„Iss nicht so schnell und kau nicht so große Brocken, sonst bekommst du einen Knoten in den Bauch“, mahnte meine Oma immer. Die betagte Dame hatte ihre Erfahrungen in zwei Weltkriegen und den darauffolgenden Krisenzeiten gemacht. Wann immer sie eine Mahlzeit zu sich nahm, kaute sie jeden Bissen mit Bedacht. Dies, so erklärte sie mir, erhöhe sowohl die Bekömmlichkeit der Mahlzeit als auch das Aufnehmen der Nährstoffe. Dabei verwendete Oma ausschließlich Lebensmittel aus der Region, in der sie wohnte, von ansässigen Bauern, dem Markt oder kleinen Lebensmittelläden. Als ich später die Heimat verließ, war während der Studienzeit kaum noch Muße, heimische Gerichte zuzubereiten und zu genießen. Neben aufgeschlagenen Büchern wurde schnell etwas Essbares zu sich genommen oder auch manchmal – entgegen dem großmütterlichen Rat – heruntergeschlungen. Das konnte auch mal eine Tiefkühlpizza, eine Currywurst oder gar ein Kurzbesuch in einer der vielen Fast-Food-Ketten sein – Genuss war anders.
Wie anders, das brachte der Italiener Carlo Petrini ans Licht der Weltöffentlichkeit. Der Soziologe aus dem ligurischen Bra schrieb bereits in den 70er Jahren über Essen und Trinken und deren Einfluss auf die Gesellschaft. Als heimischer Barolo-Rotwein mit Methanol verpanscht auf den Markt geworfen wurde und daran 19 Menschen starben, gründete er aus Protest die Vereinigung Freunde des Barolo. Petrini liebte und liebt die italienische Küche. Die Eröffnung einer McDonalds-Filiale an der ehrwürdigen römischen Piazza Navona brachte den Mitbegründer der Gourmet-Zeitschrift „Gambero Rosso“ auf die sprichwörtliche Palme. Er konterte nicht nur das Ereignis mit einem öffentlichen Spaghetti-Essen zu Füßen der Spanischen Treppe, sondern rief 1986 auch die Bewegung „Slow Food“ ins Leben. Der Erfolg der neuen Vereinigung nahm seinen Lauf, besonders als italienische Mediziner auf die Verbreitung von Fast-Food-Ketten mit einer ganzseitigen Zeitungsannonce reagierten: „Fast Food macht impotent!“. Das kam – vor allem bei den männlichen Italienern – an, schnell kehrte man zur heimischen Pasta und handgemachten Pizza zurück. Seither verschreiben sich viele Lebensmittelproduzenten, Weinbauern und Gastronomen der Vereinigung „Slow Food“ unter dem Markenzeichen der Weinbergschnecke.
Slow >Food ist das Gegenteil von Fast Food, gegessen wird beides gleich schnell.