Als Chefvolkswirt der BGL BNP Paribas hat Yves Nosbusch immer das große Ganze im Auge. Wenn er seinen persönlichen Ausblick auf das Jahr präsentiert, dann geht es um Rohstoffpreise, um die Politik der Zentralbanken, um Zinssätze und um Wachstumsraten.
«Der Elefant im Raum» ist in diesem Jahr, für Nosbusch, der Ölpreis. Seit Juni ist der Preis der Sorte Brent in Dollar gerechnet um rund 50 Prozent gefallen. In Euro gerechnet waren es 40 Prozent. Die Gründe dafür sind laut Nosbusch ein hohes Angebot an Rohöl, ausgelöst durch den Schiefergasboom in den USA, und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die entschieden hat, ihre Fördermengen nicht zu drosseln. Auf der anderen Seite sinkt die Nachfrage bedingt durch ein langsameres Wachstum im riesigen China.
Besonders das Treffen der OPEC im November zeichnet sich überdeutlich auf den Preiskurven beim Öl ab. Nach diesem Treffen rutschten die Preise noch kräftiger als bis dahin.
Ob ein niedriger Ölpreis gut oder schlecht für die Wirtschaft ist, ist von Land zu Land unterschiedlich. Erdölexportierende Länder leiden in der Regel darunter. Insbesondere die Erdölexporteure aus Afrika und Südamerika – vor allem aber Russland. Andere Regionen wie die Eurozone oder die USA profitieren von den niedrigeren Energiekosten.
Wahlen und Anleihen-Käufe
Das Wachstum der US-Wirtschaft sieht die BGL BNP Paribas 2015 bei 3,4 Prozent. Das Wachstum der Eurozone liegt demnach bei 1,1 Prozent. In der Eurozone sieht Nosbusch noch ein gewisses Risiko bei den Wahlen in Spanien und Griechenland, deren Ausgang und Konsequenzen nicht klar sind. Allerdings könnten die Länder, die harte Reformen hinter sich gebracht haben, «auch wenn es nicht leicht war», Nosbusch zufolge nun die Früchte ihrer Anstrengung ernten.
Positiv bewertet der Chefvolkswirt auch den Investitionsplan von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Er merkt allerdings an, dass es dauern wird, bis die Effekte davon sichtbar werden.
Mit Spannung wartet der Wirtschaftswissenschaftler auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank in der nächsten Woche. Seit Wochen schon deutet die EZB an, bald ein Staatsanleihenkauf-Programm zu starten. «Quantitative Easing» funktioniere, wie das Beispiel USA gezeigt habe. Wie genau eine solches «QE» in Europa aussehen würde ist bislang nicht bekannt.
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