Bislang hat EZB-Chef Mario Draghi kein glückliches Händchen im Kampf gegen die schwache Inflation in der Eurozone bewiesen. Dabei pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) Monat für Monat Abermilliarden in den Finanzmarkt, unter anderem über den Kauf von Staatsanleihen. Dennoch fielen die Verbraucherpreise im Mai um 0,1 Prozent. Das Inflationsziel von knapp unter 2,0 Prozent, das die Notenbank als gesund für die Wirtschaft ansieht, ist in weite Ferne gerückt.
Jetzt greift Draghi zum nächsten Mittel, um die Inflation anzuheizen: Seit Mittwoch kauft die EZB auch Anleihen von Unternehmen. Oder anders gesagt: Die EZB wird zum Gläubiger kleiner und großer Firmen. Unter Experten ist diese Maßnahme hochumstritten. Nicht wenige stellen die Wirksamkeit in Frage, andere warnen vor massiven Marktverwerfungen und einige halten den Kauf von Firmenanleihen durch die Notenbank für schlicht rechtswidrig.
Von Siemens bis Renault
Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, die EZB habe beispielsweise Anleihen des Industriekonzerns Siemens, der belgisch-brasilianischen Brauerei AB Inbev und des französischen Autobauers Renault gekauft. Mit dem Programm wollen die Währungshüter der Privatwirtschaft mehr Geld verschaffen und sie so zu Investitionen anregen.
Schon jetzt gibt die EZB jeden Monat Milliarden aus, um Staatsanleihen zu kaufen. Zuletzt wurde die Summe von 60 auf 80 Milliarden Euro erhöht – ein Teil des zusätzlichen Geldes ist für den Kauf der Unternehmensanleihen vorgesehen. Abgewickelt werden diese Anleihenkäufe über die nationalen Notenbanken von Deutschland, Frankreich, Belgien, Finnland, Italien und Spanien.
Ab Mitte Juli soll jede Woche eine Liste der Papiere veröffentlicht werden, die von der EZB angekauft wurden, allerdings ohne Wertangabe.
Zu Demaart
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