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Großherzogin Charlotte wieder in Luxemburg

Großherzogin Charlotte wieder in Luxemburg
(Tony Krier/Photothèque VdL)

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Bis zum Schluss blieb das Geheimnis gewahrt. Erst kurz vor der Rückkehr der Landesfürstin am 14. April 1945, wurden Datum und Umstände ihres Wiederkommens bekannt gegeben.

Mehr als sechs Monate lang war das Ende des Konfliktes absehbar. Der Landung der alliierten Kräfte in der Normandie am 6. Juni 1944 war ein zügiger Durchmarsch der Befreiungstruppen durch Frankreich gefolgt. Am 10. September wurde die Stadt Luxemburg befreit. Die Anwesenheit von Prinz Félix, dem Gatten der Großherzogin, und vor allem von Erbgroßherzog Jean, der in seiner Eigenschaft als Offizier der britischen „Irish Guards“ selbst am 11. Juni in der Normandie gelandet und an der Schlacht von Caen beteiligt war, machten den Jubel noch größer.

Zwei Wochen nach dem Einmarsch der Befreiungstruppen, am 23. September 1944, kam auch die Regierung nach Luxemburg zurück. Die Großherzogin blieb aus Sicherheitsgründen zunächst noch in London. Zu Recht. Denn mit dem deutschen Gegenschlag zum Jahreswechsel, der Rundstedt-Offensive, kam es nochmals zu einer radikalen Ernüchterung. Luxemburg wurde, zum ersten Mal nach fünf Kriegsjahren, zwischen Dezember 1944 und Februar 1945 zum direkten Kriegsschauplatz, auf dem fast 20.000 Soldaten ihr Leben ließen und bei dem zwei Fünftel des Hoheitsgebietes, der ganze Norden des Landes, zerstört wurden.

Die Befreiung der Konzentrationslager von Auschwitz, Mauthausen und Bergen-Belsen (das am 14. April 1945 befreit wurde) waren weitere Episoden, die der Bevölkerung die Tragweite des Grauens immer wieder vor Augen führten.
Es war auch noch nicht vorbei, als Großherzogin Charlotte am 14. April 1945 um 16.26 Uhr, an Bord einer C47 Dakota (eine militärische Version der DC-3, die vermutlich von General Eisenhower benutzt wurde) auf dem Findel landete.

Kein Groll

Erst drei Wochen später, am 8. Mai 1945, wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Um die Sicherheit der Großherzogin zu gewährleisten, hatten fünf Kampfflugzeuge der US Air Force sie von London aus bis nach Luxemburg begleitet.

Es war Staatsminister Pierre Dupong, der die Landesfürstin abholte und durch die Straßen der Hauptstadt begleitete, wo die Menschen in dichten Reihen geduldig gewartet hatten. Vom Balkon des großherzoglichen Palastes konnte sie dann ihr Volk begrüßen.

Der überbordende Jubel war nicht selbstverständlich. Es hatte nicht nur Zustimmung gegeben, als die Herrscherin beim Einmarsch der deutschen Truppen am 10. Mai zusammen mit fünf Ministern das Land verließ, um durch Frankreich und Spanien nach Portugal zu fliehen. Von dort aus waren Prinz Félix und die Kinder in die USA gereist, während Großherzogin Charlotte als Gast der britischen Regierung zunächst nach London flog.

Die Luxemburger – unter ihnen auch jene Mitglieder der Regierung, denen die Flucht nicht gelungen war, weil der Platz in den drei zur Verfügung stehenden Dienstwagen nicht gereicht hatte – fühlten sich im Stich gelassen. Die Herrscherin hatte jedoch die Lehren aus dem Fehler ihrer Schwester gezogen. Sie wollte sich kein Verständnis für den Feind vorwerfen lassen und hatte deshalb den Weg ins Exil gewählt – von dem aus sie sich regelmäßig sonntags über die BBC an die Bevölkerung richtete, um ihr Mut zum Durch- und Aushalten zuzusprechen. Damit wurde sie zum Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit des Landes.

Lesen Sie die gesamte Reportage über die Rückkehr von Großherzogin Charlotte aus dem Exil in der Dienstag-Ausgabe des Tageblatt (14. April) sowie als E-Paper.