Go galt bis vor kurzem als zu komplex für Computer. Doch die Künstliche Intelligenz macht rasch Fortschritte.
Nach dem denkwürdigen dritten Match klingen die Worte von Softwareentwickler Demis Hassabis so, als wolle er Südkoreas besten Go-Spieler Lee Sedol trösten. Eigentlich seien er und sein Team nach Seoul gekommen, um Lee herauszufordern und von ihm zu lernen, sagt der Mitgründer von DeepMind, dem zu Google gehörenden Entwickler der Software AlphaGo. Doch dann entschied das Computerprogramm das Kräftemessen mit dem 33-jährigen Koreaner in dem asiatischen Brettspiel bereits vorzeitig nach drei von fünf Partien. «Lee Sedol ist ein erstaunliches Genie», sagt Hassabis dennoch.
Journalisten aus aller Welt ließen sich für die Berichterstattung vor Ort registrieren. Auf der Google-Plattform YouTube wird das Spiel im Internet übertragen. Einige südkoreanische Sender analysieren jeden Spielzug, der Gesichtsausdruck Lees wird genau beobachtet. Lee genießt in seiner Heimat hohes Ansehen. Profis wie Lee hätten «Prominenten-Status», sagt die Generalsekretärin des Internationalen Go-Verbands, Hajin Lee. Manch einer äußerte sogar die Sorge, Lees Niederlage gegen die Maschine könne als Schmach für das Land empfunden werden.
Besser als «Deep Blue»
Bei der Frage, wie weit die KI fortgeschritten sei, tritt Hassabis jedoch auf die Bremse. Man sei noch viele Jahrzehnte davon entfernt, die KI auf menschliches Niveau zu bringen. Doch ging sein Team einen Schritt weiter als beim IBM-Programm Deep Blue, das 1997 den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow besiegt hat. Der IBM-Rechner konnte 200 Millionen Schach-Positionen pro Sekunde analysieren.
Im Fall von AlphaGo wurden zunächst 30 Millionen Spielzüge von Fachleuten in den Computer eingespeist. Danach habe es den nächsten Zug des Menschen in 57 Prozent der Fälle vorhersagen können, erläutern die Entwickler. Schließlich spielte AlphaGo gegen sich selbst, um besser zu werden.
Dazu kommt, dass Go aufgrund seiner Zugmöglichkeiten, die die Zahl der Atome im Universum übersteigt, komplexer ist als Schach. Deswegen war es für die AlphaGo-Entwickler die ultimative Herausforderung, gegen einen der weltbesten Spieler anzutreten.
Die Go-Spielregeln selbst sind relativ einfach: Zwei Spieler setzen auf ein gerastertes Feld mit jeweils 19 vertikalen und horizontalen Linien abwechselnd schwarze und weiße Steine, um Gebiete zu sichern. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.
Zu Demaart
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