Der internationale Rechercheverband ICIJ hat erneut Daten zur Steuerhinterziehung veröffentlicht und diesmal den Schweizer Ableger der britischen Großbank HSBC ins Visier genommen.
Demnach half der Schweizer HSBC-Ableger zahlreichen internationalen Persönlichkeiten und Politikern dabei, mehrere Millionen Euro vor dem Fiskus zu verstecken. Wie das Recherchenetzwerk mitteilte, legten internationale Kunden bei der Bank Milliardenbeträge an, davon offenbar viel als Schwarzgeld. Den ausgewerteten Kontendaten zufolge lagerten 2007 dort mehr als 75 Milliarden Euro. In den Daten sind dem ICIJ zufolge mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.
Milliardär aus Luxemburg
Aus Luxemburg werden 222 Kunden und 562 Bankkonten aufgelistet. 27 Prozent haben einen Luxemburger Pass. Unter den Kunden befindet sich auch eine Person mit einem Vermögen in Höhe von 1,4 Millarden US-Dollar. Noch ist der Name nicht bekannt. Insgesamt wurden 2,9 Milliarden US-Dollar deponiert. Damit kommen wir im Ranking auf Platz 24.
HSBC habe unter anderem von «Geschäften mit Waffenhändlern profitiert», die Mörserbomben an Kindersoldaten in Afrika geschickt hätten, erklärte das Netzwerk. Andere kriminelle Partner seien «Schmuggler von Blutdiamanten» und Terrorismus-Finanzierer gewesen. Die Dokumente stammen von dem früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben.
Assad, Mubarak, Li Peng
Involviert in die dubiosen Geschäfte ist den Enthüllungen zufolge auch eine Reihe von amtierenden und früheren Politikern aus Großbritannien, Russland, Indien und aus afrikanischen Ländern sowie von Königshäusern arabischer Staaten. Zu den betroffenen Persönlichkeiten gehören den Angaben zufolge unter anderem ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie Verwandte des früheren ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak und des ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng.
Die HSBC räumte dem Netzwerk zufolge ein, dass sie «verantwortlich» sei für das «Kontrollversagen in der Vergangenheit». Die Schweizer HSBC habe «zu viele Hochrisiko-Konten» geführt. Die Bank verweist demnach zudem darauf, dass sie sich mittlerweile von allen steuerlich problematischen Kunden getrennt habe.
Detaillierte Berichte
Das IJIC hatte Ende vergangenen Jahres bereits mit der «Luxleaks»-Affäre für Aufsehen gesorgt. Das Netzwerk berichtete dabei detailliert über hunderte Fälle, in denen multinationale Konzerne in Luxemburg Steuerzahlungen vermeiden und auf Kosten anderer EU-Länder teils Milliarden sparen.
Über die «Swissleaks» berichteten am Montag unter anderem die «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR sowie die französische «Le Monde», der britische «Guardian» und die BBC.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können