Das Wort Krise hört man bei den meisten Vereinen eher ungern und wird auch nie bis selten in den Mund genommen. Bei der Jeunesse kommt man nach der ersten Heimniederlage in dieser Saison aber nicht daran vorbei. Zu flagrant sind vor allem die spielerischen Schwächen des Rekordmeisters.
In der Meisterschaft ist der Zug für die Europa League abgefahren. Nur noch über den Pokal kann die Mannschaft eine missglückte Saison retten. Am Sonntag musste die Jeunesse ihre erste Heimniederlage einstecken. Es ist ein Wunder, dass es so lange gedauert hat. RM Hamm Benfica, der in der Rückrunde bis dato enttäuschte, führte die Escher vor eigenem Publikum regelrecht vor. Und die Situation könnte sich noch verschlimmern, denn am nächsten Spieltag muss die Jeunesse bei den heimstarken Wiltzern antreten.
Auswärts wurde bisher noch kein Sieg geholt. Fünf mickrige Unentschieden stehen zu Buche. In den nächsten Wochen sind dann die Topteams aus Differdingen und Düdelingen zu Gast auf der Grenze.
Doch was sind die Gründe für den Absturz der Jeunesse?
Falsche Einkaufspolitik: Im Sommer wurden mit Piskor, Kintziger und Albanese drei Ersatzspieler aus Differdingen geholt. Den Klub verließ mit Benajiba der statistisch beste Spieler. Durch die guten Europa-League-Spiele wurde dieser Zustand kurzzeitig übertüncht. Piskor spielt mittlerweile nur noch zweite Mannschaft, Albanese kommt sporadisch zum Einsatz und Kintziger ist – obwohl er Stammspieler ist – eher eine Ergänzung als eine Verstärkung. Im Winter wurde Désiré Sègbè aus Metz geholt, der sehr talentierte Flügelspieler ist mit seinen 20 Jahren aber noch nicht in der Lage, eine Mannschaft aus einer schwierigen Situation rauszureißen.
Kein Leader: Seit dem Abgang von René Peters hatte die Jeunesse keinen echten Leader mehr. Marc Oberweis übernimmt diese Rolle in den Kabinen, kann aber auf dem Platz als Torwart nur wenig Einfluss auf das Geschehen nehmen. Der Rest der Mannschaft hat keine Leaderqualitäten oder ist zu jung, um in diese Rolle zu schlüpfen.
Keine Erfahrung: Man muss der Jeunesse und Trainer Dan Theis ein Lob dafür aussprechen, dass der Nachwuchs eine Chance bekommt. Ricky Delgado (20), Marvin Martins (19), Milos Todorovic (18) und die etwas erfahreneren Denis Agovic (20), Andrea Deidda (20) und Dino Ramdedovic (22) werden in ein paar Jahren das Gerüst der Mannschaft bilden. Zurzeit sind sie jedoch noch zu jung, um einen Klub mit der Tradition einer Jeunesse anzuführen. Das verwöhnte Escher Publikum macht es der Rasselbande zudem nicht einfacher. Druck gehört auf der „Grenz“ zum Alltag.
Erfahrene Spieler wie Dan Collette und Khalid Benichou drücken zurzeit nur noch die Bank oder gar die Tribüne.
Keine Kreativität: Das Team verfügt zurzeit über keinen einzigen Kreativspieler. Seit Chu Wang verletzt ist, fehlen die Ideen. Aber auch als der Chinese fit war, konnte er seine Leistungen nur sporadisch abrufen. Eric Hoffmann ist als Defensivspieler der beste Vorlagengeber, das spricht Bände. Die Jeunesse hatte mehrere Spiele in dieser Saison, in denen sie zwar mit einem Tor (u.a. gegen RM Hamm Benfica und die Fola), aber ohne eigentliche Torchance nach 90 Minuten den Platz verließ.
Taktische Kuriositäten: Zu Beginn der Saison wurden auf den Außenpositionen im Mittelfeld mit Dan Collette und Clayton de Sousa zwei Verteidiger aufgestellt. Beide lieben es, das Spiel vor sich zu haben und konnten sich nur schwer mit der neuen Rolle anfreunden. Konsequenz: De Sousa spielte seine schlechteste Saison seit Jahren. Eric Hoffmann wurde von Dan Theis auf die Sechs beordert, obwohl er eher laufschwach ist und seine Stärken in der Innenverteidigung hat.
Zu Demaart
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