Montag19. Januar 2026

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UN will neuen Syrien-Vermittler

UN will neuen Syrien-Vermittler
(dpa-Archiv)

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Die Bemühungen um eine politische Lösung des Syrien-Konflikts stecken in der Sackgasse. Der Sondergesandte Annan trat zurück, die UN-Vetomächte beschuldigen sich gegenseitig. Und die syrischen Konfliktparteien verstehen nur noch die Sprache der Gewalt.

Nach dem Rückzug des Syrien-Sonderbeauftragten Kofi Annan rückt eine Lösung des blutigen Konflikts in weite Ferne. Die Mitglieder im UN-Sicherheitsrat beschuldigten sich gegenseitig, für das Scheitern von Annans Vermittlungsbemühungen verantwortlich zu sein. Die UN-Vollversammlung will an diesem Freitag auf Initiative arabischer Länder mit einer Resolution das Regime von Präsident Baschar al-Assad verurteilen. In Syrien gingen am Freitag die erbitterten Kämpfe weiter.

Aktivisten berichten am Freitag von einem neuen Massaker der Regierungstruppen mit 62 Opfern. Das Massaker soll sich in der zentralsyrischen Stadt Hama ereignet haben. Unter den Toten im Stadtteil Al-Arbain seien auch Frauen und Kinder, teilten die Lokalen Koordinationskomitees mit, ein Dachverband örtlicher Aktivsten. Das Militär habe auf den Dächern Scharfschützen postiert. Die Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

In der Wirtschaftsmetropole Aleppo rüsten sich Regierungstruppen und Rebellen für eine entscheidende Schlacht. «In Aleppo sehen wir einen bemerkenswerten Aufbau von militärischem Gerät, der uns glauben lässt, dass der Hauptkampf kurz bevor steht», sagte UN-Untergeneralsekretär Hervé Ladsous. Aber auch in Damaskus seien regelmäßig weiter Explosionen zu hören.

Entscheidende Shlacht in Aleppo

Das syrische Regime hat seine Truppen in der heftig umkämpften Stadt Aleppo verstärkt. «Dutzende Lastwagen mit Soldaten und mehr als 100 Panzer wurden rund um Aleppo in Stellung gebracht», sagte der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi am Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Rebellen kontrollieren nach eigener Darstellung inzwischen rund ein Drittel der Stadt, vor allem im Ostteil.

In Aleppo spitze sich die humanitäre Krise weiter zu. Weil die Müllabfuhr nicht mehr arbeite, stinke der Abfall zum Himmel, berichtete eine Reporterin des Fernsehsenders Al-Dschasira aus der Stadt. Vor Bäckereien bildeten sich lange Schlangen. Gas zum Kochen sei Mangelware. Die Luftangriffe versetzten die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken.

UN-Resolution

Die 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen wollen an diesem Freitag in der Vollversammlung über einen Text abstimmen, der Assads Blutbad am eigenen Volk scharf verurteilt. Wie die beiden Vorgänger-Resolutionen der Vollversammlung kann allerdings auch diese keine Strafmaßnahmen gegen das syrische Regime auslösen. Solche weitergehenden Sanktionen des UN-Sicherheitsrats waren bisher immer am Widerstand Russlands und Chinas gescheitert. Kofi Annan hatte seinen Rückzug am Donnerstag auch mit der in seinen Augen mangelnden Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft begründet.

Unterdessen sagten sich in Syrien erneut zwei hohe Militärs von Assad los. Einer der beiden, General Ahmed Tlass, ist ein Verwandter von General Manaf Tlass, des bislang einflussreichsten Überläufers. Ahmed Tlass soll dem Nachrichtensender Al-Arabija zufolge exzellente Kenntnisse über die Waffenbestände des Regimes und über das Innnenministerium haben.

Zivilisten auf der Flucht

Mehr als zwei Millionen Menschen sind nach UN-Angaben von der humanitären Krise in ganzen Land betroffen. Die 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen wollen an diesem Freitag in der Vollversammlung über einen Text abstimmen, der Assads Blutbad am eigenen Volk scharf verurteilt. Die Resolution zieht allerdings keine Strafmaßnahmen gegen das Regime von Machthaber Assad nach sich.

Der bisherige Syrien-Sondergesandte Annan hatte am Donnerstag angekündigt, sein Amt nach gut fünf Monaten vergeblicher Vermittlungsbemühungen aufzugeben. Der frühere UN-Generalsekretär begründete seinen Rückzug mit der mangelnden Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und der fehlenden Einigkeit im UN-Sicherheitsrat.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die USA gaben Russland und auch China eine Mitschuld am Rückzug des Sondergesandten. Die Entscheidung verdeutliche das Versagen beider Länder, bedeutende Resolutionen gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu unterstützen, die den Verstoß gegen Annans Sechs-Punkte-Plan geahndet hätten, sagte US-Regierungssprecher Jay Carney.

Dagegen gab Russland indirekt den Unterstützern der Regimegegner die Schuld für den Rückzug von Annan. «Er ist ein ehrlicher internationaler Vermittler, aber es gibt solche, die ihn aus dem Spiel nehmen wollen, um freie Hand für den Einsatz von Gewalt zu haben», schrieb Vizeaußenminister Gennadi Gatilow in der Nacht zu Freitag auf Twitter. China will im Syrien-Konflikt eine politische Lösung unterstützen. Sein Land sei offen für jeden Vorschlag, sagte der Sprecher des Außenministeriums Hong Lei am Freitag in Peking.

Syrien bedauert Annans Rückzug

Die Regierung in Damaskus reagierte ebenfalls mit «Bedauern» auf Annans Rückzug. Zugleich warf die syrische Führung ihren Kritikern im Sicherheitsrat vor, sie wollten die Stabilität Syriens erschüttern. Mit der Unterstützung und Bewaffnung «terroristischer Gruppen» hätten diese Staaten dazu beigetragen, dass die Gewalt im Land anhalte.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich für eine Fortsetzung der UN-Präsenz in Syrien auch nach dem Ablauf des Mandats der Beobachtermission Unsmis am 19. August aus. Die Suche nach einem Nachfolger Annans hat bereits begonnen.

Annan kritisiert Konflikt-Parteien

«Ohne ernsten, entschlossenen und vereinten internationalen Druck, auch von den Mächten der Region, ist es mir wie auch jedem anderen unmöglich, an erster Stelle die syrische Regierung – und auch die Opposition – zu zwingen, mit den nötigen Schritten für einen politischen Prozess zu beginnen», hatte der 74-jährige Annan am Donnerstag in Genf gesagt. «Während das syrische Volk verzweifelt nach Taten verlangt, gehen die gegenseitigen Schuldzuweisungen im Sicherheitsrat weiter», kritisierte Annan.

Nach UN-Angaben wurden seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 mindestens 16 000 Menschen getötet. Die Zivilbevölkerung leidet immer mehr. Hunderttausende sind auf der Flucht.