt, so Schneider.

Zurzeit ist man im Ministerium auch dabei, mit Microsoft neue Produkte auszuarbeiten, die einen noch besseren Einsatz ermöglichen.

Denn das System „Low-Bandwidth Client“ bietet Microsoft leider nicht mehr an. Es erlaubte, auch dort per Internet via Skype zu kommunizieren, wo nur wenig Bandbreite zur Verfügung stand und sich viele Organisationen diese eingeschränkte Satellitenkapazität teilen mussten.

Serge Kennerknecht