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40 Prozent der Teenager sind kurzsichtig

40 Prozent der Teenager sind kurzsichtig
(Daniel Naupold)

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Immer mehr Kinder und Teenager in Luxemburg sind kurzsichtig. Weniger Zeit vor dem PC oder dem Handy, dafür aber mehr an der frischen Luft kann helfen.

Die Sendung «Odysso» im Südwestrundfunk brachte es ans Licht: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Kurzsichtigkeit. Die Zahl der Kurzsichtigen würde sich von Generation zu Generation erhöhen, das hätten mehrere internationale Studien gezeigt. Diese Entwicklung wurde unter anderem in Taiwan, China und Singapur festgestellt.

Eine wichtige Rolle hierbei spiele das natürliche Licht, wurde während der Sendung weiter betont. Computer, Tabletts und Mobiltelefone seien für das Auge schädlich. Die taiwanesische Regierung reagierte auf diese Entwicklung, indem sie in den Schulen die Kinder und Teenager mindestens für zwei Stunden täglich in die frische Luft schickt. Nach 30 Minuten Lesen müssen sie außerdem eine Pause von mindestens 10 Minuten einlegen. Diese Maßnahmen sind angeblich ein Erfolg, heißt es, denn seit 2012 sinke die Zahl der kurzsichtigen Teenager im asiatischen Land wieder (von 17,6 auf 8,4 Prozent). Die CSV-Abgeorndete Nancy Arendt wollte von Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) wissen, was die Luxemburger Regierung hierzulande gegen die Erhöhung der Kurzsichtigkeit bei den Kindern zu tun gedenke.

Keine zuverlässigen Statistiken

In ihrer Antwort erklärt die Ministerin, dass der «service d’orthoptie», der die Entwicklung der Sehstörungen beobachtet, keine zuverlässigen Zahlen über die Entwicklung der Kurzsichtigkeit bei der Luxemburger Jugend hat, weil die systematischen Sehtests nur im ersten Zyklus der Grundschule durchgeführt werden. Viele Fälle von Kurzsichtigkeit würden aber erst später festgestellt.

Auf Basis der Statistiken der schulmedizinischen Dienste in den Sekundarschulen gehe man davon aus, dass bei etwa 40 Prozent der Teenager die Sehschärfe abnimmt. Diese Zahl habe sich seit 2000 nicht viel verändert, so Mutsch. Wie viele Fälle von Kurzsichtigkeit darunter sind, wisse man aber nicht. Das Phänomen der Kurzsichtigkeit sei außerdem kein rein luxemburgisches Problem. Es würde in allen Industrienationen festgestellt, so die Ministerin weiter.

Auch spielt laut Lydia Mutsch die ethnische Herkunft bei der Kurzsichtigkeit eine Rolle. Das habe eine britische Studie gezeigt. Anatomische Unterschiede seien eine Erklärung für Kurzsichtigkeit. Dies sei zum Beispiel auch ein Grund, warum mehr Asiaten an der Sehschwäche leiden.

Mutsch bestätigte, dass das natürliche Licht gut für das Auge sei und eine massive Nutzung von Computer, Handys und Tabletts die Sehstärke beeinflussen. Die natürlichen Farben und die Leuchtkraft, die an sonnigen Tagen bis zu 120.000 lux erreichen kann, fördern das Sehvermögen. Schon eine Helligkeit von bis zu 40.000 lux tue dem Auge gut. In geschlossenen Gebäuden betrage sie aber lediglich zwischen 100 und 500 lux. Das sei nicht ausreichend, um die Sehkraft langfristig zu wahren. Analysen würden nun durchgeführt, um die Helligkeit, in den Klassensälen zum Beispiel, auf 1.500 lux zu erhöhen. Nichts könne aber das natürliche Licht ersetzen, so Lydia Mutsch. Eine andere Studie hätte nämlich gezeigt, dass das Risiko kurzsichtig zu werden drastisch abnehme, wenn die Kinder mehr als 14 Stunden pro Woche draußen verbringen.

Gebildete sehen schlechter

Hierzulande wurde außerdem ein Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand und der Kurzsichtigkeit festgestellt. Personen mit einem Hochschulabschluss verbringen mehr Zeit in geschlossenen Räumen, vor dem Bildschirm. Die Folge: Mehr von ihnen leiden unter einer Sehschwäche.

Unklarheit bestehe aber nach wie vor über die Verbindung der Nahsicht und der Kurzsichtigkeit, so Mutsch. Auf jeden Fall sei laut Augenärzten zu viel Nahsicht dem Sehvermögen nicht förderlich und sollte daher begrenzt werden. Der Sehkraftverlust und in diesem Zusammenhang die Kurzsichtigkeit sollen dann auch bei der Ausarbeitung des Stundenplans in den Schulen berücksichtigt werden, fordert die Ministerin. Die Kinder sollen regelmäßig an die frische Luft. Spezielle Maßnahmen, wie in Taiwan, seien hierzulande aber nicht vorgesehen.