Dienstag13. Januar 2026

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Sind Chinas US-Anleihen sicher?

Sind Chinas  US-Anleihen sicher?
(dpa)

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Staatsanleihen von Industrieländern galten lange Zeit als sichere Anlageform. Angesichts der Schuldenkrisen in Europa und den USA wird diese Sicherheit zunehmend in Zweifel gezogen.

Dies gilt im Fall der USA vor allem, seitdem die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit nicht mehr mit der Bestnote bewertet. Welche Konsequenzen könnte diese Entwicklung für den wichtigsten ausländischen Gläubiger China haben? China hält derzeit USAnleihen im Wert von 1,260 Billionen Dollar. dpa beantwortet die wichtigsten Fragen:

Welche Rechte hat ein Gläubiger von Staatsanleihen?

Der Käufer einer Anleihe gibt dem Staat einen Kredit. Anleihen haben eine Laufzeit von normalerweise zwei bis 30 Jahren. Bei kürzeren Laufzeiten spricht man von Geldmarktpapieren. Der Käufer einer Anleihe erhält nach Ablauf der Laufzeit die bezahlte Summe mit Zinsen zurück. Sollte der Staat zahlungsunfähig werden, dann kann die Rückzahlung ganz oder teilweise ausfallen. Beispielsweise hatte sich Argentinien im Jahr 2002 geweigert, seinen Schuldendienst fortzusetzen. Viele ausländische Anleger gingen leer aus. Normalerweise versuchen jedoch insolvente Staaten, eine Einigung mit den Anlegern zu finden, die dann nur auf einen Teil der Schulden verzichten.

Haben die Forderungen der Chinesen irgendeinen juristischen Wert?

Die Chinesen haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie andere Anleihenbesitzer. Sollte es jedoch zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen, müsste auch China auf Geld verzichten. Allerdings ist dies im Fall der USA kaum vorstellbar, da ein Kreditausfall der USA wohl zu einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen dürfte. Zudem könnte die US-Notenbank in einem solchen Fall US-Anleihen kaufen und damit Geld in den Wirtschaftskreislauf geben. Durch die dann steigende Inflationsgefahr würden jedoch die Anleihen für die Chinesen an Wert verlieren.

Wenn China juristisch schon nicht darauf bestehen kann, dass die USA sparen, warum ist es trotzdem ratsam, die Wünsche des wichtigsten Gläubigers ernst zu nehmen?

China ist der wichtigste ausländische Gläubiger der USA. Sollte China seine Anleihenkäufe einstellen oder gar Anleihen verkaufen, würde dies die Zinsen für US-Staatsanleihen stark nach oben treiben. Die USA könnten zunehmend Probleme bekommen, sich an den Anleihemärkten zu refinanzieren. Die dann vielleicht nötig werdenden starken Einsparungen oder eine Steuererhöhung würden die US-Wirtschaft erheblich belasten. Die USA haben also ein großes Interesse an weiteren Anleihenkäufen durch China.

Ist es wahrscheinlich, dass sich China vom US-Anleihenmarkt abwendet?

Nein, denn die Abhängigkeit zwischen beiden Staaten ist gegenseitig. China würde damit seine eigenen Fremdwährungsreserven gefährden, da die Kurse von US-Papieren stark unter Druck geraten dürften. Zudem hat China ein großes Interesse an einem starken US-Dollar. Ein starker Verfall des Dollars würde die Exportkraft Chinas belasten. Einige Experten sprechen angesichts der starken gegenseitigen Abhängigkeit schon von «Chimerica». Zudem gibt es derzeit zum großen und liquiden US-Anleihemarkt für China keine wirkliche Alternative.

Wo legt China sonst noch seine Währungsreserven an?

China ist dabei, seine Reserven breiter zu streuen. So kaufte China zuletzt offenbar verstärkt auch Anleihen aus der Europäischen Union. Schließlich ist die EU für China der wichtigste Handelspartner und nicht die USA. China hat daher auch ein besonderes Interesse am Erhalt der Eurozone. Die Chinesen haben immer wieder versprochen, verstärkt Anleihen aus den Krisenstaaten der Eurozone zu kaufen. Diese Versprechen wurden jedoch nicht immer eingelöst. Zudem kaufte China zuletzt auch verstärkt Gold. Insgesamt hat China Devisenreserven im Wert von rund 3,2 Billionen Euro.

Gibt es eine Insolvenzordnung für Staaten?

Eine internationale Insolvenzordnung für Staaten gibt es bis heute nicht. Sie wurde in der Vergangenheit aber immer wieder diskutiert. So hatte sich etwa der frühere Bundespräsident und IWF-Chef Horst Köhler für ein internationales Insolvenzverfahren ausgesprochen. Dieses könnte die negativen Auswirkungen eines Zahlungsausfalls für die Finanzmärkte abmildern. In der Eurozone ist allerdings eine Art von Insolvenzordnung geplant. Bei dem ab dem Jahr 2013 geltenden dauerhaften Stabilitätsmechanismus ESM (auch Rettungsschirm genannt), können Gläubiger in Krisensituationen einen Teil ihres Investments in Anleihen der Eurozone verlieren. Staatsanleihen der Eurozone sollen ab 2013 entsprechende Klauseln enthalten. Voraussetzung für eine Beteiligung privater Gläubiger ist aber eine sogenannte Schuldentragfähigkeitsanalyse von Europäischer Union und IWF.