Keine besinnlichen Tage bei der Frachtfluggesellschaft. Die Unternehmensführung teilte am Dienstag mit, dass sie den Kollektivvertrag für die Mitarbeiter kündigt. Die Vereinbarung läuft Ende des Jahres aus. Die Verhandlungen zur Erneuerung des Vertrags hätten in den letzten Monaten keine wesentlichen Fortschritte gebracht, heißt es. Wie das Gesetz es vorschreibt, bleiben die Bestimmungen des alten Vertrags jedoch die nächsten elf Monate noch in Kraft. Gelingt in diesem Zeitraum keine Einigung, werden die Mitarbeiter der Gesellschaft ab 1. Dezember 2015 keinen Kollektivvertrag mehr haben.
Laut Arbeitsrecht haben Gewerkschaften und Patronat das Recht einen Kollektivvertrag zu kündigen oder aber einzelne Elemente daraus neu auszuhandeln. Die Direktion entschied sich für die erste, brutalere Variante. OGBL-Verhandlungssekretär Hubert Hollerich spricht von einer weiteren Kriegserklärung an das Personal. Auch LCGB-Sprecher Aloyse Kapweiler zeigt sich überrascht über diesen Schritt der Direktion.
Personalkosten sollen gedrückt werden
Im neuen Kollektivvertrag sollen die Personalkosten niedriger sein, insbesondere bei den Crews, betont die Direktion. Die Produktivität soll erhöht werden. Laut Hollerich strebt die Direktion Lohnkürzungen nicht nur bei den Piloten sondern auch beim Bodenpersonal an. So würden in Zukunft zwei Gehältertabellen angewandt werden, eine für die alten Mitarbeiter eine neue für die Neuzugänge. Für letztere würden Prämien, Überstundenzahlung und 13. Monat auf das gesetzliche Minimum reduziert.
Keine Fortschritte konnten bislang bei der von den Gewerkschaften geforderten Arbeitsplatzgarantie erzielt werden. Sorgen bereiten ihnen auch mögliche Auslagerungen ins Ausland. Man wolle bei der Expansion der Gesellschaft in Italien oder China mitreden, so Hollerich. Dabei wolle man keineswegs die Firma in ihrer Entwicklung bremsen, nur dürfe der Ausbau im Ausland nicht auf Kosten des Standortes Luxemburg erfolgen. Der Sozialdialog ist auf einem Tiefpunkt angelangt, bedauert Hollerich. Generaldirektor Dirk Reich, der selbst nicht bei den Verhandlungen dabei sei, kommuniziere lieber via Interviews in den Medien.
Trotz dieser Entscheidung gibt sich LCGB-Vertreter Aloyse Kapweiler nach wie vor zu Gesprächen bereit. Er erinnert daran, dass die Gewerkschaften der Direktion Vorschläge unterbreiteten, die Kostenreduzierungen von 42 Millionen Dollar bewirken würden. Das sei auch für eine Cargolux viel, sagt er. Mitte Januar stehen bereits weitere Gespräche an.
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