Aktien runter, Gold rauf: Die Finanzmärkte haben sich aus Angst vor einer neuen Wirtschaftskrise auch am Mittwoch wieder sehr nervös gezeigt. Die Euro-Sorgenkinder Italien und Spanien rückten erneut in den Fokus. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wollte sich am Nachmittag vor dem Parlament zur wirtschaftlichen Situation äußern – vorsichtshalber aber erst nach Schließung der Börsen.
" class="infobox_img" />Das Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main. (Bild: dpa)
Hintergrund für die Unsicherheit sind Volkswirten zufolge auch die Sorgen über die Entwicklung der US-Wirtschaft. Der amerikanische Kongress hatte nach langem Ringen drastische Ausgabenkürzungen beschlossen, um den hohen Schuldenberg abzubauen. Hinzu kommt die angespannte Lage in den Euro-Krisenländern.
«Sichere Häfen» für Kapital
Der deutsche Aktienindex Dax sackte zum Handelsbeginn den sechsten Tag in Folge deutlich ab, konnte die Verluste jedoch bis zum Mittag auf 0,84 Prozent und 6739,82 Punkte beschränken. Vor einer Woche hatte der Index noch bei mehr als 7300 Punkten gelegen. An der Wall Street war der S&P-500-Index am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn gefallen. Auch der japanische Nikkei-Index sackte weiter ab. Hingegen legte Gold, das als «Krisenwährung» gilt, erneut zu: Der Preis des Edelmetalls stieg am Mittwoch im frühen Handel zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von 1663,10 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm).
Neben Gold findet auch der Schweizer Franken als «sicherer Hafen» immer mehr Zulauf. Darunter leidet inzwischen die Schweizer Exportwirtschaft. Nach langem Abwarten kündigte die Schweizerische Nationalbank daher am Mittwoch Maßnahmen gegen den starken Franken (derzeit 0,92 Euro) an, die einer Zinssenkung gleichkommen. Die Schweizer Währung sei derzeit «massiv überbewertet», hieß es.
Berlusconi zur Wirtschaftslage
Italiens Regierungschef Berlusconi wollte am Nachmittag vor dem Abgeordnetenhaus und dann vor dem Senat des Landes sprechen. Er nimmt nach längerem Zögern auf Druck der linken Opposition Stellung zu den hohen Schulden und der schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung. Obwohl Rom Mitte Juli in Rekordzeit ein Sparpaket von 48 Milliarden Euro verabschiedet hatte, trat keine Beruhigung an den Finanzmärkten ein. Die Renditen der italienischen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegen inzwischen bei mehr als sechs Prozent. Die immer weiter steigenden Kosten für geliehenes Geld belasten auch Spanien.
Über die Lage Italiens und die des Euroraums insgesamt berieten am Mittwoch auch der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, und Italiens Finanzminister Giulio Tremonti. «Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging», sagte Juncker in Luxemburg. Diplomaten gingen davon aus, dass die steigenden Zinsen für italienische Staatsanleihen im Mittelpunkt des Gesprächs standen. Bei einem Zinssatz von gut sieben Prozent erhielt Griechenland 2010 erstmals Finanzhilfen zur Abwendung einer Staatspleite. Inzwischen wurde bereits ein zweites Rettungspaket für die Griechen geschnürt.
Steuerzahler als Retter
Der Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco, Mohamed El-Erian, hält die bisherigen Bemühungen, den Euro zu retten, für unzureichend. «Sehr wahrscheinlich werden die Steuerzahler erneut gebeten werden zu helfen», sagte er dem Magazin «stern» (Donnerstag). Außer Griechenland würden womöglich auch Portugal und Irland zusätzliches Geld benötigen. Die Europäer müssten sich entscheiden, ob sie die angeschlagenen Euroländer «wie Ostdeutschland» unterstützen wollten, sagte El-Erian. Bisher hätten sie sich vor der Entscheidung gedrückt, ob in der Eurozone jeder für jeden haften müsse.
Die französische Großbank Société Générale verbuchte im zweiten Quartal unter anderem wegen hoher Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen einen überraschend hohen Gewinneinbruch. Die Bank korrigierte den Wert der von ihr gehaltenen griechischen Anleihen um 395 Millionen Euro nach unten. Die französischen Banken zählen zu den am stärksten in Griechenland engagierten Instituten. Am Vortag hatte bereits BNP Paribas hohe Abschreibungen (534 Mio Euro) vornehmen müssen.
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