Sie werden als harmlose Kinderkrankheit abgetan. Dabei nehmen Masern in seltenen Fällen ein tödliches Ende. Kaum bekannt in diesem Zusammenhang ist, dass seit 2004 in Luxemburg eines der drei Referenzzentren der Weltgesundheitsorganisation in Europa angesiedelt ist.
Das ist das nationale Referenzlabor für Masern und Röteln im „Luxembourg Institute of Health“ LIH, früherer CRP-Santé. Über seine Arbeit im Kampf gegen Masern und Röteln berichtet das „Institut of Immunology“ am Freitag.
Die Masern bis 2015 ausrotten, hatte die WHO als Ziel ausgerufen. Wie die Forscher schreiben, ist auch seit der Einführung der Impfung in den 60-iger Jahren die Rate der Neuinfektionen um 90 Prozent zurückgegangen. Spätestens nach den Meldungen über neue Krankheitsausbrüche und dem Tod eines Kleinkindes in Berlin sind aber die Masern wieder mitten in unseren Alltag zurück.
Keineswegs harmlos, sondern tödlich
Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem regelrechten „Vormarsch“. „Diese oft als harmlos unterschätzte Infektionskrankheit kann zu schweren Komplikationen und, im schlimmsten Fall, zum Tod führen“, mahnen die Immunologen im Hinblick auf die aktuelle Impfpflicht-Debatte. Hierzu ist ihre Position klar: „Um Maserninfektionen effizient zu verhindern, müssen deutlich über 90% der Bevölkerung geimpft sein.“ Dass das nicht der Fall ist, ist unter anderem auf die „unbegründete Skepsis“ von Impfgegnern zurückzuführen, heißt es.
Damit das seit mehr als 30 Jahren von der WHO verfolgte Ziel die „harmlose Kinderkrankheit“ auszurotten, ist neben der flächendeckenden Impfung auch ein gutes Melde- und Überwachungssystem enorm wichtig. Das Team in der Forschungsabteilung für Immunologie um Professor Claude Muller ist im Melde- und Überwachungsnetz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingebunden. Als eines der Referenzzentren in Europa ist Luxemburg für 22 Länder zuständig: die Benelux-Staaten, Frankreich, Mittelmeer und –inseln, sowie die Balkanstaaten, Türkei und Israel. Außerdem sind die Forscher im Auftrag der WHO in den ehemaligen Sowjetrepubliken sowie in der Russischen Föderation tätig.
Den Viren auf der Spur
Gibt es einen Ausbruch in den vom Luxemburger Forschungszentrum betreuten Ländern, steht das Team um Professor Muller ihnen mit Rat und Tat zur Seite. In einigen diesen Ländern werden derzeit tausende Neuinfektionen mit Masern festgestellt. Das Luxemburger Referenzzentrum ist demnach federführend bei der Kontrolle und Ausrottung von Masern und Röteln. „Über 60 gemeinsame (grenzüberschreitende) Studien“ wurden mit Luxemburger Beteiligung angestoßen, schreiben die Forscher nicht ohne Stolz.
In Sachen Masernviren ist die Diagnostik das eine, die molekulare Katalogisierung das andere Hauptaufgabenfeld der Forschung. Denn damit lässt sich der Ausbreitungsweg dieser Viren genau verfolgen und entsprechend „versperrt“ werden. Aus all diesen Erkenntnissen leiten die Forscher Rückschlüsse ab, wie die bestehenden Impfstrategien verbessert werden können.
Zu Demaart
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