Und als Guo am Montagmorgen, vier Tage später, plötzlich wieder in der Öffentlichkeit auftauchte, verlor er über sein mysteriöses Verschwinden kein einziges Wort.
Auf einer Versammlung seines Konzerns Fosun in einem Shanghaier Hotel sprach der als «Warren Buffett Chinas» geltende Manager ausschließlich über das Geschäft, als wäre nichts passiert, berichteten Teilnehmer der Konferenz. Fosun teilte knapp mit, dass Guo in den vergangenen Tagen nicht erreichbar war, weil er der Polizei in Shanghai bei «sensiblen Ermittlungen» assistiert habe.
Worum es bei den Ermittlungen genau ging, und ob nicht vielleicht doch Korruptionsvorwürfe gegen Guo dabei eine Rolle spielen, dazu schwieg das Unternehmen beharrlich.
Aktie auf Talfahrt
Die Fosun Anleger jedenfalls fällten ein klares Urteil über Guos Zwischenspiel mit den Behörden und schickten die Fosun-Aktien auf Talfahrt: In Hongkong gelistete Papiere des Unternehmens sackten am Montag um knapp zehn Prozent ab, nachdem sie seit Freitag nach dem Verschwinden Guos vom Handel ausgesetzt waren.
In dem Kursrutsch spiegelt sich die Angst der Investoren wider, dass der steilen Aufstieg von Chinas Investment-Star Guo Guanchang wohlmöglich bald ein jähes Ende nehmen könnte.
Mischkonzern
Guo hatte Fosun 1992 gemeinsam mit Freunden aus Studienzeiten gegründet und es über die Jahre zum größten privaten Mischkonzern des Landes ausgebaut. Das Unternehmen war stets zur Stelle, wenn die kommunistische Regierung wieder einen Wirtschaftssektor für die Privatwirtschaft öffnete. Fosun schlug in der Stahlindustrie, im Pharmasektor und auch in der Immobilienbranche Wurzeln, bevor es sich immer mehr auf die Finanzbranche und in den vergangen Jahren vor allem auf Milliardenschwere Übernahmen im Ausland konzentrierte.
Fosun kaufte sich weltweit in verschiedenste Branchen ein. In Portugal übernahm der Konzern etwa die Versicherung Fidelidade. In Frankreich sicherten sich die Chinesen für eine Milliardensumme den Ferienanlagenbetreiber Club Med. Auch der kanadische Zirkus «Cirque du Soleil» gehört zu Fosuns Portfolio.
Kein Einzelfall
Das Schicksal von Guo Guangchang ist kein Einzelfall. Zuletzt verschwanden eine ganze Reihe von Finanzmanagern in China, weil sie von der Polizei verhaftet oder für einige Tage festgehalten und verhört wurden. Erst am Montag meldete der größte chinesische Broker Citic, dass zwei hochrangige Manager des Unternehmens verschwunden seien. Zuvor hatten die Behörden Ermittlungen gegen Citic und zwei weitere große Finanzhäuser des Landes eingeleitet. Im November wurde zudem der Hedgefonds-Milliardär Xu Xiang festgenommen.
Zu Demaart
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