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«Wir haben uns gut geschlagen in Luxemburg»

«Wir haben uns gut geschlagen in Luxemburg»
(Tageblatt)

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Werke in Esch und Differdingen fahren Produktions-Rekorde ein, Neuanstellungen und gute Nachricht für Rodange-Werk - der Luxemburger Stahlgigant ArcelorMittal ist optimistisch.

«Wir haben uns 2014 gut geschlagen hier in Luxemburg», so Alex Nick, seit Kurzem zuständig für die Aktivitäten von ArcelorMittal in Luxemburg. «Es war das beste Jahr seit der Schließung des Werks in Schifflingen.» Die zwei großen Werke von ArcelorMittal in Differdingen und in Esch-Belval haben beide letztes Jahr neue Rekorde bei der Produktion eingefahren.
Auch das Werk in Bissen «entwickelt sich sehr gut», so Alex Nick weiter. Die Produktion sei letztes Jahr um zehn Prozent gesteigert worden. Zudem gebe es noch viele potenzielle Kunden in Osteuropa für den Spezialdraht für Weinbauern.

Rodange lebt

Eine weitere gute Nachricht: Auch das Werk in Rodange, dessen Überleben bereits von vielen bezweifelt wurde, ist wieder «lebensfähig.» Geholfen habe hierbei eine Investition in die Produktion von Tram-Schienen. «Auch wenn das Invest relativ klein war, so bringt es doch einen großen kommerziellen Vorteil für Rodange», unterstrich Alex Nick. Einen neuen Auftrag aus Bulgarien habe man bereits erhalten.
Was die Investitionen angeht, so habe ArcelorMittal 2014 insgesamt 36 Millionen Euro in die Modernisierung der Luxemburger Werke gesteckt. Das soll auch 2015 so weitergehen. Allein 20 Millionen Euro sollen in eine neue Maschine für das Werk in Belval fließen. «Das wird uns einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz geben», so ein zuversichtlicher Alex Nick.

Neueinstellungen

In diesem Jahr plant ArcelorMittal dann auch wieder, neues Personal einzustellen. Insgesamt 40 Spezialisten (z.B. Elektriker, Schweißer) werde man für die Produktion suchen, so der Konzern.

Doch es gab nicht nur Positives am gestrigen Montag zu berichten. Das Werk von ArcelorMittal in Bettemburg, das rund 50 Mitarbeiter zählt, «steht auf sehr schwachen Beinen», erklärte Alex Nick. In Europa ist die Nachfrage nach dem Spezialdraht, der für das Sägen von Slizium-Scheiben für Solaranlagen verwendet wird, eingebrochen. Derzeit sucht ArcelorMittal nach neuen Wegen und Lösungen. Wie es in Bettemburg nun aber konkret weitergeht, ist noch nicht entschieden.

Auch was die Zukunft des eingemotteten Schifflinger Werks angeht, sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Die CO2-Quoten, die man für Schifflingen erhalten habe, könnte der Konzern in den anderen Luxemburger Werken, die Rekorde einfahren, aber gut gebrauchen, fügte Michel Wurth hinzu.

Europaweit bereitet die Klimapolitik dem Konzern große Sorgen. «Es ist ein globales Problem, das nicht von Europa allein gelöst werden kann», warnt Alex Nick. Dass nun jedoch allein europäische Werke teuer für CO2-Zertifikate zahlen müssen, könnte zur Folge haben, dass «bis 2030 kein Stahl in Europa mehr hergestellt wird». Dabei wolle man die europäischen Produkte doch in die gesamte Welt exportieren. Und, Strom im Belval koste bereits heute 88 Prozent – und Gas 360 Prozent – mehr als in den USA.

Sorgen in Europa

Auch Europas Konjunktur bereitet dem Stahlhersteller, der fast 40 Prozent seiner Verkäufe in Europa tätigt, keine Freude. Wachstum treibe den Verbrauch von Stahl an, so Alex Nick. Doch Europa wachse nur langsam. Nach wie vor läge der Stahl-Verbrauch in Europa 27 Prozent unter dem Niveau von vor 2007. China hingegen hat seit 2007 einen Zuwachs der Nachfrage von 74 Prozent verbucht.

Für die Zukunft der Luxemburger Werke gab man sich gestern insgesamt doch optimistisch. „2015 müssen wir Rekorde brechen“, so Alex Nick. Da Belval und Differdingen bereits ausgelastet seien, müsse man die Zuverlässigkeit und die Produktivität in den Fertigungsprozessen verbessern. Als größte Herausforderung sieht er die Installation der neuen Maschine in Belval. Laut Plan wird die Produktion drei Wochen unterbrochen werden müssen.

Daneben ist ArcelorMittal weiter auf der Suche nach einer geeigneten Lage für den geplanten neuen Hauptsitz in Luxemburg. Hier sollen künftig 1.200 Menschen arbeiten. Das historische Arbed-Gebäude wurde im November 2014 an die „Spuerkeess“ verkauft.

Der Stahlkonzern ArcelorMittal ist nach wie vor (mit über 4.500 Mitarbeitern) der größte private Arbeitgeber des Landes.