«Wenn Kinder oder Jugendliche vermisst werden, sind die ersten drei Stunden ausschlaggebend», so der Luxemburger Justizminister Félix Braz (déi gréng) eingangs der Pressekonferenz am Donnerstag. Statistiken hätten nämlich gezeigt, dass die Überlebenschancen von vermissten Minderjährigen nach dieser Frist dramatisch sinken.
Um die Überlebenschancen der Kinder zu erhöhen, wurde in den Niederlanden im Jahre 2008 Amber Alert vom Sozialunternehmen «Netpresenter» und der niederländischen Polizei ins Leben gerufen worden. Ziel des Projektes war es, die Behörden bei der Suche nach verschwundenen Minderjährigen zu unterstützen, indem die Vermisstennachricht so schnell wie möglich so viele Leute wie möglich erreicht. In den Niederlanden konnten 88 Prozent der Bevölkerung erreicht werden. Die Initiative hatte Erfolg. Durch Amber Alert konnten 75 Prozent der vermissten Kinder bei guter Gesundheit wiedergefunden werden.
2013 wurde dann Amber Alert Europe gegründet. Amber Alert gibt es inzwischen in 14 Ländern, freute sich Frank Hoen, der Präsident von Amber Alert Europe. Etwa 500 Kinder werden vom Netzwerk erfasst.
Start im Sommer
Luxemburg wird Amber Alert im Sommer dieses Jahres starten. Wird ein Minderjähriger vermisst, wird zuerst die Polizei informiert. Dann wird die zentrale Leitstelle (RIFO) in Kenntnis gesetzt. Diese wiederum übermittelt das Foto und die Daten des Kindes an den Jugendschutz und die Staatsanwaltschaft, die dann aufgrund der erhaltenen Informationen entscheiden, ob eine Amber Alert ausgelöst wird oder nicht.
Diese höchste Alarmstufe wird nur ausgerufen, wenn der verschwundene Minderjährige in akuter Lebensgefahr schwebt oder von Unbekannten entführt worden ist. Ist dies nicht der Fall wird eine «klassische» Vermisstenmeldung via Polizei herausgegeben. Pro Jahr ist das etwa drei bis fünfmal der Fall. In den letzten sechs Jahren hätte man aber in zwei Fällen eine Amber Alert auslösen können, erklärte am Donnerstag die Staatssekretärin im Polizeiministerium Francine Closener. Ausreißversuche führen nicht zu einer Amber Alert. Jedes Jahr werden 200 bis 300 Ausreißer gezählt.
Handelt es sich um eine Amber Alert, kümmert die Polizei sich dann um die Verbreitung der Nachricht an alle Partner. Im Augenblick sei man in diesem Zusammenhang auf der Suche nach Unternehmen, die bei Amber Alert mitmachen wollen. Es würden unter anderem Diskussionen mit den Verantwortlichen der Bahngesellschaft CFL, des Flughafens, der Busunternehmen, der Supermarktketten, den Medien usw. geführt. Sie sollen helfen, die Vermisstenanzeige zu verbreiten. Hinweise können an eine spezielle Telefonnummer gerichtet werden. Informationen können auch über die sozialen Netzwerke oder via SMS abgegeben werden. Parallel zu der Amber Alert aber laufen immer polizeiliche Untersuchungen, so Félix Braz.
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