Die Schätzungen schwanken zwischen 25 und 27 Millionen. So hoch ist die Zahl der menschlichen Opfer, die die ehemalige Sowjetunion im Kampf gegen Nazi-Deutschland bringen musste. Am Samstag fand auf dem Friedhof von Bonneweg am Denkmal für die Kriegsopfer eine Gedenkzeremonie statt. Am 8. Mai bzw. 9. Mai Moskauer Zeit unterschrieben die damaligen Vertreter des Deutschen Reichs die bedingungslose Kapitulation. Auf dem Friedhof in Bonneweg erinnern mehrere Gedenktafeln an Sowjetbürger, die während des Zweiten Weltkrieges in Luxemburg gestorben sind.
Luxemburg nahm offiziell nicht an den Feierlichkeiten anlässlich des Sieges über Nazi-Deutschland am Samstag in Moskau teil. Stattdessen hatte Premierminister Xavier Bettel auf eine Teilnahme an der Gedenkzeremonie in Bonneweg bestanden. Sie war von der russischen Botschaft organisiert worden.
Lange vor Beginn der eigentlichen Gedenkfeier hatten sich zahlreiche, in Luxemburg lebende russische Bürger auf dem Bonneweger Friedhof eingefunden. Viele hatten Blumen in der Hand, die sie später am Denkmal niederlegen wollten. Andere hatten sich ein St. Georgsband am Revers befestigt, das aus schwarzen und goldenen Streifen bestehende Tapferkeitssymbol, das an den Sieg vom 9. Mai 1945 erinnert. Unter den Teilnehmern befand sich auch der bekannte russische Dichter und Schriftsteller Anatoli Alexin (91), der seit mehreren Jahren in Luxemburg lebt.
In einer kurzen Ansprache, die er auf französisch und russisch hielt, erinnerte Botschafter Mark Entin an die großen Opfer der sowjetischen Völker, und insbesondere des russischen Volkes, bei der Niederschlagung des deutschen Faschismus. Russland habe den entscheidenden Beitrag geliefert, betonte er. Diesen Opfern und diesen Menschen müsse man ewig dankbar sein, so Entin. Der Sieg vom 9. Mai bilde den Sockel, auf dem die moderne Gesellschaft in Frieden leben könne. Dessen sollte man sich immer erinnern. Insbesondere in Zeiten, da versucht werde, die Geschichte neu zu interpretieren.
An die großen Opfer der Sowjetvölker erinnerte auch Premierminister Xavier Bettel. Die Bilanz der sowjetischen Opfer sprenge jegliche Vorstellungskraft, sagte er. Er erinnerte gleichzeitig an die Hunderten Opfer, die die Besatzung und die Nazi-Terrorherrschaft Luxemburg abgefordert hatte. 70 Jahre nach Ende des Krieges sei es wichtig, die Erinnerung an die Erfahrungen der Kriegsveteranen weiterzuvermitteln. Er sei äußerst berührt über die Anwesenheit vieler Kinder an der Zeremonie, sagte Bettel. Die Zeugen jener Zeit würden immer weniger, an die Kinder, diese Erinnerungen weiterzureichen. Wenn man sich heute die Aussagen einzelner Personen heute anhört, sieht man, dass sich die Geschichte wohl wiederholen kann.
Xavier Bettel nach Moskau und Kiew
Bettel äußerte seine tiefe Dankbarkeit gegenüber „unseren Befreiern“, gedenke der sowjetischen Toten, die in Luxemburg starben. Seine Teilnahme an der Zeremonie in Bonneweg sei ihm nicht nur aus offiziellen sondern auch aus persönlichen Gründen wichtig gewesen, so Bettel, der damit an seine russischen Wurzeln mütterlicherseits zur Rachmaninow-Familie erinnerte.
Man müsse wieder Vertrauen ineinander gewinnen und die vereinbarten Verpflichtungen einhalten, betonte Bettel. Während der sechsmonatigen EU-Präsidentschaft Luxemburgs wolle er nach Moskau und Kiew reisen, sagte er. Man könne nicht das Ende eines Krieges in Europa feiern, wenn zur selben Zeit Menschen mit der Angst vor Bombardements leben müssen. Bettel warnte jedoch auch davor, die Geschichte zu verfälschen, dies bedeute, die Opfer und die Leiden der Völker zu verneinen.
Zu Demaart





















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