Sonntag8. Februar 2026

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Olympias heile Welt zeigt Risse

Olympias heile Welt zeigt Risse
(AP/leo Correa)

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Die Doping-Krise in Russland belastet das Verhältnis zwischen IOC und der WADA immer mehr. Noch hat das IOC die Oberhand und fordert Reformen.

Die schöne, heile Olympia-Welt zeigt tiefe Risse. Die russische Doping-Krise belastet seit Monaten den internationalen Sport und hat längst auch den Frieden in der olympischen Familie zerstört. Zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) brodelt es gewaltig.

IOC-Präsident Thomas Bach geißelt die Politik der WADA mittlerweile öffentlich. Es gebe dort Probleme bei der Aufteilung der Verantwortlichkeiten, sagte Bach jüngst dem SID über die in Montreal ansässige Agentur und forderte: «Das muss sich ändern.» Damit wurde der deutsche IOC-Präsident erstaunlich deutlich, doch in seinen Augen hatten die obersten Doping-Kämpfer im Fall der Whistleblowerin Julia Stepanowa kläglich versagt.

Schulzuweisungen

Die Leichtathletin war mit ihren Enthüllungen über das russische Staatsdoping bei der Agentur abgeblitzt, ehe sie im deutschen Fernsehen bei der ARD auspackte. Unglücklich agierte die WADA in den Augen des IOC-Chefs auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Am Schwarzen Meer wurden im Doping-Labor Hunderte von Doping-Proben manipuliert – und die WADA bekam als zuständige Organisation für das Büro angeblich nichts mit. Noch am Sonntag schob Bach bei seiner ersten großen Pressekonferenz in Rio die Verantwortung für die Doping-Skandale der WADA zu, ohne deren Namen zu nennen. Das IOC, so Bach, sei nicht verantwortlich für «das Timing des McLaren-Reports», nicht für den zögerlichen Umgang mit belastenden Hinweisen gegen Russland und auch «nicht für die Beaufsichtigung der Anti-Doping-Labore».

Dass Bach und das IOC für solche Versäumnisse in der Öffentlichkeit zuletzt immer wieder Schelte abbekamen, stört den deutschen IOC-Chef enorm. Auch deshalb betont der 62-Jährige immer wieder die Eigenständigkeit der 1999 vom IOC gegründeten Agentur, die 2002 von Lausanne nach Montreal umzog, auch um sich mehr abzugrenzen. Dass der aktuelle WADA-Präsident Craig Reedie kurioserweise auch IOC-Vizepräsident ist, macht den Zwist nur noch spannender. Bach jedenfalls betont: «Im Grundsatz ist die WADA für den weltweiten Anti-Doping-Kampf zuständig. Sie wird von der Olympischen Bewegung und den Regierungen zu gleichen Teilen getragen.» Aber auch die WADA ist längst die Rolle des Prügelknabens leid und geht öffentlich immer häufiger auf Konfrontationskurs. Mit ihrer Forderung nach einem Total-Ausschluss Russlands, die von vielen Nationalen Agenturen geteilt wurde, erhöhte sie öffentlich den Druck auf das IOC.

Reformen angekündigt

Die Entscheidung, die deutlich von der Forderung abwich, kritisierte die WADA dann deutlich. Bach indes zieht Konsequenzen und kündigte weitreichende Reformen für die WADA an. Sie müsste schlagkräftiger werden, investigativer arbeiten. Dafür wurde der bayerische Polizist Günter Younger als neuer Chefermittler geholt. Zudem wurde die Agentur mit einem Jahresetat von knapp 30 Millionen Euro aufgefordert, 2017 eine Anti-Doping-Weltkonferenz einzuberufen, um nötige Änderungen nachzuholen. Auch den Russen ist der Konflikt längst ins Auge gestochen. Sportminister Witali Mutko lässt kaum eine Gelegenheit aus, um auf den Streit in der Öffentlichkeit hinzuweisen. Auch deshalb, um Mitschuldige für die schwere Doping-Krise seines Land zu finden. «Da gibt es einen Konflikt zwischen WADA und IOC», sagte Putins Sportminister und weiß am besten, wer der Stein des Anstoßes ist: «Sie haben keine gemeinsame Position in Bezug auf russische Athleten.»