Katastrophe im Feriengebiet: Die schwersten Überschwemmungen in der jüngeren Geschichte Russlands haben in der Urlaubsregion Krasnodar mehr als 150 Menschen in den Tod gerissen.
Binnen weniger Stunden verloren Tausende Bewohner ihr gesamtes Hab und Gut. Das Staatsfernsehen zeigte viele verzweifelte Menschen, die jetzt vor allem auf Hilfe von Verwandten hoffen. «Vom Staat erwarte ich nichts», sagte ein weinender Mann. Nach fast zweitägigem Dauerregen überflutete Hochwasser etwa 5.000 Häuser, rund 22.000 Menschen waren ohne Strom. In mehreren Städten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Bahngleise und Straßen seien unterspült oder von Schlamm überdeckt und unpassierbar, hieß es. Die Armee stellte Speziallastwagen und Hebekräne bereit.
Kremlchef Wladimir Putin kam zu einer Krisensitzung im Katastrophengebiet. Der Präsident verschaffte sich am Samstag zunächst bei einem Flug im Helikopter einen Überblick über die Situation in der überfluteten Region Krasnodar. Danach habe Putin mit Mitarbeitern des Zivilschutzes über die weiteren Rettungsarbeiten beraten, meldete die Agentur Interfax. Die Behörden sprachen von der schlimmsten Katastrophe seit Jahrzehnten.
Im Dauereinsatz
«An eine solche Katastrophe kann sich hier niemand erinnern», sagte Gouverneur Alexander Tkatschow am Samstag im Fernsehen. Unter den Opfern waren viele ältere Menschen und mindestens ein Kind. Auch ein Polizeioffizier sei bei den Rettungsarbeiten ums Leben gekommen, teilte das Ministerium nach Angaben der Agentur Ria-Nowosti mit.
Rund 1.500 Rettungskräfte waren im Dauereinsatz. Die Polizei verstärkte die Präsenz in der Region, um Plünderungen zu verhindern. Am Abend seien bereits zwei Plünderer festgenommen worden.
Meterhohe Wellen
Augenzeugen berichteten von rund sieben Meter hohen Wellen, mit denen das Wasser in die Orte hineingeschossen sei. Zahlreiche Bewohner überraschte das Unwetter im Schlaf. «Viele haben trotz dringender Warnungen ihr Haus nicht verlassen», sagte ein Sprecher der Rettungskräfte.
Allein im Bezirk Krimsk rund 300 Kilometer nördlich von Sotschi, wo 2014 die Olympischen Winterspiele stattfinden, seien etwa 140 Menschen ertrunken, hieß es. Mindestens zwei Menschen starben in Russlands größtem Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk, der wegen des massiven Sturms den Betrieb einschränken musste. Neun Touristen kamen im Küstenort Gelendschik ums Leben, davon fünf an Stromschlägen.
Behördlicher Fehler
Bewohner der Region warfen den Behörden vor, die Schleusen eines nahen Stausees geöffnet und damit das Hochwasser mitverursacht zu haben. Ermittler räumten zwar ein, dass Wasser abgelassen wurde. Dies sei aber nicht der Grund für die Überschwemmungen gewesen, hieß es.
Den Angaben zufolge fiel innerhalb weniger Stunden so viel Regen wie sonst im Monatsdurchschnitt. Zudem hätten Sturzbäche aus dem angrenzenden Kaukasusgebirge das Gebiet überschwemmt.
Zu Demaart













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